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Die Linke im Kreis Minden-Lübbecke verzichtet auf Direktkandidatur bei Landtagswahl

„Das täuscht und enttäuscht die Wähler“

Minden/Lübbecke

Überraschung bei der Partei Die Linke im Kreis Minden-Lübbecke: In der Wahlversammlung für die Landtagswahl gab es zwar drei Bewerber als Direktkandidat für die Wahlkreise 88 und 89. Doch bei einer Enthaltung wurde einstimmig beschlossen, mit der Tradition der Direktkandidatur zu brechen.

Ein Wahlzettel wird in eine Wahlurne geworfen (Symbolbild). Foto: www.imago-images.de

Der Name der Direktkandidaten steht auf dem Stimmzettel zur Landtagswahl als Erststimme zur Wahl. Nur eine davon, die Person mit den meisten Erststimmen, wird als Abgeordnete direkt in den Landtag einziehen.

In einer intensiven Debatte hinterfragten Mitglieder die Sinnhaftigkeit solcher Kandidaturen. „Tatsächlich hat kein Kandidat kleinerer Parteien wie Die Linke eine realistische Chance, direkt über die Erststimme in den Landtag einzuziehen“, teilt der Kreisverband mit.

Der Hauptgrund, sie dennoch aufzustellen, sei wohl die damit verbundene Aufmerksamkeit: Direktkandidaten erreichten viele Anfragen für Profile und Stellungnahmen sowie – und das wurde als besonders bedeutend gewertet – Einladungen zu Veranstaltungen wie Podiumsdiskussionen.

Für die Kandidaten sei dies eine immense Herausforderung, vor allem wenn sie keine Berufspolitiker seien. „Die psychische Belastung ist extrem“, berichtete Jule Kegel von ihrer Kandidatur zur Bundestagswahl 2021. Zwar habe die 20-Jährige viel Respekt bekommen, doch die positive Resonanz habe das enttäuschende Wahlergebnis der Partei nicht beeinflusst.

„Es ist an der Zeit, alte Strukturen in Frage zu stellen“, sagte Sebastian Jerry Neumann, nachdem er ebenso wie Jule Kegel, als Kreissprecher von den Mitgliedern bestätigt worden war. Eine Direktkandidatur täusche die Wähler – und enttäusche schließlich, wenn die Erststimme ohne Wirkung bleibe.

Damit sprachen sich die Mitglieder „für einen ehrlichen Zweitstimmenwahlkampf“ aus. Die programmatischen Fragen müssten in den Vordergrund rücken. Der Kreisvorstand kündigte stattdessen an, „verstärkt in die Stadtteile zu gehen und Wahlkampf nah an den Menschen zu machen“. Zudem wolle er mit Veranstaltungen eigene Schwerpunkte setzten.

Die Linke im Kreis Minden-Lübbecke fordert damit auch die Veranstalter von Wahlveranstaltungen wie Kandidatenrunden und Podiumsdiskussionen auf, ihre Praxis zu überdenken. „Nur weil etwas immer so gemacht wurde, bedeutet dies noch nicht, dass es gut oder richtig ist. Durch Maskenaffäre, Cum-Ex-Skandal oder Lobbyismus-Affären hat die Politik ein Problem mit der Glaubwürdigkeit. Das hängt besonders mit persönlicher Vorteilnahme einzelner Politiker zusammen“, sagt Neumann. Daher sei es nur konsequent, Strukturen verändern zu wollen und Neues zu wagen.

Auch kleinere Parteien sollten bei Podiumsdiskussionen zu Wort kommen. Der Kreisverband will für den Landtagswahlkampf einen Pool von politischen Vertretern aufstellen, welche die Position der Partei auf den Podien vertreten können. „In den parlamentarischen Gremien entscheiden schließlich auch keine Einzelpersonen, sondern politische Mehrheiten.“

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