1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Huellhorst
  6. >
  7. Sie machen sich für Hüllhorst stark

  8. >

Für den Gemeinderat Hüllhorst kandidieren viele Neulinge – Vier berichten über ihre Motivation

Sie machen sich für Hüllhorst stark

Hüllhorst (WB). Bei der Wahl zum Gemeinderat in Hüllhorst treten im September in 16 Wahlbezirken Direktkandidaten von sechs Parteien und Wählergruppen an: SPD, CDU, Bündnis 90/Die Grünen, FWG UHu, FDP sowie erstmals die AfD. Sie wollen ehrenamtlich Politik in Hüllhorst gestalten. Diese Zeitung befragte beispielhaft einzelne Bewerber nach ihrer Motivation.

Kathrin Kröger

Ralf Steinmeyer bewirbt sich für die SPD um einen Sitz im neuen Gemeinderat und tritt für Oberbauerschaft-Mitte an (auf dem Bild an der Oberbauerschafter Christuskirche). Foto: Kathrin Kröger

Ralf Steinmeyer (SPD)

Ralf Steinmeyer kann weit ins Land blicken von der Terrasse seines Gartens aus. Die Wiesen und Felder vor Augen mit dem Wiehengebirge am Horizont nennt er Oberbauerschaft seit 35 Jahren seine Heimat. Hier fühlt er sich wohl, weiß die Beschaulichkeit und die Natur zu schätzen. Gleich um die Ecke ist ein Tante-Emma-Laden, wo er sich frische Brötchen holt. In seinem Beruf geht es oft alles andere als ruhig zu.

„Ich bin seit knapp 42 Jahren Polizist, aber das Ende der Dienstzeit nähert sich“, sagt Ralf Steinmeyer. In gut zwei Jahren geht der gebürtige Nettelstedter in den Ruhestand, „aber die Kommunalwahl ist jetzt“. So ergriff er endlich die Gelegenheit, sich politisch zu engagieren. Der Oberbauerschafter bewirbt sich für die SPD als Direktkandidat für den Wahlbezirk 002 um ein Mandat im Gemeinderat. Seine Beweggründe? „Ich möchte in der Region, in der ich aufgewachsen bin, etwas mitgestalten und für die Zukunft etwas entwickeln.“

Genau diese Möglichkeit bietet ihm seiner Ansicht nach die SPD Hüllhorst, der er Anfang des Jahres beigetreten ist. Seine persönlichen inhaltlichen Schwerpunkte spiegelten sich in denen der Partei wider. „Diese sind bis 2030 angelegt. Von kurzfristigen Wahlversprechen halten wir nichts“, sagt der 59-Jährige. In den nächsten fünf Jahren solle die Debatte um die Feuerwehrgerätehäuser abgeschlossen werden, ebenso die Diskussion um die Grundschulstandorte – „mit größtmöglichem Konsens aller Beteiligten“.

Dörflichen Charakter beachten

Auch das Mobilitätskonzept benennt Steinmeyer als wichtiges Thema. Ebenso komplexe Herausforderungen und Projekte, zu denen der Oberbauerschafter auch die Ansiedlung eines Ärztehauses in der Gemeinde zählt, müssten angefasst werden. Bei all dem müsse aufs gute Wirtschaften geschaut werden. „Haushaltssicherung vermeiden und Handlungsfähigkeit erhalten“ – dafür stehe die SPD.

Aber natürlich blickt Steinmeyer auch auf seinen Wahlbezirk. Der dörfliche Charakter solle Beachtung finden. Und die Infrastruktur nicht vernachlässigt werden. Der SPD-Politiker nennt als Beispiel die Sanierung des Lehrschwimmbeckens. Im Wahlkampf freut sich Steinmeyer weiterhin auf die Begegnung mit Menschen, „die sich auf der Sachebene austauschen möchten“. Damit, dass ein Kommunalpolitiker auch mal unbequeme Entscheidungen treffen muss und es nicht jedem Recht machen kann, hat er keinerlei Problem. Allein schon berufsbedingt scheut er nicht die kritische Auseinandersetzung.

