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Verein aus Lübbecke blickt in diesen Tagen auf sein 60-jähriges Bestehen zurück

Lebenshilfe: In einem Keller fing alles an

Lübbecke

Im Kreis Minden-Lübbecke und Kreis Herford ist der Verein Lebenshilfe Lübbecke für viele Menschen ein Begriff. Jetzt gibt es einen besonderen Geburtstag zu würdigen: Am 3. Mai feiert die Lebenshilfe ihr 60-jähriges Bestehen.

Bearbeitet von Stefan Lind

Sie haben allen Grund zur Freude: Die Lebenshilfe Lübbecke blickt an diesem Dienstag auf ihr 60-jähriges Bestehen zurück. Deshalb präsentieren Beschäftigte der Lübbecker Werkstätten stolz das Jubiläums-Logo.

Der Verein ist mit seinen Tochtergesellschaften, der Lübbecker Werkstätten gGmbH, WuB Wohnen und Begleiten gGmbH und der UDL Unterstützende Dienste der Lebenshilfe gGmbH breit aufgestellt. Von Kindergärten, über Werkstätten, der eigenen Großküche bis hin zu Wohnstätten, Wohnberatung, dem Familienentlastenden Dienst und einem eigenen Gästehaus bietet der Verein Unterstützung für Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen.

Nach einem 1961 von Eltern und Freunden von Menschen mit geistiger Behinderung organisierten Treffen wurde am 3. Mai 1962 der Verein „Lebenshilfe für das geistig behinderte Kind, Kreisvereinigung Lübbecke“ mit zunächst 40 Mitgliedern gegründet. Heute sind es 351.

Angefangen hat alles in einem privaten Kellerraum des damaligen Leiters Walter Wache in seinem Haus an der Jahnstraße 28a in Lübbecke. Hier wurden im Mai 1962 zunächst fünf Jugendliche mit Behinderungen unter Aufsicht ihrer Mütter betreut und mit einfachen Arbeiten an Kunststoffteilen beschäftigt. Schnell sprach sich das Angebot herum und kurze Zeit später verdoppelten sich die Zahl der zu betreuenden jungen Menschen im schulpflichtigen Alter.

Immer wieder reichten die angemieteten Räume nicht aus und neue mussten angemietet werden. Heute werden im Kreis Minden-Lübbecke und in Teilen des Kreises Herford an sechs Standorten acht Betriebsstätten von der Lübbecker Werkstätten gGmbH betrieben.

Große Feier ist nicht geplant

Die Werkstätten in Lübbecke, Stemwede-Niedermehnen, Bünde-Hunnebrock, Bünde-Ennigloh und Kirchlengern sind Dienstleister für Unternehmen aus verschiedensten Bereichen. Hier werden Elektroarbeiten, Metall- und Kunststoffbearbeitung, Holzbearbeitung, Mailing, Landschaftspflege und Industrieservice angeboten und durchgeführt. Dies ermöglicht den in den Werkstätten beschäftigten Menschen mit Behinderung Arbeit nach ihren Fähigkeiten zu leisten. Knapp 900 Menschen mit geistiger und psychischer Behinderung erfahren so Teilhabe am Arbeitsleben.

Großküche stellt 2000 Essen täglich bereit

Die an der Werkstatt Am Osterbruch ansässige Großküche ist seit 2021 eine eigene Betriebsstätte. Hier werden täglich 2000 Essen für die eigenen Werkstätten, Kindergärten, die Schul-Mensa in Rahden und auch für Essen auf Rädern für den Paritätischen Wohlfahrtsverband zubereitet.

Ein grundlegender Baustein für Integration und Inklusion konnte 1982 mit der Öffnung des Sonderkindergartens „Sonnenschein“ gelegt werden. 1990 wurde der Sonderkindergarten in eine additive Kindertagesstätte umgewandelt. Kinder mit und ohne Behinderung kommen ganz selbstverständlich zusammen, spielen und lernen gemeinsam. „Es ist normal, verschieden zu sein“, wird hier gelebt. Die WuB Wohnen und Begleiten gGmbH betreibt mittlerweile zwei integrative und einen Regelkindergarten in Lübbecke und Bünde.

Auch Wohnraum und Wohnberatung wird über die WuB Wohnen und Begleiten gGmbH angeboten und so selbstbestimmtes Wohnen für Menschen mit Behinderung in verschiedenen Wohnformen ermöglicht. Die Wohnanlage „Auf den Wiehen“ wurde 1986 als eines der ersten Wohnheime in der Martinstraße 15 in Lübbecke mit 50 Plätzen eröffnet. Heute sind es sechs Wohnheime und drei Außenwohngruppen, die sich über die Orte Lübbecke, Stemwede-Wehdem, Preußisch Oldendorf, Hüllhorst, Bünde und Kirchlengern-Stift Quernheim verteilen.

Alte Lübber Volksschule ist jetzt ein Gästehaus

Um Familien von Angehörigen mit Behinderungen noch weiter zu unterstützen, damit diese Entlastung und Freiräume erfahren, wurde 1990 der familienentlastende Dienst gegründet. Dieser bietet Unterstützung durch Einzelbetreuung für Kinder und Erwachsene mit Behinderung, aber auch Gruppenausflüge und Veranstaltungen innerhalb des eigens gestalteten Freizeitprogramms an. Der FeD bietet den Familien auch Beratung in schwierigen Lebensphasen oder Hilfen bei Anträgen gegenüber Behörden und Krankenkassen an.

Mit der Übernahme der Alten Lübber Volksschule in Hille-Oberlübbe 2011 konnte die UDL Unterstützende Dienste der Lebenshilfe gGmbH die Vielfalt nochmals erweitern. Das integrative und rollstuhlgerechte Gästehaus bietet Raum für Tagungen, Freizeiten und Urlaub an und ist somit Anlaufstelle für Tagungsgäste und Urlauber über die Landesgrenzen hinaus.

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