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Dachau-Ausstellung „Namen statt Nummern“ in ganz Lübbecke verteilt zu sehen

Biografien als Erinnerung

Lübbecke (ria/WB). „Namen statt Nummern“ lautet der Titel der internationalen Dachau-Ausstellung, die nun im Rahmen einer Feierstunde in der Stadthalle eröffnet wurde. Zu sehen sind die 22 Exponate der Wanderausstellung an 17 unterschiedlichen Standorten im Lübbecker Stadtkern und den Ortsteilen. Die ausgestellten Biografien ehemaliger Häftlinge aus dem KZ Dachau sind ein Teil des Projektes „Gedächtnisbuch Dachau“. Seit 1999 haben Ehrenamtliche über 250 Biografien in verschiedenen Sprachen erstellt.

Stadtarchivarin Christel Droste hat im Rahmen der Ausstellungseröffnung anhand alter Fotografien aus dem Stadtarchiv an den Boykott jüdischer Kaufleute erinnert, zu dem auch die Lübbecker Bürger aufgerufen worden waren. Foto: Ria Stübing

Nach einem musikalischen Auftakt des Klarinetten-Gitarren-Duos Sabine Matthäus und Niko Hass ergriff Christel Droste das Wort. Die Stadtarchivarin berichtete von ihrer Arbeit mit Schülern im Zusammenhang mit dem alljährlichen Weg der Erinnerung am Jahrestag der Reichspogromnacht. „Es ist wichtig, nicht über eine anonyme Masse zu reden, sondern Einzelschicksale vorzustellen“, betonte Droste einen wichtigen Aspekt der Erinnerungskultur. Nur wenn man den Opfern ein Gesicht gebe, könne man der jüngeren Generation spürbar und erfahrbar machen, was den Menschen widerfuhr, die ihren Widerstand mit dem Leben bezahlten. Heute wisse man, was damals passiert sei und es sei wichtig, aufein­ander achtzugeben und aufzupassen, dass Gleiches sich nicht wiederhole. „Wir bleiben am Ball, werden weiterhin eintreten für Toleranz, werden sie leben und auch fordern. Und wir werden Gesicht zeigen“, sagte Droste.

„Was kann man tun, um zu verhindern, dass Faschisten wieder an die Macht kommen?“, fragte Michael Hafner, Mitinitiator der Ausstellung in Lübbecke. Neben einer guten Erinnerungskultur und politischer Bildung sei es wichtig, Zivilcourage zu zeigen und sich füreinander einzusetzen. Karl-Heinz Graute, katholischer Pfarrer, berichtete von seinem Besuch im ehemaligen Konzentrationslager Dachau während einer Klassenfahrt. Waren die 15-jährigen Jungen noch abenteuerlustig und mit dem einen oder anderen Streich im Gepäck aufgebrochen, konnte von übermütiger Stimmung nach der Besichtigung keine Rede mehr sein. Zu sehen, wo Zehntausende unschuldig ihr Leben ließen, Berichte über das Grauen, das sich an diesem Ort abgespielt hat, erschütternde Bilder – all das habe tiefen Eindruck hinterlassen und sei bis heute nicht vergessen.

Paroli bieten

Irmgard Schmidt, Gründerin des Lübbecker Bündnisses für Demokratie, Vielfalt und Respekt, betonte, wie wichtig es sei, Gesicht zu zeigen und sich mutig gegen Diskriminierung, Hass, Ausgrenzung und Hetze zu Wort zu melden. Bei antisemitischen und fremdenfeindlichen Äußerungen dürfe sich niemand fein raushalten, sondern müsse der Hetze Paroli bieten. Nina Pape, geschäftsführende Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich - Jüdische Zusammenarbeit Minden, lobte das Engagement junger Leute bei der Recherche für die Erinnerungsblätter. Sie berichtete über einen Jugendaustausch zwischen deutschen und israelischen Besuchergruppen, über den Besuch von Sehenswürdigkeiten im Mühlenkreis, darunter auch der Alten Synagoge in Petershagen. Sie erzählte von einer alten Dame in Tel Aviv, die aus Deutschland geflüchtet war und jetzt mit Freude erlebte, dass ihr Enkel gute Erfahrungen in Deutschland machen konnte. Sie schloss ihren Beitrag mit: „Eine Erkenntnis bleibt: Auschwitz ist passiert und Dachau ist passiert. Und weil es passiert ist, kann es auch wieder passieren. Setzen wir uns für ein 'Nie wieder' ein!“

Vor dem musikalischen Abschluss übergaben Irmgard Schmidt und Michael Hafner die ersten beiden Ausstellungsbanner an Anke Schrader, Leiterin der Stadtschule, und Marc Schäuble, Leiter der Lübbecker Sparkasse.

Die Stationen

1. Mediothek – umfangreiche Basisinformationen; Am Markt 3, Ansprechpartnerin: Luise König;

2. Berufskolleg Lübbecke – Felix Concaret; Rahdener Straße 1, Ansprechpartner: Stefan Becker;

3. Die Brücke – Ludwig Wittmann; Kapitelstraße 9, Ansprechpartnerin: Tamara Raddy;

4. Evangelische Freie Gemeinde – Wassyl P. Bondar; Sudermannstraße 14, Ansprechpartner: Pastor Viktor Löwen;

5. EFG Lübbecke und Freie Evangelische Gemeinde – Phillipe Toureille; Lessing­straße 10, Ansprechpartner: Aleksej Heinz und Pastor Matthias Müller;

6. Kirchengemeinde Alswede – Marc Brafman; Hedemer Straße 69, Ansprechpartner: Pfarrer Klaus-Dieter Obach;

7. Kirchengemeinde Blasheim – Wincenty Czarkowski; Postweg 2, Ansprechpartner: Pfarrer Christoph Röthemeier;

8. Kirchengemeinde Gehlenbeck – Fjodor W. Sachartschuk; Mühlenstraße 5, Ansprechpartnerin Pfarrerin Barbara Fischer;

9. Kirchengemeinde Lübbecke – Martin Niemöller; Am Markt 22, Ansprechpartner: Pfarrerin Sabine Heinrich und Pfarrer Eberhard Helling;

10. Kirchengemeinde Nettelstedt – Karl Wacker Horvarth; Kirchstraße 1, Ansprechpartnerin: Pfarrerin Britta Mailänder;

11. Kirchengemeinde St. Johannes Baptist – Karl Leisner; Niederwall 14, Ansprechpartner: Pfarrer Karl-Heinz Graute;

12. Mehrgenerationenhaus – Ignaz Daffner; Garnisonsring 30, Ansprechpartner: Lutz Schäfer;

13. Musikschule Pro Musica – Pjotr S. Kudin; Gerichtsstraße 5, Ansprechpartner: Martin Obermeier;

14. Sparkasse Minden-Lübbecke – Israel Hener; Osnabrücker Straße 1, Ansprechpartner Marc Schäuble;

15. Stadtschule – Wassyl P. Wolodko; Wiehenweg 35, Ansprechpartnerin: Anke Schrader;

16. Volksbank Lübbecker Land – Ernst Federn; Bahnhofstraße 3, Ansprechpartner: Sven Stallmann;

17. Wittekind-Gymnasium – Ludwig Marx; Ziegeleiweg 14, Ansprechpartner: Dr. Eberhard Hagemeier.

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