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Hüllhorster CDU-Fraktionsvorsitzender Dirk Raddy im Interview

„Wir brauchen identitätsstiftende Orte“

Hüllhorst

Mit Beginn der neuen Legislaturperiode im November 2020 hat es auch einen Wechsel an der Spitze der CDU-Fraktion Hüllhorst gegeben. Dirk Raddy, der bis dahin Stellvertreter des jetzigen Bürgermeisters Michael Kasche gewesen war, übernahm dieses wichtige Amt.

Kathrin Kröger

Der neue CDU-Fraktionsvorsitzende Dirk Raddy nennt die Wiehengemeinde seit 15 Jahren seine Heimat. 2014 ist er der Union beigetreten, um sich politisch in Hüllhorst zu engagieren. Foto: privat

Mit WB-Redakteurin Kathrin Kröger hat der 52-Jährige, der in Ahlsen lebt und Mitglied beim TuS Tengern und der Jugendmusikschule Hüllhorst ist, über seine Ziele für die kommenden fünf Jahre gesprochen.

Seit wann sind Sie in der CDU und was war dafür Triebfeder – auch für die Übernahme des Fraktionsvorsitzes?

Dirk Raddy: Ich bin 2014 in die CDU eingetreten, weil ich mich politisch in Hüllhorst engagieren wollte. Ich wollte meine beruflichen Erfahrungen einbringen, um eine positive Entwicklung Hüllhorsts aktiv mitzugestalten. Wir haben in den vergangenen Jahren in unserer Fraktion einen Generationswechsel vollzogen und ich zähle mittlerweile zu den erfahreneren Mitgliedern. So war es nur konsequent, sich nach vorne zu stellen.

Was ist in Lübbecke anders als in Hüllhorst?

Raddy: Einen Vergleich will ich nicht vornehmen. Ich sitze ja in Lübbecke als Kämmerer auf der anderen Seite des Tisches. Ich kann gut einschätzen, wie die jeweils andere Seite denkt oder sich fühlt. Aber ich mache beides mit Leidenschaft und Spaß am Gestalten.

Wie haben Sie die erste Zeit in Ihrer neuen Funktion erlebt? Diese gestaltete sich ja schwierig bis turbulent, nicht nur durch die Pandemie, sondern auch durch die Querelen rund um die Wiedereinführung der Beigeordneten-Stelle.

Raddy: Die Ratssitzung im November markierte sicherlich gleich einen Höhepunkt in dieser Wahlperiode und es war mir klar, dass der Einzug der AfD in den Rat zu solchen Auswirkungen führen wird. Aber wir haben sehr viel Zuspruch für unsere Haltung bekommen und ich bin fest davon überzeugt, dass die Entscheidung pro Elmar Vielstich für Hüllhorst genau richtig gewesen ist.

Wie läuft derzeit die Zusammenarbeit mit der SPD? Hat sich das Arbeitsklima durch den Runden Tisch gebessert?

Raddy: Wir stehen jederzeit für eine Zusammenarbeit bei allen wichtigen Themen zur Entwicklung der Gemeinde Hüllhorst zur Verfügung.

Die CDU ist aus dem Ältestenrat ausgetreten – wie ist hier der aktuelle Stand?

Raddy: Hierzu gibt es noch keinen neuen Stand.

Wie soll sich künftig der Umgang mit der AfD im Rat gestalten?

Raddy: Es wird weiterhin keine Zusammenarbeit mit der AfD geben.

Wo ist Ihrer Meinung nach in der vergangenen Ratsperiode nicht genug Tempo gemacht worden?

Raddy: Insbesondere beim Thema Feuerwehr hat man es versäumt, die sich zwangsläufig ergebenden Fragen vor allem zum Standort Ost aktiv zu beantworten und den bereits überfälligen Brandschutz- bedarfsplan rechtzeitig auf den Weg zu bringen. Jetzt sollen Entscheidungen getroffen werden, ohne auf diese Antworten zu warten. Beim Thema Personal steht Michael Kasche vor einem Scherbenhaufen. Hier hat es der ehemalige Bürgermeister versäumt, frühzeitig auf die sich abzeichnenden personellen Entwicklungen zu reagieren.

Was konnte die CDU zu ihren acht Wahlversprechen schon in die Wege leiten, auch in Pandemie-Zeiten? Eines davon lautet: „Wir garantieren Heimat“.

Raddy: Wir wollen einen Heimatfonds auf den Weg bringen, der die Dorfgemeinschaften dabei unterstützt, ihren Ort, ihre Heimat, noch lebenswerter zu gestalten. Das werden wir bei der Entwicklung der Grundschulstandorte immer mit im Fokus haben.

Weiteres Wahlversprechen: „Wir schaffen eine Schullösung für alle.“ Sie haben sich in Ihrer Stellungnahme im Rahmen der Online-Petition der Dorfgemeinschaft Büttendorf nicht für einen Erhalt aller Grundschulstandorte ausgesprochen und den Neubau einer zentralen Schule nicht kategorisch abgelehnt.

