1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Luebbecke
  6. >
  7. Bestattungen Inge Grote blickt auf 125 Jahre zurück

  8. >

Unternehmen aus Gehlenbeck wird bereits in fünfter Generation geführt – Beerdigungskultur im Wandel

Bestattungen Inge Grote blickt auf 125 Jahre zurück

Lübbecke-Gehlenbeck (WB). Wer einen geliebten Menschen verloren hat, verspürt oftmals eine überwältigende Trauer. Sich in solch einer Ausnahmesituation um alle Formalitäten kümmern zu müssen, die die Beisetzung erfordert, empfinden viele Angehörige als große Bürde. Befreit von all dem trauern und Abschied nehmen zu können, ermöglicht ein alteingesessener Gehlenbecker Betrieb. Bestattungen Inge Grote blickt dieser Tage auf eine 125-jährige Geschichte zurück.

Kathrin Kröger

Das Team geht individuell auf jeden Trauernden ein: (von links) Tim Füllbeck (Azubi), Anna-Lena Wojewski (Azubi), Ulrike Selle, Heike Rosenbohm, Anne Grote und Inhaber Jacob Grote. Es fehlt: Hendrik Jansen (Azubi). „Empathie ist ganz wichtig“, sagt Anne Grote. Foto: Kathrin Kröger

Bei allem Aufgefangen-Werden – das Trauergespräch und auch der Gang zum Bestattungsinstitut fallen schwer. Im Hause Grote umfängt den Trauernden gleich eine besondere und würdevolle Atmosphäre. Die Einfühlsamkeit bei der Beratung spiegelt sich wider in dezenten, geschmackvollen und freundlich gestalteten Räumen. Jacob Grote, ausgebildeter Bestatter, Fachwirt für Bestattungsgewerbe und Bestattermeister, führt das 1894 gegründete Geschäft, das immer in Familienhand war. Sein Ururgroßvater Ernst Grote erwarb einst das Grundstück in Gehlenbeck am Berliner Tor 5, dem damals eine Tischlerwerkstatt angeschlossen war. Auch heute noch befindet sich dort der Hauptsitz. Ein zweiter Standort – in Hüllhorst an der Hauptstraße 30 – kam 2014 hinzu.

„Ohne unser Team funktioniert das Ganze nicht“

Im Tischlerhandwerk lag der Ursprung des Bestattungswesens, weil dort die Särge angefertigt wurden. Bei Grote verhielt es sich genauso. Von 1960 bis 1990 wurde das Betriebsgebäude mehrmals umgebaut und vergrößert, auch die Tischlerei peu à peu erweitert. Von 1984 bis 2004 führte die heutige Seniorchefin Inge Grote das Geschäft, und die beiden Gewerke wurden getrennt. „Als mein Opa in Rente ging, wurde die Tischlerei verpachtet“, erzählt der heutige Inhaber. Er war erst 23 Jahre alt, als er das Familienunternehmen 2013 in fünfter Generation von seinem Großonkel Ernst Grote übernahm.

„Ich bin in meine Aufgabe hineingewachsen, habe schon während der Schulzeit im Betrieb mitgeholfen. Trotzdem war es für mich nicht selbstverständlich, Bestatter zu werden. Inzwischen erfahre ich täglich, wie wichtig diese Aufgabe ist. Ich bin gern für andere Menschen da“, sagt der 30-Jährige, der als Einziger in der Region Lübbecke und Umgebung seinen Meister gemacht hat. Seine Ehefrau Anne Grote, Fachwirtin für das Bestattungsgewerbe, und seine Großmutter Inge Grote unterstützen den jungen Mann bei seiner verantwortungsvollen Tätigkeit. „Meine Oma hat großen Anteil an dem Unternehmen. Im Ort kennt sie jeder“, sagt ihr Enkelsohn, der auf sechs Mitarbeiter bauen kann. „Ohne unser Team funktioniert das Ganze nicht.“ Drei Auszubildende, zwei Mitarbeiterinnen im Büro und eine Kraft, die unter anderem für Überführungen zuständig ist, stehen den Trauernden zur Seite.

Beerdigungskultur hat sich stark gewandelt

Trotz allen Wandels fühlt sich Jacob Grote ganz der Tradition der vorangegangenen Bestattergenerationen verpflichtet. Jeder Mensch trauere auf seine eigene Weise, die Individualität der Hinterbliebenen bilde ein zentrales Element. „Jeder hier nimmt sich die nötige Zeit für die Trauerbegleitung.“ Die Beerdigungskultur hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt, das zeigt sich auch im ländlichen Raum. Etwa die Hälfte der Verstorbenen wird nicht mehr im Sarg bestattet, sondern in einer Urne oder in einem pflegefreien Grab. Hier können Urne oder Sarg gewählt werden.

Neben den klassischen, immer umfangreicher gewordenen Dienstleistungen – auch die kostenlosen Vorsorgegespräche werden immer mehr beansprucht – regelt Firma Grote auch den digitalen Nachlass. In den sozialen Medien ist das Unternehmen auch selbst präsent. Bei Facebook wird eine entsprechende Seite gepflegt. Die Transparenz ist eine andere als in früheren Zeiten, die Themen „Tod” und „Trauer“ werden zunehmend enttabuisiert. Zur Kommunikation nach außen gehören Besuche von Konfirmanden bei Grote. „Auch Kindergärten waren hier. Außerdem haben wir unseren Beruf schon in Schulen im Religionsunterricht vorgestellt“, sagt Anne Grote.

Das 125-jährige Firmenbestehen ist zwar nicht gefeiert worden, aber sie hat es am Standort in Gehlenbeck sichtbar gemacht. An den Fenstern finden sich zahlreiche Informationen zur Geschichte sowie historische Aufnahmen. „Ich habe mit Leuten aus Gehlenbeck gesprochen und sie haben auch Fotos zur Verfügung gestellt“, sagt Anne Grote.

Weitere Informationen gibt es im Internet.

Startseite
ANZEIGE