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Das Große Torfmoor in Lübbecke leidet stark unter dem mangelnden Regen

Das Moor vertrocknet

Lübbecke (WB). Im Sommer 2016 stand der Holzsteg, der durch das Große Torfmoor führt, größtenteils unter Wasser. Dieses Jahr sucht man Wasser im Moor die meiste Zeit vergeblich. Die Hitze und der mangelnde Regen in diesem Sommer haben dem Naturschutzgebiet mächtig zugesetzt und es nahezu ausgetrocknet. »Die Situation ist dramatisch«, sagt der langjährige Moorführer Rainer Eschedor.

Freya Schlottmann

Die Baumstümpfe, die mittlerweile aus dem Moor ragen, sind im Sommer eigentlich mit Wasser bedeckt. Foto: Freya Schlottmann

Mit dem Zollstock zeigt der Natur- und Landschaftsführer, bis wohin der Wasserstand eigentlich reichen sollte. »Da fehlen etwa 50 Zentimeter Wasserhöhe«, stellt Eschedor besorgt fest. Bereits im vergangenen Jahr habe das Moor aufgrund der starken Hitze schon mächtig gelitten, erklärt der 55-Jährige. Der erneut heiße Sommer in diesem Jahr mit zu wenig Regen würde die Situation im Moor jetzt noch einmal deutlich verschlimmern.

Denn um überhaupt existieren zu können, ist das Moor auf Regenwasser angewiesen. »Man kann sich ein Moor wie eine riesige Regentonne vorstellen. Wenn von oben nichts reinläuft, kommt kein Wasser nach«, sagt Eschedor. Genügend Niederschlag sei somit das A und O.

Im Juni gab es noch etwas Wasser. Davon ist mittlerweile nichts mehr zu sehen. Foto: Wessel

Entstanden ist das Große Torfmoor – das heute eine Hochmoorfläche von 420 Hektar hat – im Flussbett der Weser während der Saale-Eiszeit vor etwa 200.000 Jahren. Im Bereich des heutigen Moores befand sich damals eine riesige Senke, in der sich eine Sedimentschicht abgesetzt hat. Noch heute wirkt sich diese Sedimentschicht wie eine Isolierschicht aus, durch die kein Wasser nach unten entweichen kann.

Als die Eiszeit zurückging, fand die Weser einen neuen Weg und ihren heutigen Verlauf. In dem eiszeitlichen Urstromtal der Weser ist letztlich eine Seenlandschaft zurückgeblieben, die mittlerweile verlandet ist. Aus ihr ist das heutige Moorgebiet entstanden. Nach dem Ende der letzten Eiszeit vor etwa 11.000 Jahren begann schließlich auch das Moorwachstum.

Bleiche Ärmchen

»Über die Jahrtausende ist das Moorgebiet zwar mehr und mehr verlandet, aber trotzdem sumpfig und morastig geblieben«, sagt Eschedor. Nach und nach seien durch einen Klimawandel vor etwa 6000 Jahren dann auch Torfmoose gewachsen, die besonders gut im nährstoffarmen, vom Regenwasser gespeisten Moor wachsen. Die Torfmoose selbst sorgen für das saure Milieu und tragen hauptsächlich zur Bildung von Torf bei, wenn Teile der Pflanze absterben und zum Teil im Boden verrotten.

Besonders diese Torfmoose litten unter Hitze und Trockenheit im Großen Torfmoor. Statt bis zum »Köpfchen«, wie Eschedor es nennt, im Wasser zu stehen und ein sattes Grün zu haben, sind die zarten Ärmchen des Mooses vertrocknet und teilweise bleich. »Ist das Moor zu trocken, wachsen stattdessen vermehrt andere Gräser und auch die Birken vom Ufergebiet«, sagt der Moorführer. Moortypische Pflanzen würden auf diese Weise verdrängt. Und Birken entzögen dem Boden noch mehr Wasser. »Die ökologischen Folgen sind dramatisch«, erklärt Rainer Eschedor.

Kohlenstoffe nicht mehr binden

Wenn das Große Torfmoor noch weiter austrocknen sollte, sieht Eschedor ein weiteres Problem: »Moore sind die größten Kohlenstoffspeicher der Welt. Sie speichern doppelt so viel Kohlenstoff wie weltweit alle Wälder.« Mit dem Austrocknen der Torfe würde dieser die Kohlenstoffe nicht mehr binden. Ist das Moor zu trocken, wird das Kohlenstoffdioxid dementsprechend in die Umwelt freigesetzt.

Bis in die 1950er Jahre wurde im Großen Torfmoor noch großflächig Torf abgebaut und als Brennmaterial verwendet. Dafür wurde der Sumpf bereits über lange Jahre entwässert. Von 2003 bis 2008 wurde das Große Torfmoor dann gezielt wiedervernässt, um das Gebiet zu renaturieren. »Dadurch konnte sich der Zustand des Moores wieder bessern. Die vergangenen zwei Jahre gefährden diese Naturschutzmaßnahmen aber stark«, sagt der 55-Jährige.

Das zeige sich beispielsweise darin, dass auf vielen Flächen im Großen Torfmoor mittlerweile zahlreiche alte Baumstümpfe aus dem Boden ragen und komplett zu sehen sind. »Normalerweise müssten die unter Wasser stehen und nicht zu sehen sein«, erklärt Rainer Eschedor.

Um das Moorgebiet wieder nass zu bekommen, müsste es jedoch über längere Zeit regnen. Die Schauer der vergangenen Tage waren da bei weitem nicht ausreichend.

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