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Kahle Wart: Familienstück »Aschenputtel« feiert Premiere – moderne Inszenierung

Märchen mit Kinoflair

Hüllhorst (WB). Doris Priem aus Kirchlengern sitzt mit Sohn Sebastian und ihren beiden Enkeln in der ersten Reihe und verfolgt gebannt die Geschehnisse auf der Bühne. Bei der Premiere des Familienstücks »Aschenputtel« auf der Freilichtbühne Kahle Wart gab es für Groß und Klein viel zu lachen und einiges zu entdecken.

Eva Rahe

Darf ich bitten? Die Ballszenen sind die wohl wichtigsten in dem berühmten Märchen: Aschenputtel (Sarah Lorenz) und der Prinz (Frederik Kirchhoff) sind verliebt, haben viel Spaß miteinander und amüsieren sich prächtig. Foto: Eva Rahe

Sehr modern wirkten die Figuren aus dem Märchenklassiker der Gebrüder Grimm in der Umsetzung von Regisseur Jürgen Wiemer. Zudem wurden einige Figuren dazuerfunden, damit alle Darsteller aus dem Ensemble mitspielen konnten. Dem kleinen Jonathan Priem gefielen vor allem die beiden bösen Stiefschwestern Arroganzia (Sara Weßler) und Fettonella (Sina Lütkenhöner).

In der heimischen Inszenierung bekommen sie allerdings eine neue Färbung. Die eine zu dumm, die andere zu dick, und beide, genau wie in der Märchenvorlage, nur auf ihren Vorteil bedacht. Dabei gehorchten sie auf eine plump- schnodderige Art ihrer nicht minder niederträchtigen Mutter.

Tanzbein und Federlein

Ein weiteres Glanzlicht waren die frei erfundenen Figuren Tanzbein und Federlein, gespielt von Luca Ostlinning und Jens Osterloh. Sie waren mit ihren kleinen Streitereien und dem gelungenen Wortwitz das Salz in der Suppe und sorgten beim Publikum für viel Gelächter. Unglückseligerweise waren die beiden in die bösen Stiefschwestern verliebt, aber aus einem Happy-End wurde leider nichts, wie jeder weiß. Zum Schluss werden die böse Stiefmutter und ihre Töchter vom Hof gejagt, begleitet von einem schnöden »Heult leise«.

Nicht zufällig ein unvergessenes Zitat aus dem Kinofilm »Fack ju Göhte«. Regisseur Jürgen Wiemer integrierte ganz bewusst Jugendsprache in das Stück, Anlehnungen an den Film gab es in seiner Inszenierung viele. Auch die Musik, die das Stück begleitet, stammt in erster Linie aus Soundtracks. »Filmmusik hat den Vorteil, dass sie Emotionen hervorruft«, sagte Jürgen Wiemer. Dieses dramaturgische Hilfsmittel fände oft Verwendung in seinen Familienstücken. Hintergrund sei, dass sie nicht mit Lichteffekten arbeiten könnten, da es ja bei den Aufführungen taghell sei.

So ging ein Raunen durch das Publikum, als der Prinz mit romantischer Musikuntermalung zum ersten Mal auf die Bühne trat. Auch die Tanzeinlagen im Stück waren an filmische Vorlagen angelehnt. Für die Ballszene, bei der Aschenputtel zum ersten Mal dem Prinzen begegnen sollte, hatten die Darsteller extra einen Workshop besucht. In einer Paartanz-Performance bewegten sie sich fast wie in Zeitlupe zur Musik und vollführten synchron Figuren aus dem klassischen Paartanz. Dafür bekamen sie vom Publikum einen lauten Zwischenapplaus.

Viel Beifall und Lob

Das gut gelaunte Publikum feierte die Premiere mit viel Beifall und lobenden Worten. »Wir finden es toll, dass sich die jungen Leute alle so auf das Stück einlassen und frei heraus auf der Bühne stehen«, sagte Marlies Hammerschmidt. Sie war mit ihrer ganzen Familie aus Mennighüffen gekommen, um Enkel Luca Ostlinning, der den Tanzbein spielte, zu unterstützen. Zum Schluss gab es natürlich die übliche Autogrammstunde, bei der sich alle Darsteller nochmal persönlich vom Publikum feiern lassen konnten. Erleichterung war zu spüren, dass alles so gut geklappt hatte. Sogar das Wetter hatte an diesem Sonntagnachmittag sein Bestes gegeben.

Die nächsten Spieltermine für das Familienstück »Aschenputtel« sind am Donnerstag, 31. Mai (Fronleichnam), und am Sonntag, 3. Juni, beides um 16 Uhr. Weitere Info unter www.kahlewart.de.

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