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MKK-Verantwortliche sprechen über den neuen NRW-Krankenhausplan

"Konzentration von Leistungen ist überlebenswichtig"

Minden/Lübbecke

Termine bei  den Mühlenkreiskliniken versprechen in diesen Tagen zumeist intensive Gesprächsrunden über die Neukonzeption der Krankenhäuser im Kreis zu werden. Nicht so am Freitag. Im Fokus stand der NRW-Krankenhausplan, der im April vorgestellt wurde und dessen Umsetzung in den nächsten Wochen beginnt. 

Medizinvorstand Dr. Jörg Noetzel (links) und Vorstandsvorsitzender Dr. Olaf Bornemeier stellten Details des NRW-Krankenhausplans und die Auswirkungen auf die Mühlenkreiskliniken vor. Foto: Viola Willmann

Nur zwischen den Zeilen war vom MKK-Vorstandsvorsitzenden Dr. Olaf Bornemeier und von Medizinvorstand Dr. Jörg Noetzel zu hören, dass eine Zusammenlegung der Krankenhäuser Rahden und Lübbecke auch im Sinne des Krankenhausplanes wäre.

Neue Spielräume

"Die Krankenhausplanung wird auf ganz andere Beine gestellt", sagte Bornemeier. Während bisher Bettenzahl und Fachrichtungen maßgeblich für die Planung der Krankenhäuser waren, "werden nun bestimmte Voraussetzungen vorgeschrieben, um Leistungen erbringen zu dürfen". Natürlich habe es schon immer gewisse Mindestvoraussetzungen, wie etwa die Pflegepersonaluntergrenzenverordnung, gegeben, nun aber "ergeben sich ganz neue Spielräume vor Ort was Spezialisierung und Konzentration" angeht.

Dr. Jörg Noetzel

Genau das sei das Ziel des neuen NRW-Krankenhausplanes. "Es ist ein sehr intelligentes Konzept und sehr mutig von Gesundheitsminister Laumann", sagte Dr. Jörg Noetzel. Es gebe klare Vorgaben, die der Qualitätsverbesserung dienen. "Umso häufiger man eine Leistung erbringt, desto besser führt man sie aus", so der Medizinvorstand, der das Beispiel einer Frau mit Brustkrebs anführte. "Die Frau lässt sich lieber dort behandeln, wo 200 solcher Operationen pro Jahr stattfinden, als in einem Haus mit zwei Operationen. Die Konzentration von Leistungen ist überlebenswichtig."

Das Krankenhaus in Bad Oeynhausen profitiert von der direkten Nachbarschaft des HDZ. Durch Kooperationsverträge können bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden, die das Haus nicht selber vorhält. Foto:

Wettbewerb der Krankenhäuser

Der neue Krankenhausplan sieht vor, dass sich Krankenhäuser auf sogenannte Leistungsgruppen bewerben. Nur eine bestimmte Anzahl von Häusern in einer Region werden dann zugelassen. Kriterien sind dabei unter anderem Fallzahlen, Personal, Weiterbildungen und die vorhandenen Geräte. Wer keine Zulassung erhält, darf die entsprechende Leistung nicht erbringen. Dr. Jörg Noetzel: "Wir begeben uns in einen Wettbewerb mit anderen Krankenhäusern in der Region." Natürlich hätten die Mühlenkreiskliniken im Kreis eine gewisse Alleinstellung - das Herz- und Diabeteszentrum (HDZ) in Bad Oeynhausen ausgenommen - auf den Ebenen des Vesorgungsbezirks oder gar des Regierungsbezirks sehe das aber schon anders aus. "Da messen wir uns mit Häusern in Paderborn".

Ab dem 1. September sollen die Unterlagen des Ministeriums zur Verfügung stehen. Die Krankenhäuser können sich ab dem 17. Oktober auf bestimmte Leistunsgruppen bewerben. Entweder weil sie alle Voraussetzungen selbst erfüllen oder weil sie bestimmte Bedingungen durch Kooperationsverträge erfüllen. Beispiel Bad Oeynhausen: Für bestimmte Abteilungen würde das Krankenhaus nach den neuen Kriterien ein MRT-Gerät benötigen. Hat es aber nicht. Durch eine wahrscheinliche Kooperation mit dem HDZ würden die Auflagen aber dennoch erfüllt sein.

Für das Krankenhaus Lübbecke reichen die Mühlenkreiskliniken - ebenso wie für das Krankenhaus Rahden - eine separate Bewerbung ein. Beide Häuser werden nach dem Ist-Zustand behandelt, eine Zusammenlegung spielt - noch - keine Rolle. Foto: Martin Nobbe

Auf einem guten Weg

Von den 64 Leistungsgruppen, die der Krankenhausplan vorsieht, werden sich die Mühlenkreiskliniken insgesamt auf 56 bewerben. Das entspricht auch dem bisherigen Angebot. "Die Bewerbung ist das eine, die Musik spielt dann aber in den Verhandlungen mit den Krankenkassen und den anderen Krankenhäusern", so Dr. Noetzel. "Das Land will Konzentration und das ist gut so. Wenn man gut ist, leben die Leute länger."

Da die Mühlenkreiskliniken schon in die gleiche Richtung vorgearbeitet hätten, sei man auf einem guten Weg. "Wir werden den Kassen natürlich anbieten, Fälle anderen Häuser zu übernehmen. Dafür müssen wir aber wissen, was wir an Fallzahlen wollen und können", so der Medizinvorstand.

Gesperrte Betten, zu wenig Personal

Die Bewerbungen werden für jedes Krankenhaus einzeln gestellt, also auch für Lübbecke und Rahden getrennt. "Wir berücksichtigen den Ist-Stand und greifen nicht anderen Entwicklungen vor. Natürlich werden wir in den Gesprächen mit den Krankenkassen aber auf die geplanten Entwicklungen hinweisen", sagt Dr. Olaf Bornemeier. Und an dieser Stelle musste der Vorstandsvorsitzende eine frühere These revidieren: "Ich habe gesagt, dass das Risiko bestehe, das das Krankenhaus Rahden auf Grundlage des Krankenhausplanes geschlossen werden müsste. Das hat sich nicht bewahrheitet. Das Krankenhaus könnte die Anforderungen erfüllen, wenn wir das Personal hätten. Derzeit ist die Abdeckung teilweise nur über Honorarkräfte möglich."

Für beide MKK-Verantwortliche steht aber fest, dass medizinisch-inhaltlich die Zusammenlegung der Häuser das beste Konzept ist. Die Finanz-Frage aber müsse der Kreistag beantworten. "Es gibt viele, die sagen, es muss alles so bleiben wie es ist, es war schon immer so. Nein, es muss sich etwas ändern. Man muss nach vorne schauen. Eine Bündelung von Ressourcen ergibt Sinn. Wo sollen wir das Personal hernehmen?" Schon jetzt seien aus verschiedenen  Gründen in Rahden nur 40 von 80 Betten belegt. In Minden seien derzeit immer etwa 80 bis 100 Betten aufgrund von Personalmangel gesperrt.

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