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Kommunalwahl 2020: Bürgermeisterkandidaten im Portrait – Interview mit Benjamin Rauer (Grüne)

„Weichen für die Energiewende stellen“

Hüllhorst (WB). Drei Bewerber gibt es in der Gemeinde Hüllhorst bei der Kommunalwahl im September für das Amt des Bürgermeisters. Erstmals stellt die Partei Bündnis 90/Die Grünen einen Kandidaten. Mit Benjamin Rauer (37) sprach WB-Redakteurin Kathrin Kröger über Themen wie Klimaschutz und Mobilität, Ehrenamt und Wirtschaftsförderung.

Grünen-Politiker Benjamin Rauer kandidiert für das Amt des Bürgermeisters in der Gemeinde Hüllhorst. Foto: Peter Götz

Erstmals stellen die Grünen in Hüllhorst einen Bürgermeisterkandidaten...was hat die Partei dazu veranlasst?

Benjamin Rauer : Für die Grünen müssen Arten-, Umwelt- und Klimaschutz endlich auch in Hüllhorst vorangetrieben werden und daher zur Chefsache gemacht werden. Hier reicht es nicht, auf Vorgaben von anderen Ebenen (EU, Bund, Land und Kreis) zu reagieren, sondern hier muss man eigene Ideen entwickeln und durchsetzen, denn Klimaschutz fängt auch in Hüllhorst an.

Das gute Ergebnis der Europawahlen hat gezeigt, dass grüne Themen wie Artenvielfalt, Mobilität und Klimaschutz vielen Bürgerinnen und Bürgern wichtig sind. Daher möchte ich den Wählerinnen und Wählern auch für den Posten des Bürgermeisters ein „grünes“ Angebot machen und die nun anstehende Konzeptionierung und Gestaltung von ur-grünen Themen nicht Vertretern anderer Parteien überlassen.

Was muss ein Bürgermeister Ihrer Meinung nach für das Amt mitbringen? Damit verbunden die Frage, wo Sie Ihre persönlichen Stärken sehen und was Sie dafür qualifiziert, die Verwaltung zu leiten.

Rauer : Seit einigen Jahren bin ich schon Teil einer Stadtverwaltung, wahrscheinlich habe ich jedoch als Sozialarbeiter eine etwas andere Sicht auf Verwaltungsabläufe und Gestaltungsmöglichkeiten in der Verwaltung. Ich möchte besonders auch die Mitarbeiter im Rathaus motivieren, sich mit eigenen Ideen und Konzepten einzubringen. Als Sozialarbeiter bin ich es gewohnt, Ansprechpartner für alle Menschen zu sein und mich für ihre Sorgen und Anregungen einzusetzen. Dies werde ich auch als Bürgermeister so handhaben.

Ein Bürgermeister sollte nicht nur Chef der Verwaltung im Rathaus sein, sondern auch Teil der politischen Meinungsbildung, der mit eigenen Ideen und Konzepten zusammen mit der Verwaltung, den Parteien, Vereinen und anderen Gruppen für die Gemeinde agiert.

Welche inhaltlichen Schwerpunkte liegen Ihnen besonders am Herzen?

Rauer : Neben dem angesprochenen Klimaschutz müssen wir außerdem in Hüllhorst das Thema Mobilität neu denken. In den letzten 10 Jahren gab es einige Unfälle mit Beteiligung von Radfahrern, 16 Radfahrer wurden hierbei sogar schwer verletzt. Daher ist es mir wichtig, für mehr Sicherheit im Fahrradverkehr durch ein Radverkehrskonzept für Hüllhorst zu sorgen. Rad-(Fußgänger-)Vorrang-Straßen sollen auf Grundlage des Wirtschaftswegekonzeptes der Gemeinde eingerichtet werden.

Weiterhin sind leider nicht alle Ortschaften durch den öffentlichen Nahverkehr verbunden. Man kann zwar von Hüllhorst nach Lübbecke oder von Schnathorst nach Bad Oeynhausen fahren, aber nicht von Oberbauerschaft nach Bröderhausen oder Tengern. Daher möchte ich zusammen mit den Bürgerinnen und Bürgern sowie der Hüllhorster Wirtschaft einen Bürgerbus für Hüllhorst realisieren, ein Transportmittel als Verbindung aller Ortschaften in der Gemeinde Hüllhorst.

Ich stehe gegen jede Form von Diskriminierung, Ausgrenzung und Rassismus. Es ist an uns, zu zeigen, dass Hüllhorst für ein gelebtes friedliches Miteinander steht, Leben in guter Atmosphäre also. Denn Hüllhorst ist bunt und wir sind Teil der offenen und vielfältigen Gemeinde, dies gilt es zu schützen und unterstützen.