Der Wahlkampf in Corona-Zeiten, übrigens ein Wort, das er nicht mag („es geht nicht um Gegner, sondern um Mitbewerber“), ist erschwert, doch auch unter den gegebenen Bedingungen macht Steinmeyer das persönliche Gespräch mit dem Wähler möglich. „Außerdem sind wir in den sozialen Medien aktiv.“

Dana Rohlfing (Grüne)

Dana Rohlfing kommt mit dem Rad. Und zwar nicht, weil es sich für eine Grüne so gehört und hübsch auf dem Foto macht, sondern weil sie Umweltschutz lebt. So manche Strecke legt die junge Frau völlig abgasfrei zurück und wird in der Familie nur noch getoppt von ihrem Ehemann Sebastian. Der fährt jeden Tag, bei Wind und Wetter, mit dem Fahrrad von Tengern nach Herford zur Arbeit.

Aber zurück zu Dana Rohlfing, die erstmals für einen Sitz im Hüllhorster Gemeinderat kandidiert. „Endlich“, wie ihr Umfeld gesagt habe. Im August 2019 ist sie der Partei beigetreten, hat aber ihren Mann, der Sprecher des Ortsverbandes der Hüllhorster Grünen ist, viel unterstützt. Man merkt der 40-Jährigen an, wie viel Lust sie darauf hat, aktiv in der Kommunalpolitik mitzumischen. „Ich hab einfach viel zu viel Meinung, um diesen Schritt nicht zu tun.“ Und sie motiviert auch gern andere, es ihr gleich zu tun. Nicht zuletzt ihre Geschlechtsgenossinnen. „Wir haben tolle Frauen im Team“, sagt Dana Rohlfing. Einen politischen Hintergrund brauche es nicht, um etwas zu bewegen. „Den habe ich auch nicht.“

Besonders am Herzen liegen der Mutter zweier Söhne die Themen Schule und Bildung. „Schon aufgrund meines Berufes.“ Vor fast fünf Jahren hat sich die examinierte Logopädin und studierte Lerntherapeutin mit einer Logopädie-Praxis in Tengern selbstständig gemacht. „Ich arbeite hier vor Ort in den Kindergärten“, erzählt Dana Rohlfing, die zum Beispiel für die Sprachstandserhebungen in vier Kitas der Gemeinde verantwortlich zeichnet. Ein Projekt, das sie zusammen mit der Kindergartenleitung in Schnathorst auf die Beine gestellt hat. Ihr weiteres Interesse gilt dem Ausbau des Radwegenetzes. Sie findet, dass Hüllhorst fahrradfreundlicher werden sollte. „Der Radweg von Schnathorst nach Hüllhorst hört irgendwann auf“, nennt sie ein Beispiel, wo ihrer Ansicht nach nachgebessert werden müsste.

Bedingungen für E-Mobilität verbessern

Außerdem spricht sich Dana Rohlfing für einen Bürgerbus aus. Gar nichts hingegen kann sie mit Ortsteildenken anfangen. Auch bei der Wahl des Autos setzt Familie Rohlfing auf umweltschonende Fortbewegungsmittel. „Wir haben seit vier Jahren zwei E-Autos, am Anfang war das schwierig“, sagt sie. Als sie zusammen mit ihrem Mann zu Fortbildungen nach Köln wollte, dauerte die Fahrt mit dem E-Auto 17 Stunden.

Seitdem habe sich Etliches zum Positiven verändert. „Eine Ladefüllung reicht nun für die Strecke.“ In Hüllhorst könnten die Bedingungen für die Elektromobilität, kombiniert mit Solarenergie, „natürlich viel besser sein“, betont die Grünen-Politikerin, die Kritik spannend findet. „Man muss aushalten können, auch mal nicht gemocht zu werden.“

Ute Niestrat (FWG UHu)

Man könnte den Eindruck gewinnen, der Tag von Ute Niestrat hat mehr als 24 Stunden. Sie ist voll berufstätig als Pflegedienstleiterin in einem Rahdener Seniorenheim und engagiert sich in ihrer Freizeit bei den Soroptimisten, im Radsportverein und bei der Tafelausgabe. „Jeder kann bedürftig werden“, sagt sie. Zudem sitzt Ute Niestrat etwa einmal im Monat als Schöffin mit auf der Richterbank.

Warum sie sich erstmals um einen Sitz im Hüllhorster Rat bewirbt? „Ich lebe in Hüllhorst. Das ist mein Zuhause und ich möchte vor Ort mitentscheiden. Wenn ich etwas ändern will, kann ich das nur, wenn ich aktiv mitmache“, sagt die 55-Jährige, die für den Verein FWG Uhu (Freie Wählergemeinschaft Unabhängige Hüllhorster Union) bei der Kommunalwahl antritt. Die gebürtige Isen-stedterin, die in Holsen wohnt, ist nicht im klassischen Sinne eine Newcomerin, denn sie engagiert sich bereits seit 2003 politisch, agierte bislang auf Kreisebene und tut dies noch. Schon damals gehörte die Mutter zweier Kinder den Freien Wählern an, war sogar eines der Gründungsmitglieder der FWG Mühlenkreis.

