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Ilex-Pflanze ist „Baum des Jahres 2021“ – identitätsstiftendes Symbol für die Gemeinde Hüllhorst

Stechpalmen wie in Hollywood

Hüllhorst

Ihre Blätter und Beeren sind untrennbar mit der Gemeinde Hüllhorst verbunden. Die Stechpalme, lateinisch Ilex, ist „Baum des Jahres 2021“.

Kathrin Kröger

Typisch Ilex: die markant gezackten, glänzenden, sattgrünen Blätter und die roten Beeren. Foto: Andreas Kokemoor

Ob die Sängerin Anna Depenbusch wohl die Gemeinde Hüllhorst kennt? Denn fast möchte man glauben, dass sie eine Art heimliche Hymne für den idyllischen Ort am Wiehengebirge komponiert hat. „Wir sind Hollywood“ heißt einer ihrer Hits.

Was Hollywood mit Hüllhorst zu tun hat? Auf den ersten Blick könnten die Gegensätze nicht größer sein, doch sowohl die weltberühmte Filmmetropole als auch die beschauliche Wiehengemeinde tragen die Stechpalme (lateinisch Ilex) im Namen. Hollywood heißt aus dem Englischen übersetzt „Stechpalmenwald“ und es wird vermutet, dass die Herkunft des Namens Hüllhorst auf Hülsdornbüsche, also wiederum Ilex, zurückgeht. Diese bewuchsen einst den Hügel, auf dem die erste Hüllhorster Kapelle gestanden haben soll. „Das Wort ‚Horst‘ hat in diesem Zusammenhang wohl die Bedeutung von Gebüsch oder Gestrüpp“, heißt es auf der Seite www.huellhorst-erleben.de.

Der Pflanze mit den gezackten, sattgrünen, glänzenden Blättern und den leuchtend roten Beeren – Symbol für die Gemeinde Hüllhorst – gilt derzeit bundesweites Interesse. Die Stechpalme wurde zum „Baum des Jahres 2021“ auserkoren. Zeit für ein Loblied auf das, was Hüllhorst seit 1993 im Logo trägt und auch vielen Firmen und Vereinen als verbindendes, identitätsstiftendes Werbezeichen dient.

Exotisch, jedoch durch und durch Europäerin – so beschreibt die Baum-des-Jahres-Stiftung die attraktive Stechpalme. Und sie ist nicht nur hübsch anzusehen. „Die Stechpalme ist ein Paradebeispiel für gelebten Artenschutz, wodurch sich die Bestände in den vergangenen hundert Jahren in Deutschland deutlich erholt haben“, sagt Stiftungspräsident Stefan Meier. Auch die Schirmherrin, Bundesministerin Julia Klöckner, begrüßt die Wahl der immergrünen Laubbaumart als Baustein der heimischen Biodiversität (biologische Vielfalt): „Sie ist Bestandteil unseres Ziels, den Umbau unserer Wälder zu klimaangepassten Mischwäldern weiter voranzubringen.“

Doch der Christusdorn, wie der Baum auch genannt wird, drohte schon mal zu verschwinden. Forstleute, Naturschützer und Politiker reagierten nach Angaben der Stiftung in den 1920er-Jahren auf den dramatischen Rückgang der Stechpalme, die wegen ihrer optischen Reize in Wagenladungen für Weihnachtsdekoration aus den Wäldern transportiert worden war. Seit etwa 100 Jahren habe wild wachsender Ilex als Feiertagsschmuck jedoch ausgedient und stehe in Deutschland unter besonderem Schutz, so die Stiftung. Die Bestände hätten sich erholt.

Seit Urzeiten in Europa beheimatet, habe es die „Ilex aquifoliaes“ aufgrund klimatischer Veränderungen geschafft, sich neue Lebensräume in Skandinavien und Polen zu erschließen. Da sie häufig im Unterholz schattiger Laubwälder als Strauch wachse, sei ihre wirtschaftliche Nutzung weitgehend unbedeutend. Als Teil der heimischen Flora bilde die Art aber einen wertvollen Baustein der Biodiversität unserer Wälder. Das Immergrün gilt außerdem als ein hervorragender Brutplatz und eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel, Bienen und Hummeln. Als Ziergehölz habe die Stechpalme ihren Siegeszug schon lange angetreten und sei heute in kaum überschaubarer Farb- und Formenfülle in Gärten und Parks vertreten, betont die Stiftung.

Es liegt nahe, dass sich auch im Garten des Hüllhorster Heimatvereinsvorsitzenden Günter Heidenreich die besondere Pflanzengattung findet. Er weiß so Einiges über diese Art zu erzählen und gibt nebenbei auch den Hinweis auf Hollywood. „Das Heckengewächs ist vor Hunderten von Jahren extrem verbreitet gewesen“, sagt Heidenreich. „Es ist robust und widerstandsfähig.“ Früher sei die Region von Wald und Heide geprägt gewesen. „Diese wurden gerodet für Weideflächen für das Vieh und landwirtschaftliche Nutzung. Als Umzäunung dienten Ilex-Büsche.“ Durch die scharfzackigen Blätter wirkten sie wie ein natürlicher Stacheldraht. „Da geht kein Schaf oder Rind durch.“

Der strauchartig wachsende Baum sei nicht mit imposanten Erscheinungen wie der Eiche zu vergleichen. „Er wird nicht so groß und hat keinen mächtigen Stamm“, weiß Günter Heidenreich. Im öffentlichen Raum findet sich Ilex beispielsweise neben dem Zunftbaumplatz in der Hüllhorster Ortsmitte und vor dem Rathaus.

Im Vereinslogo des Heimatvereins „Nachtigallental“ Hüllhorst ist das Ilex-Blatt mit den drei roten Beeren natürlich ebenfalls verewigt. Und 2018 haben die Mitglieder drei neue Schnapssorten ihres beliebten Ilex-Tropfens herausgebracht – den gibt es seitdem als Williams-Obstbrand sowie Feigen- und Kräuterlikör.

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