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Marianne und Eckhard Schulz pflegen seit 45 Jahren den Austausch mit Bayeux

Aus Partnerschaft wird Freundschaft

Blasheim/Bayeux (WB). Wenn sich die Lübbecker nach Pfingsten auf den Weg nach Bayeux machen, sitzen natürlich auch Marianne und Eckhard Schulz aus Blasheim mit im Bus. Die Städtepartnerschaft zwischen Lübbecke und dem Ort in der Normandie feiert ihren 50. Geburtstag. Und nur fünf Jahre fehlen Ehepaar Schulz noch zum ganz persönlichen goldenen Bayeux-Jubiläum.

Kathrin Kröger

Gelebte Städtepartnerschaft: Marianne und Eckhard Schulz blättern gern in Fotoalben und schwelgen in Erinnerungen an eine bereits 45 Jahre währende Freundschaft zu Familie Raux aus der Nähe von Bayeux. Foto: Kathrin Kröger

»Solch eine Städtepartnerschaft lebt vor allem von den privaten Kontakten«, sagt Marianne Schulz, die gemeinsam mit ihrem Ehemann eine seit 45 Jahren währende Freundschaft zu Familie Raux aus der Nähe von Bayeux pflegt. »Wir haben kein Jahr ausgelassen in all der Zeit für ein Wiedersehen. Auch wenn wir dieses Mal im Hotel untergebracht sind, werden wir uns täglich treffen mit Emile und Geneviève ›Ginette‹.«

Frankreich ist zweite Heimat

Fließend Französisch spricht die ehemalige Grundschullehrerin, die die Sprache ihrer zweiten Heimat schon immer geliebt hat. »Das hat mir so manche Tür geöffnet«, sagt die 70-Jährige. Zuweilen wurde sie für eine Französin gehalten bei ihren zahlreichen Aufenthalten, die oft ganz privater Natur waren und nicht mit offizieller Delegation. All diese Reisen seien immer wunderbar gewesen. »Wir waren tagsüber am Strand und sind abends essen gegangen.« So ganz ohne Stress sei es für ihn nicht immer abgelaufen, wendet Eckhard Schulz (77) ein. »Ich hatte manchmal Verständnisschwierigkeiten. Wenn die Franzosen richtig loslegen und besonders schnell sprechen, ist das teilweise nicht so einfach.«

Tiefe Verbundenheit

Die tiefe Verbundenheit zu Frankreich im Allgemeinen und der Region Bayeux im Besonderen gründet auch auf der Liebe zur Musik. Zum elften Mal werden Marianne und Eckhard Schulz mit dem Sinfonieorchester Lübbecke in der Partnerstadt auftreten. Er spielt Geige und Bratsche, sie Cello, überdies noch Flöte und Klavier. Das Konzertprogramm in der Kathedrale von Bayeux umfasst Werke von Johann Sebastian Bach, Max Bruch und Joseph Haydn. An das allererste kann sich Ehepaar Schulz noch sehr gut erinnern. 45 Jahre ist das nun her, aber die beiden geraten noch immer ins Schwärmen. »Wir hatten in der Kathedrale mehr als 1000 Zuhörer und so etwas noch nicht erlebt.« Die pensionierte Lehrerin weist auf Fotos des imposanten Bauwerks, die ein Instrumentenschrank ziert.

Zeugnisse der Frankophilie

Auch an anderen Stellen im Haus von Familie Schulz finden sich Zeugnisse ihrer Frankophilie. Eine echte normannische Milchkanne, eine französische Pfanne und Porzellan aus Bayeux fallen gleich ins Auge. Ferner unzählige Fotoalben, in denen Marianne Schulz gern blättert. »Dann kann ich so schön in Erinnerungen schwelgen«, sagt sie und hält ein Foto mit malerischer Bergkulisse in Händen.

Ein Urlaubsschnappschuss, der die vier Freunde 2007 in Norwegen zeigt. »Wir haben zusammen ganz Europa erkundet.« Immer wieder waren auch die beiden Kinder Kristina Françoise (heute 44) und Heiko Michael (46) zu Hause bei »Onkel Emile« und »Tante Ginette«. »Wir sind einfach Familie füreinander.«

Motor der Städtepartnerschaft

Das Lehrer- und Musikerpaar aus Blasheim hat sich seit jeher ehrenamtlich für die Städtepartnerschaft engagiert, ist seit Jahrzehnten wichtiger Motor. »Ich kann die Stunden gar nicht zählen für all die Vorbereitungen. Doch es hat so viele schöne Begegnungen gegeben, bei Besuchen und Gegenbesuchen, die möchte ich keineswegs missen. Die ganze Arbeit im Vorhinein war dann immer sofort vergessen«, sagt die gebürtige Bünderin, die schon drei Auszeichnungen erhalten hat.

Zwei Mal wurde ihr Dank gezollt mit der Medaille der Stadt Bayeux – für Dolmetschertätigkeiten und Organisation. Und beim Wurstmarkt 2017 gab es dann einen Ritterorden, den »Confrerie Gourmande de Couchon de Bayeux« (Bruderschaft der Schlemmer des Bayeux-Schweins). Damit befindet sich Marianne Schulz in berühmter Gesellschaft. »Vor ein paar Wochen hat diesen Orden auch Präsident Macron bekommen«, erzählt sie und lacht.

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