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Höhere Gefährdungsstufe bringt weitere Einschränkungen für die Bürger mit sich

Corona-Werte steigen: Kreis jetzt bei 57,3

Lübbecke/Minden (WB). Es musste ja so kommen. Ende der vergangenen Woche stand der Kreis Minden-Lübbecke noch gut da, was die Corona-Inzidenzzahlen anging. Aber angesichts steigender Werte allüberall ist die sogenannte Gefährdungsstufe 2 nun auch hier erreicht. Am Montag meldete das Robert-Koch-Institut einen Inzidenzwert von 57,3 Fällen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen. Für die Bürger zieht das erhebliche Konsequenzen nach sich. Die Regelungen standen Montag Nachmittag im Mittelpunkt eines Pressegesprächs im Mindener Kreishaus.

Stefan Lind

Pressekonferenz zu den neuen Corona-Zahlen und den Konsequenzen daraus am Montag Nachmittag im Kreishaus: (von links) Dr. Elke Lustfeld, Leiterin des Kreisgesundheitsgesundheitsamtes, Hans-Joerg Deichholz, stellvertretender Leiter des Krisenstabs, Kreisdirektorin Cornelia Schöder, Leiterin des Krisenstabs, und Jan Boße vom Rechts- und Ordnungsamt des Kreises. Foto: Stefan Lind

Maskenpflicht bei Veranstaltungen

Am vergangenen Wochenende habe es mehr als 150 Neuinfektionen im Mühlenkreis gegeben, erläuterte Kreisdirektorin Cornelia Schöder, Leiterin des Krisenstabs. Regelrechte Hotspots wie in anderen Kreisen oder Kommunen seien nicht auszumachen, „das streut in weite Kreise der Bevölkerung“. Auf Nachfrage präzisierte Dr. Elke Lustfeld, Leiterin des Kreisgesundheitsamtes, diese Angaben. Es sei schon zu erkennen, dass private Feiern verstärkt zur Weiterverbreitung des Virus beigetragen hätten. Auch die Untersuchung von Reiserückkehrern habe zu höheren Fallzahlen geführt.

Was sich für die Bürger ändern wird, listete Jan Boße vom Rechts- und Ordnungsamt des Kreises auf. Ganz wichtig: Es gilt ab sofort eine Maskenpflicht bei Kultur- oder Sportveranstaltungen in geschlossenen Räumen, zusätzlich zu der schon ausgesprochenen Abstandsregel. Weiterhin sind bei Veranstaltungen innen und außen maximal 100 Personen zulässig; es sei denn, die zuständige Behörde lässt Ausnahmen auf Basis eines besonderen Hygiene- und Infektionsschutzkonzeptes zu. Dann sind bis zu 500 (außen) oder 250 Personen (innen) erlaubt. Der Betrieb gastronomischer Einrichtungen und der Verkauf alkoholischer Getränke ist von 23 Uhr bis 6 Uhr unzulässig.

Gesänge in Sport und Kirche untersagt

An Festen aus herausragendem Anlass außerhalb einer Wohnung dürfen höchstens zehn Personen teilnehmen. In der Öffentlichkeit dürfen sich außerhalb von Familien und Personen zweier Hausstände nur noch Gruppen von höchstens fünf Personen treffen. Hier gelten Ausnahmen wie zum Beispiel bei der Kinderbetreuung.

Um die besondere Gefährdung durch das Verbreiten von Aerosolen zu verringern, hat der Kreis zusätzliche Maßnahmen erlassen: Bei Sportveranstaltungen in geschlossenen Räumen sind Fangesänge, Sprechchöre und Unterstützungsrufe nicht zulässig. Das Mitsingen sowie Sprechchöre sind bei allen öffentlichen Veranstaltungen, Aufführungen und Konzerten nicht mehr gestattet. Dies gilt ebenso für Veranstaltungen und Treffen zur Religionsausübung sowie auf Trauerfeiern.

Nachverfolgung stockt

Angesichts der rapide steigenden Fallzahlen sei die Nachverfolgung der Kontakte infizierter Personen durch das Gesundheitsamt im Moment „eingeschränkt“, räumte Dr. Elke Lustfeld ein. Das soll sich aber in Kürze ändern: „Wir wollen uns verstärken.“ Was das in konkreten Zahlen bedeutet, rechnete Hans-Joerg Deichholz, stellvertretender Leiter des Krisenstabs, vor. In den vergangenen Monaten sei das Personal des Gesundheitsamtes bereits von 51 auf 67 Mitarbeitende aufgestockt worden. „Bislang geschah das auf freiwilliger Basis, jetzt haben wir aber den Hebel umgelegt.“ Soll heißen: Den verschiedenen Dezernaten im Kreishaus seien deutliche Vorgaben gemacht worden, wie viele Leute gebraucht werden: „Wir wollen 40 weitere Kräfte abziehen.“ Das könne in anderen Bereichen durchaus zu Engpässen führen. „Aber wir müssen reagieren. Das Gesundheitsamt ist hoch belastet. Viele Kollegen haben sieben Tage in der Woche durch gearbeitet.“ Auch bei der Bundeswehr sei inzwischen ein Antrag auf Unterstützung eingegangen. Darüber ist aber noch nicht entschieden.

Aktuelle Fallzahlen

57,3 so lautete der Wocheninzidenz-Wert am Montag (Samstag 32,8, Sonntag 44,8). Aber hinter dieser abstrakten Zahl verbergen sich viele Einzelschicksale. In konkreten Zahlen sieht das so aus: Für Montag hat der Kreis 1315 laborbestätigte Fälle gemeldet, 1036 davon sind abgeschlossen. 279 Menschen sind also akut an Corona erkrankt (255 waren es am Sonntag). Seit dem Beginn der Pandemie sind 16 Menschen an den Folgen des Virus gestorben.

Für die einzelnen Kommunen schlüsseln sich die akuten Fälle so auf: Bad Oeynhausen 57 (+1), Espelkamp 43 (+9), Hille 9 (+-0), Hüllhorst 13 (+2), Lübbecke 13 (+1), Minden 72 (+1), Petershagen 14 (+-0), Porta Westfalica 15 (+1), Preußisch Oldendorf 15 (+-0), Rahden 14 (+6), Stemwede 14 (+3). In der Übersicht stehen die durch entsprechende Labortests bestätigten Fälle.

13 Patienten im Krankenhaus

Aus dem stationären Bereich hat die Kreisverwaltung diese Zahlen bekommen: Auf der Isolierstation im Johannes-Wesling-Klinikum werden aktuell 13 Covid-Patienten behandelt. Auf der Intensivstation dort wird aktuell kein Covid-Patient behandelt. Ein Patient ist in intensivmedizinischer Behandlung im Herz- und Diabeteszentrum in Bad Oeynhausen.

Cornelia Schöder, Leiterin des Krisenstabs beim Kreis, appelliert an alle Bürger, sich an die Corona-Regeln zu halten: „Der Mund-Nasenschutz zum Beispiel ist so wichtig. Er muss ein Alltagskleidungsstück werden, so lange die Pandemie anhält.“ Leider sei die Wichtigkeit der Regeln „noch nicht von allen Leuten verinnerlicht worden“.

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