Raddy: Die CDU ist in dieser Frage bisher nicht einheitlich festgelegt. Sie sprechen hier meine persönliche Meinung an. Ich bin der Auffassung, dass, wenn wir das pädagogische Konzept unserer Grundschulleitungen als Maßstab anlegen und dafür ein großes Kollegium sowie eine völlig neue Raum-Struktur erforderlich sind, ein Neubau unumgänglich ist. Es gibt sicherlich auch gute Argumente für den Erhalt von kleineren Grundschul-Einheiten. Aber an dieser Stelle muss ich mich doch fragen, was das beste pädagogische Konzept für unsere Kinder ist und erst dann, was das Beste für unsere Ortsteile ist. Wir müssen uns also zunächst mit dem pädagogischen Konzept auseinandersetzen und prüfen, welche Ressourcen dafür notwendig sind. Parallel dazu müssen wir eine Machbarkeitsstudie auf den Weg bringen, die realistisch darstellt, ob und zu welchen Kosten eine Umsetzung an mehreren Standorten, im Vergleich zu einem zentralen Standort, möglich ist.

Können Sie noch näher darlegen, welche Alternativen es für die kleinen Ortsteile geben könnte, um das Dorfleben auch ohne Schule weiter lebendig zu gestalten und attraktiver Wohnort zu bleiben?

Raddy: Ortsteile werden immer nur so lebendig sein, wie es die Menschen in ihnen sind. Weniger entscheidend sind einzelne Gebäude. Wir müssen davon wegkommen, dass jeder Ortsteil zwingend seine eigenen Einrichtungen benötigt. Aber wir brauchen sicherlich überall identitätsstiftende multifunktional nutzbare Orte und Gebäude. So könnte man zum Beispiel ein nicht mehr benötigtes Schulgebäude so umbauen, dass man darin ein Mehrgenerationen-Wohnhaus mit einem Gemeinschaftsraum einrichtet, der als Café, aber auch von Vereinen und Dorfgemeinschaften genutzt werden kann. Im Außenbereich gibt es dann auch eine Gemeinschaftsfläche, die zum Treffen zum Spielen für Kinder, aber auch zum Beispiel für Dorffeste und Geflügelschauen genutzt werden kann.

Wie weit ist das Vorhaben gediehen, die geplante Info-Tour durch alle Ortsteile coronabedingt online auszurichten?

Raddy: Wir arbeiten zielstrebig in unseren Arbeitskreisen und hierzu an einem alternativen Programm.

Ein weiteres Wahlversprechen lautet: „Wir bauen neue Radwege.“

Raddy: Wir haben die Erstellung eines Masterplans Radwegenetz auf den Weg gebracht, damit wir zunächst den ganzheitlichen Bedarf ermitteln und dann nach einer Priorisierung die erforderlichen Maßnahmen sukzessive umsetzen. Wichtig wird eine Anbindung an die überregionalen Radwege und eine optimale Nutzung der öffentlichen Förderprogramme sein.

Außerdem sagt die CDU: „Wir beleuchten Hüllhorst.“

Raddy: Eine erste Verlängerung der Beleuchtungszeiten ist umgesetzt. Mit der von uns beantragten adaptiven Beleuchtung wird diese wesentlich effizienter und kann künftig bedarfsweise individuell verlängert werden, ohne dass es sich negativ auf die Umwelt auswirkt.

Zudem wird versprochen: „Wir beschleunigen Hüllhorst mit Highspeed-Internet.“

Raddy: Wir unterstützen einen flächendeckenden Ausbau des Breitbandes in Hüllhorst. Der weitere eigenwirtschaftliche Ausbau einzelner Teilbereiche muss unterbleiben, da wir es ansonsten nicht hinbekommen, dass auch der letzte Haushalt in der entlegensten Stelle in Hüllhorst ausgebaut wird.

Es heißt: „Wir stärken den Wirtschaftsstandort und unterstützen Start-Ups“...

Raddy: Durch eine Senkung der Gewerbesteuer-Hebesätze entlasten wir die Unternehmen und machen Hüllhorst interessanter für neue Unternehmen. Wir wollen Möglichkeiten zur Ansiedlung von jungen und innovativen Start-Ups schaffen. Durch den Global Player Wortmann könnten sich zum Beispiel für IT-lastige Firmen gute Rahmenbedingungen im Umfeld ergeben.

„Wir entlasten Sie durch Steuersenkungen“...

Raddy: Wir unterstützen den Haushaltsentwurf von Bürgermeister und Kämmerer, der eine Senkung der Steuerhebesätze der Grund- und Gewerbesteuer ab 2022 vorsieht. Zudem werden wir weiterhin darauf achten, dass die Spielräume zur Entlastung der Bürger genutzt werden.

„Wir sorgen für Sicherheit auf allen Wegen“...

Raddy: Durch die Einführung von mehr 30er-Zonen, durch Geschwindigkeits-Messtafeln und den bedarfsgerechten Einbau von Straßen-Schwellern zur Reduzierung der Geschwindigkeit in Wohngebieten sowie durch den Ausbau von Rad- und Fußwegen wollen wir mehr Sicherheit in der Nahmobilität schaffen.

Wie kann man dem Vandalismus in der Gemeinde aus Sicht der CDU beikommen?

Raddy: Indem wirklich alle, das heißt Eltern, Schulen, Verwaltung, Politik und Polizei, an einem Strang ziehen. Es handelt sich um ein gesamtgesellschaftliches Problem, das man nicht mit einer singulären Maßnahme in den Griff bekommt. So wird in Hüllhorst durch unseren Kompromissvorschlag zum Antrag der Grünen eine neue Stelle geschaffen, die zum Teil als Street-Worker und zum anderen Teil in der Jugendförderung dafür sorgen soll, dass die Ursachen für die mutwilligen Zerstörungen an der Wurzel bekämpft werden. Trotzdem bleibt es erforderlich, dass wir alle aufmerksam sind und couragiert eingreifen, wenn wir Vandalismus wahrnehmen.

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