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Kreisverbandstag: Kritik an Politik und Medien – Resolution zur Düngeverordnung

Bauern wollen Image verbessern

Lübbecke/Porta Westfalica (WB). Wie ist es um das Image der Landwirtschaft bestellt? Das war eine der Fragen, die auf dem Verbandstag der heimischen Landwirte in Porta Westfalica diskutiert worden ist. Angesprochen wurden auch neue Auflagen der Politik, die den Bauern große Sorgen bereiten.

Kai Wessel

Mit dem Foto von Junglandwirt Lennart Schoof und seinem Kalb wirbt die heimische Landwirtschaft für ihren Berufszweig. Es ist großflächig auf Bielefelder Bussen zu sehen. Foto: Landwirtschaftlicher Kreisverband Minden-Lübbecke

Reiner Meyer, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes, gab im voll besetzten Festsaal des Bachhotels einen Überblick zur Lage. Die sei schlecht. Der Dürresommer habe für immense Ernteeinbußen gesorgt, die Katastrophenhilfe in Höhe von 340 Millionen Euro von Bund und Land sei unzureichend.

Misstrauen der Gesellschaft

Meyer wies auf eine »beispiellos bürokratische Abwicklung« hin, die maximal 50 Prozent des Schadens ausgleiche – und das auch nur bei einem Bruchteil der Betriebe im Kreis Minden-Lübbecke: »In der Bevölkerung hält sich aber der Glaube, die Landwirte bekommen schon alle Ausfälle vom Staat ersetzt.« Das sei nicht der Fall.

Der Kreisvorsitzende stellte außerdem ein zunehmendes Misstrauen der Gesellschaft gegenüber den Methoden der Landwirtschaft fest. So würden selbsternannte oder von den Medien ernannte Experten ohne Ausbildung und Praxiserfahrung auftreten, »die uns mit Vorschlägen für Restriktionen und Verbesserungen in der Tierhaltung und im Umweltschutz überziehen«.

Lennart fährt durch die Bielefeld

Meyer bedauerte, dass im postfaktischen Zeitalter gute Argumente oft nicht ausreichen würden, um zu überzeugen. »Es entscheidet mehr das Gefühl.« Vor diesem Hintergrund sei die »Landwirt schafft Leben GmbH« in Münster gegründet worden, die das Image der Landwirte in der Öffentlichkeit nachhaltig verbessern soll.

Eben diesen Effekt verspricht sich der Verband auch vom Foto des Lübbecker Junglandwirts Lennart Schoof mit seinem Kalb. Es ist auf Bielefelder Bussen zu sehen, dazu dieser Text: »Wir machen Landwirtschaft: Heute und in Zukunft«. Nach Auskunft von Meyer wolle man »mit echten Gesichtern« für die heimische Landwirtschaft werben.

Landwirte sollen Resolution unterschreiben

Harsche Kritik übte der Kreisvorsitzende an der von Berlin geplanten Verschärfung der Düngeverordnung. Hintergrund ist eine drohenden EU-Klage wegen zu hoher Nitratwerte im Grundwasser. Meyer wies darauf hin, dass das Ministerium seine Pläne weder mit den Bundesländern noch mit den Landwirten abgestimmt habe: »Man schockt uns mit neuen Auflagen.«

Meyer befürchtet »die heftigsten Auswirkungen« und kündigte mit Blick auf ein weiteres Höfesterben an: »Wir werden den Untergang unserer Betriebe nicht kampflos hinnehmen.« Meyer forderte die 260 Landwirte – 50 kamen per Bus aus Rahden – im Saal auf, eine Resolution des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes zu unterzeichnen. Die fordert die Bundesregierung dazu auf, die »existenzbedrohenden Vorschläge« zu korrigieren. Am 27. März ist zudem eine Demonstration der Landwirte in Münster geplant.

Politik aus Brüssel löst Ärger aus

Birgit Ernst aus Werther, CDU-Kandidatin für die Europawahl am 26. Mai und Ehrengast der Veranstaltung, warb bei den Landwirten um Unterstützung. Sie sei zwar keine Landwirtin und zuweilen ärgere man sich auch über die Politik aus Brüssel, aber: »Eins ist auch klar. Wir profitieren von Europa. Wählen Sie nicht die, die Europa abschaffen wollen.«

Im Anschluss hörte das Plenum ein Referat des Journalisten Jörg Sadrozinski zum Thema »Die Landwirtschaft in den Medien«.

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