1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Luebbecke
  6. >
  7. Der Wasserstand im Großen Torfmoor trügt

  8. >

Naturschutzgebiet in Lübbecke leidet weiterhin unter mangelndem Regen – Januar ist zu warm

Der Wasserstand im Großen Torfmoor trügt

Lübbecke (WB). Wasser gibt es dieser Tage im Großen Torfmoor endlich wieder zu sehen. Die Seen, die das Naturschutzgebiet maßgeblich prägen, wirken wieder gut gefüllt. Doch der Schein trügt, weiß Moorführer Rainer Eschedor: „Das Moor hat sich von der Trockenheit in den vergangenen Sommern noch nicht erholt.“

Freya Schlottmann

Auf den ersten Blick scheint das Große Torfmoor wieder viel Wasser zu haben. Der Anblick aber trügt, weiß Moorführer Rainer Eschedor. Denn weil der Boden extrem ausgetrocknet und dadurch verdichtet ist, bleibt das Wasser nur obenauf stehen. Foto: Freya Schlottmann

Die beiden besonders heißen und trockenen Jahre 2018 und 2019 haben das Große Torfmoor an seine Grenzen gebracht. „Der Torfboden ist auch jetzt immer noch extrem trocken und stark verdichtet“, sagt Rainer Eschedor. Das Wasser, das derzeit die Seen und Pfützen bildet, stehe laut dem Moorführer nur oben auf. „Wenn der Torf nämlich erst einmal ausgetrocknet ist, nimmt er nur noch sehr schlecht Wasser wieder auf und dieses bleibt dann einfach nur auf der Oberfläche stehen“, erklärt er. In tiefere Torfschichten durchgedrungen sei das so wichtige Regenwasser also auch jetzt noch nicht, obwohl es in letzter Zeit zumindest vereinzelte Regenschauer gegeben hat.

Es gibt ein immenses Niederschlagsdefizit

„Um existieren zu können, benötigt so ein Moor im Jahresschnitt etwa 700 bis 800 Millimeter Regenwasser pro Quadratmete r “, sagt Eschedor. Vor allem im Jahr 2018 habe es aber deutlich weniger geregnet. Friedrich Föst, Meteorologe aus Lübbecke erklärt dazu, dass es im ebenfalls sehr heißen Jahr 2019 unterm Strich zwar gerade so eine schwarze Null bei der Niederschlagsmenge gegeben habe. „Wir schieben vom Jahr 2018 aber immer noch ein gewaltiges Niederschlagsdefizit von 200 bis 300 Litern pro Quadratmeter vor uns her, das noch nicht ausgeglichen ist.“

Eine längere Regenperiode wäre für das weitere Bestehen des Großen Torfmoors dementsprechend extrem wichtig. „Um dieses Defizit aufzuholen und auch den Jahresschnitt einhalten zu können, bräuchten wir ein richtig nasses Jahr, in dem es mehrere Wochen am Stück und vor allem gleichmäßig mindestens 10 Liter pro Quadratmeter am Tag regnen muss“, sagt Friedrich Föst. Starkregenphasen seien dagegen nicht hilfreich, da so die vielen plötzlichen Wassermengen vom ausgetrockneten Boden nicht schnell genug aufgenommen werden können.

Schnee würde dem Moor auch helfen

Auch Schnee würde dem Moor derzeit helfen. „Das ist schließlich auch Niederschlag, der von oben kommt“, sagt Rainer Eschedor. Vor allem letzterer Aspekt ist für Moore essenziell. Denn eine dicke Sedimentschicht, die sich unter dem Moor befindet, wirkt wie eine Sperre, die kein Wasser aus tieferen Erdschichten nach oben durchlässt. „Man kann sich ein Moor also wie eine Regentonne vorstellen. Wenn oben nichts rein läuft, kommt kein Wasser nach“, erklärt der Moorführer.

Regen oder sogar Schnee sind dem Lübbecker Meteorologen zufolge allerdings vorerst nicht in Sicht. „Eine Wetterlage mit Tiefdruckeinfluss ist für die hiesige Region in nächster Zeit nicht zu erwarten – von Schnee ganz zu schweigen“, meint Friedrich Föst. Auch das Jahr 2020 sei bisher zu warm und zu trocken gestartet. „Der Januar ist im Durchschnitt bislang etwa fünf Grad zu warm. Derzeit haben wir hier Temperaturen, die sonst eher im März zu erwarten sind“, sagt der Meteorologe.

Moor hat bereits einige Schäden erlitten

Durch diese angespannte Situation hat das Große Torfmoor bereits erste dramatische Schäden erlitten. Zum einen habe sich die Flora verändert, weil eigentlich übliche Pflanzen wie Torfmoose vertrocknet sind und sich immer mehr Birken breitgemacht haben, die zusätzlich dem Boden Wasser entziehen, erklärt Rainer Eschedor. Zum anderen seien beispielsweise auch die Bekassinenpaare – eine Vogelart, die eigentlich im Uferbereich des Moores auf die Suche nach Würmern und Insekten geht – weniger geworden, weil ihnen im Großen Torfmoor die Futtergrundlage ausgehe. Ein noch weitaus größeres Problem sei aber, dass durch die Trockenheit Luft an den Torf gelange. „Dadurch fängt dieser an, sich zu zersetzen. Trocknet der Torf dann weiter aus, werden die darin gespeicherten Kohlenstoffe freigesetzt, die dem Klima schaden“, erklärt Eschedor.

Von 2003 bis 2008 ist das Große Torfmoor bereits einmal wieder vernässt worden, um das Naturschutzgebiet nach einer langen Zeit des Torfabbaus zu renaturieren. Ganz unproblematisch könne eine erneute Wiedervernässung aber nicht ständig wiederholt werden, meint der Moorführer. „Das Moor benötigt den nährstoffarmen Regen. Eine Bewässerung aus dem nährstoffreichen Mittellandkanal ist deshalb nicht möglich. Und alternativ die Bastau anzustauen, um einen Rückstau ins Moor zu erzielen, würde zudem ein Konfliktpotenzial mit Landwirten bergen.“

Je mehr Monate es also auch jetzt nicht ausreichend regnet, desto dramatischer werde die Lage im Großen Torfmoor, verdeutlicht Rainer Eschedor.

Startseite