„Die hiesigen Parteien sagten mir nicht zu.“ Ihrer Ansicht nach können selbige nicht frei nach eigenem Sachverstand entscheiden, sondern sind „ideologisch gebunden“. Das Selbstverständnis der Freien Wähler hingegen? Niestrat: „Wir sind Bürger und entscheiden für Bürger.“ 2007 habe sie versucht, in ihrer Heimatgemeinde eine Ortsgruppe ins Leben zu rufen, es habe sich damals aber als zu schwierig erwiesen, genügend Mitstreiter zu finden. „Dabei können wir das Zünglein an der Waage sein“, so Niestrat.

Keine große Schule für alle

Thematisch beschäftigt Ute Niestrat unter anderem die Grundschuldebatte. „Von einer großen sechszügigen Schule für alle halte ich nichts“, sagt sie. Für die Büttendorfer sei die Schule ein Herzstück im Dorf. Durch den nach wie vor gesperrten Dorfgemeinschaftsraum im Kellergeschoss des Schulgebäudes, wo sich sonst auch Vereine trafen, stehe die Standortentscheidung auch im Zusammenhang mit dem Vereinsleben. „Ohne dieses Vereinsleben geht es nicht. Das sollte man unterstützen“, so Niestrat, die als weitere Schwerpunkte Glasfaserausbau und Wirtschaftsförderung anführt. In dem Team, das nun erstmals bei der Kommunalwahl an den Start geht, fühlt sich Ute Niestrat am richtigen Platz. „Es macht Spaß. Wir haben eine tolle, relativ junge Truppe.“

Jens Maschmeier (CDU)

Jens Maschmeier bezeichnet sich selbst als den wohl grünsten CDU -Politiker, was den Naturschutz anbelangt. Direkt gegenüber seines Wohnhauses in Tengern befindet sich eine Streuobstwiese samt Bürgerwald. „Die Wiese haben wir in diesem Jahr angelegt. Weitere Aufforstungen sind geplant.“

Die Motivation des eloquenten Unternehmers, für die Kommunalwahl als Direktkandidat ins Rennen zu gehen? „Ich möchte Tengern eine starke Stimme im Gemeinderat geben.“ Nicht immer kritisieren, sondern sich über die Hintergründe informieren und mitwirken – darum geht es Jens Maschmeier im Kern. Zudem stünden wichtige Entscheidungen in der Gemeinde an, wie zum Beispiel die Schulfrage. Der CDU-Politiker plädiert dafür, die Bevölkerung in diese Entscheidung miteinzubinden und mindestens zwei Standorte beizubehalten. Dort, wo die meisten Kinder leben würden. Familienfreundliche Atmosphäre heißt für ihn, die Wege zu Schule und Kindergarten möglichst kurz zu halten.

Über die Entwicklung seines Ortsteils in den vergangenen Jahren zeigt sich der 48-Jährige nicht erbaut. „Die Infrastruktur ist immer schwächer geworden. Wir können hier nicht mal eine Zeitung oder Brötchen kaufen.“ Und einer seiner Söhne habe ihm neulich gesagt, dass er einen Bolzplatz vermisse. In fünfter Generation lebe er in Tengern, sagt er, und wie sehr es ihn drängt, „sein“ Dorf mitzugestalten und zu prägen, ist spürbar.

Mittelstand fördern

Auch die Stärkung der Wirtschaft nennt Jens Maschmeier als wichtiges Thema. Dabei kann er aus seinen eigenen Erfahrungen schöpfen. Er leite seit 2008 ein Unternehmen (Branche Kunststoffverarbeitung, etwa 300 Mitarbeiter) und kenne die Anforderungen. „Auch hier muss die Infrastruktur passen“, so Maschmeier. Den Mittelstand zu fördern, bedeute auch die Sicherung von Arbeitsplätzen. Zudem halte er es für sinnvoll, Ausgleichsflächen dort zu schaffen, wo Industrie entsteht, und nicht irgendwo anders in der Gemeinde. Einen Ausgleich zum anspruchsvollen Beruf findet Maschmeier unter anderem beim RGZV Tengern. Daheim hat er Hühner und Hähne.

Startseite