Was läuft aus Ihrer Sicht gut in der Gemeinde, was sollte noch verbessert beziehungsweise ins Rollen gebracht werden?

Rauer : Hüllhorst profitiert enorm von der tollen Vereins- und Verbandsarbeit in den verschiedenen Ortsteilen. Viele sind aktiv in Sportvereinen, Kirchengemeinden und anderen Vereinen, sie bringen sich ein und leben dort eine starke Gemeinschaft. Hier möchte ich das Ehrenamt unterstützen, indem eine Koordinierende Stelle geschaffen wird, die unter anderem die engagierten Bürger bei dem Thema Fortbildungsmöglichkeiten berät oder auch Interessenten an die Organisationen und Einrichtungen vermittelt.

Beim Thema Klimaschutz ist Hüllhorst noch in einer „Wartestellung“. Andere Kommunen haben längst einen Klimaschutzmanager, in Hüllhorst konnte für diese Stelle noch nicht die Ausschreibung gemacht werden.

Wie stellen Sie sich die künftige Wirtschaftsförderung in der Gemeinde vor?

Rauer : Ein wichtiges Thema für die Wirtschaftsförderung ist die Digitalisierung, unsere Wirtschaft braucht besonders durch die Globalisierung schnelle Verbindungen, dies kann auch neue Geschäftsmodelle ermöglichen.

Hüllhorst hat eine gute Mischung aus großen, aber auch vielen kleinen Unternehmen und Handwerksbetrieben, gerade kleine Unternehmen haben durch die Einschränkungen der Covid-19- Pandemie finanzielle Einbußen hinnehmen müssen. Wir müssen daher nun besonders unserer lokalen Wirtschaft die Unterstützung geben, die notwendig ist, damit diese die Krise überstehen.

Mir ist die Bedeutung von Gewerbeflächen für die heimische Wirtschaft bewusst. Den Firmen in Hüllhorst müssen Entwicklungsmöglichkeiten geboten werden, somit wird die Ausweisung von Gewerbeflächen auch künftig nötig sein. Ich möchte jedoch nicht, dass auf Kosten von Natur und Umwelt und der Steuerzahler immer mehr Flächen, ohne langfristiges Konzept, erschlossen werden. Ich möchte der Innenentwicklung den Vorrang geben, Außenbereiche müssen geschont werden. So können wir unsere wunderbare Landschaft für künftige Generationen bewahren.

Wie wollen Sie für einen weiterhin ausgeglichenen Haushalt in der Gemeinde sorgen? Wo sollten Ihrer Meinung nach Einsparungen und wo Investitionen vorgenommen werden?

Rauer : Die Ergebnisse des dritten Quartals der Kämmerei liegen noch nicht vor, diese werden zeigen, wie groß die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Haushalt für das Haushaltsjahr 2020 sind und auch, worauf wir uns für die kommenden Monate und Jahre einstellen müssen.

Es ist mir jedoch wichtig, nicht zu vorsichtig zu agieren. Die schon vorhandenen Projekte und Planungen sind für die Zukunft unserer Gemeinde wichtig und dürfen nicht auf unbestimmte Zeit verschoben werden. In die Infrastruktur der Gemeinde muss weiter investiert werden.

Ob und welche Einsparungen gemacht werden müssen, kann nur anhand der Ergebnisse und unter Rücksprache mit Verwaltung und Politik bestimmt werden. Die guten Haushaltsplanungen der letzten Jahre führen zum Glück dazu, dass die Gemeinde gute Abschlüsse erzielen konnte und wir daher nicht schon vor Corona mit unseren Finanzen in Schwierigkeiten geraten sind.

Was beinhaltet Ihr Konzept für Hüllhorst 2030?

Rauer : Ich möchte, dass Hüllhorst jetzt schon die Zukunft im Blick hat, damit bis spätestens 2030 alle Weichen für die Energiewende auch in Hüllhorst gestellt worden sind. Dafür muss als erster Schritt Solarenergie auf allen Dächern der gemeindeeigenen Liegenschaften errichtet werden, um den kommunalen Energieverbrauch bis spätestens 2035 mit 100 Prozent erneuerbaren und regionalen Energien zu versorgen.

Zudem geht es um den Schutz der Artenvielfalt durch Erhalt von Rückzugsräumen durch den Schutz der Wegeseitenränder und späte und schonende Mahd, besonders bei den Flächen in kommunaler Hand.

Der Wald ist auch in Hüllhorst schon jetzt schwer geschädigt. Hier braucht es ein Programm, um den Wald und den Baumbestand in Hüllhorst zu schützen. Hier reicht es nicht aus, nur an Neupflanzung zu denken, denn besonders die alten Bäume sind produktive Luftreiniger. Sie nehmen nicht nur CO2 und andere Treibhausgase auf, sondern stoßen auch wertvollen Sauerstoff aus.

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