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Eckhard Struckmeier als Pfarrer der evangelischen Gemeinde Lübbecke verabschiedet

Beifall für die letzte Predigt

Lübbecke (WB). Die voll besetzte St.-Andreas-Kirche hat eine eindrucksvolle Kulisse für die Verabschiedung von Pfarrer Eckhard Struckmeier geboten. Nach 38 Jahren als Gemeindepfarrer in Lübbecke ist er am Sonntag in einem feierlichen Gottesdienst von seinem Dienst entpflichtet worden. Dazu waren auch die evangelischen Gemeinden Nettelstedt und Gehlenbeck eingeladen, so dass der Besucherstrom kaum enden wollte. Pfarrer Struckmeier gehörten nach dem musikalischen Auftakt von Bläserchor und Kreiskantor Heinz-Hermann Grube am Flügel die ersten begrüßenden Worte: „In meinem Herzen ist jetzt erst einmal Freude – darüber, dass ihr alle da seid.“

Viola Willmann

Ein letztes Mal predigt Eckhard Struckmeier als Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Lübbecke von der Kanzel der St.-Andreas-Kirche – und bekommt dafür Applaus. Am Sonntag ist er während des Gottesdienstes entpflichtet worden. Foto: Viola Willmann

Anschließend unternahm Heinz-Hermann Grube ein musikalisches Experiment. Er bat die „rhythmisch Talentierten“, mit dem Fuß zu wippen und mit der Hand auf den Oberschenkel zu klopfen. Der Kanon, der am Ende dabei herauskam, verlieh dem Gottesdienst – trotz durchaus wehmütigen Anlasses – eine großartige Leichtigkeit. Die gefüllte St.-Andreas-Kirche bildete einen stimmgewaltigen Chor. Und Grube erhält spontanen Applaus.

Predigt über die Geschichte Simeons

Es folgte Struckmeiers letzte Predigt von der Kanzel der Kirche als Pfarrer der evangelischen Gemeinde Lübbecke. Er nahm dabei Bezug auf die Geschichte über den alten Simeon aus dem Lukas-Evangelium. „Sein Bart war wahrscheinlich länger als meiner. Aber wir haben beide einen Abschied vor uns, bei mir heißt der Abschied Entpflichtung“, sagte Struckmeier, der an die für ihn schwere Zeit erinnert, in der seine erste Ehe in die Brüche gegangen war. „Mein Scheitern lag offen zu Tage. Als ich am schwächsten war hat diese Gemeinde, habt ihr mich getragen. Ich habe nur Anteilnahme gespürt. Und da ist mir – wie dem alten Simeon – ein Licht aufgegangen: Die Liebe Gottes ist unter uns.“

Dann musste Eckhard Struckmeier schmunzeln, denn es folgte sein „Lieblingsthema Heidentum“. „Da müsst ihr heute nochmal durch“, richtete er sich an die Gemeinde. Auch in ihm stecke ein kleiner Heide. Als Fan von Arminius, der den Römern in Varusschlacht eine verheerende Niederlage beigebracht hat. Das Denken in den Kategorien „Freund und Feind“ sei den Heiden eigen. Doch es gehe um die Erleuchtung der Heiden. Und Struckmeier kam auf ein allgegenwärtiges Phänomen zu sprechen: „Die vielen geschotterten Vorgärten, das ist Gewalt an der Natur. Fühlt euch gegrüßt von Greta Thunberg. Es ist okay, dass ihr hier in Lübbecke nicht in Panik verfallt, aber ihr müsst aufhören, eure Umwelt zu zerstören.“

„Amazing Grace“ auf dem Dudelsack

Zum Abschluss seiner Predigt bat Pfarrer Struckmeier die Männer, zuzugeben wie viel Zeit sie am Tag auf die Körperpflege verwenden. Man einigt sich auf eine Viertelstunde. „Und wie viel Zeit verwendet ihr am Tag für die Pflege eurer Seele?“ Keine Antwort. Pfarrer Struckmeier bat die Gemeinde: „Verwendet wenigstens so viel Zeit für die Pflege eurer Seele wie für euer Äußeres.“ Für seine letzte Predigt als Gemeindepfarrer erntete er Beifall – sicherlich eine Seltenheit in den Kirchen. Aber ein Lob für Struckmeier, dem das Predigen immer eine besondere Freude gemacht hat.

Superintendent Dr. Uwe Gryczan entpflichtete dann den Gemeindepfarrer und überreichte ihm ein Holzkreuz als Geschenk. Als Besonderheit spielte Küster Andreas Niermann auf dem Dudelsack „Amazing Grace“ – stilecht in Kilt. Anschließend gestaltete Pfarrerin Sabine Heinrich den Abschluss des Gottesdienstes. Sie übernimmt gemeinsam mit Pfarrer Eberhard Helling die Aufgaben von Eckhard Struckmeier – nun Pfarrer im Ruhestand.

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