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Heimatverein errichtet Gebäude anno 1778 auf Backhaus-Gelände in Tengern

Wiederaufbau geht flott voran

Hüllhorst (WB). Die Planer und Erbauer des immer noch nicht fertig gestellten Berliner Flughafens dürften neidisch werden. Nach gerade mal zwei Wochen haben die Mitglieder des Heimatvereins Tengern-Huchzen schon einen stattlichen Baufortschritt vorzuweisen. Richtfest hieß es am Dienstagabend beim Projekt »Erweiterung des Backhauses«.

Kathrin Kröger

Zwischen dem Backhaus (links) und dem Abstellraum mit neuer Küche (rechts) soll es eine Verbindung geben, zeigt Vereinsvorsitzender Horst Jording. Foto: Kathrin Kröger

Bei nicht ganz blitzblauem Himmel erklomm Vereinsvorsitzender Horst Jording die Leiter, um schon mal seine Position auf dem Dach einzunehmen. Nach und nach trudelten die Tengeraner Heimatfreunde zum internen Richtfest mit anschließender Grillfeier ein. Die Stimmung war gelöst und alle erfreuten sich an dem bisher Erreichten.

Die Bänder des Richtkranzes flatterten im Wind, der Wacholder war zum Anstoßen griffbereit, als Horst Jording feierlich zum Richtspruch anhob: »Die Feierstunde hat geschlagen, es ruhet die geübte Hand. Nach harten arbeitsreichen Tagen grüßt stolz der Richtkranz nun ins Land«, lauteten die ersten poetischen Worte. Zwischen den Strophen forderte der Vorsitzende seinen Nebenmann zur »Musik« mit Betonung auf der ersten Silbe auf. Mehrere Hammerschläge folgten prompt.

Handwerksleute hochleben lassen

Jording und alle Gäste ließen die »Handwerksleute« dreifach hochleben für ihre unübersehbar gute und schnell ausgeführte Leistung. Und das alles im Ehrenamt nach Feierabend. Als der dritte Schluck des »Klaren« genommen war, pflegte Jording eine weitere alte Zimmerertradition. »Nun ist das Glas wohl ausgeleert, und weiter für mich nichts mehr wert. Drum werfe ich’s zu Boden nieder, zerbrochen braucht es keiner wieder. Doch Scherben bedeuten Glück und Segen, der Bauherrschaft auf allen Wegen.«

Dann ging es runter vom Dach und es hieß unter die Gäste gemischt. Die hatten schon Hunger beim Anblick der Würstchen, die auf dem Grill brutzelten. Für kalte Erfrischungsgetränke und ein oder zwei Barre-Bier war natürlich außerdem gesorgt. 235 Mitglieder zählt der Heimatverein Tengern-Huchzen. Die konnten nicht alle kommen, aber dass sich in Tengern auch junge Leute für die Liebe zur Heimat einsetzen, war offensichtlich. So wohnte ebenfalls ein Teil des Vereinsnachwuchses der kleinen Zeremonie bei.

Das neu entstehende Gebäude, das sie bestaunten, ist in Wahrheit sehr alt. Es stammt aus dem Jahr 1778, was auch oben am original erhaltenen Torbogen abzulesen ist. Vor zwölf Jahren hat der Heimatverein das Haus in Oberbauerschaft abgebaut, lagerte es in einer angemieteten Scheune in Rehmerloh zwischen und baut es nun in Tengern wieder auf. Damit bewahren die vielen Helfer ein historisches Gebäude vor dem Niedergang. »Im Giebel ist ein tolles, enges Fachwerk, das sieht man nicht so oft«, so der Bauingenieur. Ein Denkmal sei es jedoch nicht.

Kuchenverkauf im neuen Gebäude

Anstoß für Initiator Horst Jording, das Haus aus seinem Dornröschenschlaf zu holen. war die Förderung des Landes NRW aus dem Programm »Dorferneuerung«. »Hier steht alles ohne Schulden, das soll auch so bleiben«, sagt der Vorsitzende mit Blick auf das 1999 eingeweihte Backhaus. 35 Prozent Zuschuss gibt es vom Land für alles, das auf Rechnung geht. »Das sind die Materialkosten und die externen Handwerksleistungen.« Ferner setzen die Vereinsmitglieder auf den ein oder anderen Sponsor. »Und gespart haben wir auch ein bisschen was«, sagt Jording und lächelt.

Natürlich wird das Gebäude einer neuen Bestimmung zugeführt. »Früher waren vorne die Stallungen, hinten der Wohnbereich.« Bevor die Vereinsmitglieder die Ärmel hochkrempelten, wurde ein Unternehmen mit den Erdarbeiten beauftragt: Fundament ausheben, mit Fertigbeton gießen und Bodenplatte legen. Dann folgten Schotterschicht, Sohle und Klinkerschicht als Umrandung. Die verwendeten Schwellen wie auch der Dachstuhl sind neu. Jording: »Die Sparren waren krumm und schief.« Anno 1778 hingegen gilt außer für den Torbogen auch für die Querbalken. Damit alles korrekt rekonstruiert wird und sich alle Balken an der richtigen Stelle befinden, wurde das Gebäude am Standort Oberbauerschaft abgezeichnet.

Etwa 40 Quadratmeter Nutzfläche bietet der neue Anbau des Backhauses, wo künftig an den Backtagen der Kuchen verkauft werden soll. Die Besucher können die Köstlichkeiten dann in aller Ruhe verspeisen. Ein beschauliches Plätzchen dafür finden sie auf der Anlage neben der Hecke, wo Tische und Bänke aufgestellt sein werden.

Virtuelle Baugruppe

Den Weihnachtsbacktag will der Heimatverein wieder in Tengern feiern. »Das sollte zu schaffen sein«, meint Jording, der als Planer und Oberbauleiter fungiert. Zu tun ist bis zur Fertigstellung noch jede Menge. Dazu gehört zum Beispiel, das Gefache aufzumauern und zu verputzen. Das jeweilige Tagesteam stellt der Vorsitzende auf dem kurzen Dienstweg zusammen. Dafür gründete er eine Baugruppe bei Whatsapp. »Brauche drei Mann um 16 Uhr«, kann die Nachricht heißen. Hat bisher immer geklappt.

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