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Lübbecke: Große Spendenbereitschaft ermöglicht Einbau eines Fahrstuhls für querschnittsgelähmten Sascha Burkamp

„Die Hilfe ist überwältigend“

Lübbecke-Gehlenbeck

Sascha Burkamp sitzt im Auto, ist auf dem Weg zu einer medizinischen Untersuchung als er ans Telefon geht.

Viola Willmann

Sascha Burkamp mit seinem dreijährigen Sohn Louis und dem dreijährigen Berner Sennenhund Carlo vor dem fast fertigen Fahrstuhl. Der erleichtert ihm den Zugang zur Wohnung. Foto: Björn Schröder

Nicht mal ein Jahr ist es her, dass er sich bei einem privaten Unfall so schwer verletzt hat, dass er seitdem im Rollstuhl sitzt. Sascha Burkamp, verheiratet und Vater von zwei kleinen Kindern, ist seit dem Unfall im Mai 2020 querschnittsgelähmt. „Ich werde mich wohl nie mit der Situation abfinden, aber ich habe mich damit arrangiert. Mir geht es gut“, sagt der 34-Jährige am Telefon.

Seit vielen Jahren engagiert sich Sascha Burkamp in der Freiwilligen Feuerwehr in Gehlenbeck, ist stellvertretender Stadtjugendfeuerwehrwart. Der Unfall stellt den Familienvater vor viele Probleme. So kam er etwa nicht mehr problemlos in seine Wohnung im Obergeschoss seines Elternhauses, die er erst vor sechs Jahren umgebaut hatte. Dieses Problem konnte jetzt gelöst werden, denn in diesen Tagen wird der Bau eines Fahrstuhls abgeschlossen. Eine Bielefelder Firma ist nach viermonatiger Produktionszeit dafür zuständig. „Vor das Haus wurde erst eine Stahlkonstruktion gebaut, aus einem Fenster im Obergeschoss wurde eine Tür gemacht“, berichtet Burkamp, der zukünftig vom Hof in den Fahrstuhl kann und im Treppenhaus im Obergeschoss wieder raus. Das Treppenhaus war zu eng, um einen Treppenlift zu installieren. Um den Zugang zur Wohnung behindertengerecht umzubauen und einen Fahrstuhl zu installieren, fehlten trotz Zuschüssen von sozialen Trägern noch etwa 50.000 Euro.

Möglich gemacht wurde diese umfangreiche und teure Baumaßnahme durch eine Spendenaktion der Löschgruppe Gehlenbeck, an der sich zahlreiche Gruppen und Vereine, Privatpersonen und Firmen beteiligt haben. So verkauften etwa die Löschgruppe Bröderhausen und die Löschgruppe Blasheimjeweils Bratwurst und Pommes und spendeten den Erlös.

Sascha Burkamp

„Uns liegt es als Familie am Herzen, uns zu bedanken – bei der Löschgruppe Gehlenbeck, die die Spendenaktion initiiert hat, bei den vielen Unterstützern und auch bei den ortsansässigen Firmen, die den notwendigen Umbau am Haus gemacht haben, so dass uns nahezu keine Kosten entstanden sind“, sagt Sascha Burkamp. Und er fügt noch einen ganz persönlichen Dank an. Der geht an seine Frau Sonja, die ihn immer unterstützt habe.

Dass die Spendenaktion so weite Kreise ziehen würde und ziemlich schnell das Geld für den Fahrstuhl zusammen war, damit hat die Familie nicht gerechnet. „Mit diesem Ausmaß haben wir nicht gerechnet. Wir haben gedacht, dass da vielleicht 5000 Euro zusammenkommen, die uns ja auch schon geholfen hätten. Die Hilfe ist überwältigend“, sagt der 34-Jährige, der nun dreimal pro Woche zur ambulanten Physiotherapie in die Rehaklinik Holsing Vital nach Preußisch Oldendorf fährt. Auch die Klinik hatte sich an der Spendenaktion beteiligt und dem Gehlenbecker eine einjährige Mitgliedschaft im hauseigenen Fitnessstudio geschenkt. Auch eine Reha sei bereits beantragt und genehmigt. „Ich habe auch schon in so einem Stehwagen gestanden. Ziel ist, dass ich mit diversen Hilfsmitteln an eine Art Laufen komme“, berichtet Sascha Burkamp.

Seit seinem Unfall sitzt Sascha Burkamp im Rollstuhl. Das Treppenhaus war für einen Treppenlift zu eng. Foto:

Den Rollstuhl wird das aber wohl nicht überflüssig machen. Seine Kinder haben sich auch schon längst daran gewöhnt. Die einjährige Tochter Alina kennt ihren Vater quasi nicht anders und der dreijährige Louis nutzt den Rollstuhl auch gerne als Spielgerät. „Er hat am Anfang immer gesagt ‚Papa, wenn du wieder laufen kannst, machen wir dann dies oder das.‘ Inzwischen will er oft auf dem Rollstuhl mitfahren oder wenn ich auf dem Sofa sitze, klettert er gleich darauf“, erzählt Sascha Burkamp, der bei der Eduard Gerlach GmbH in der Produktion gearbeitet hat, derzeit aber als arbeitsunfähig gilt.

Mit dem Einbau des Fahrstuhls ist für Familie Burkamp ein wichtiges Zwischenziel erreicht. Weitere Umbaumaßnahmen rund um das Haus werden allerdings noch folgen. „Als ich vor sechs Jahren die Wohnung umgebaut habe, habe ich immerhin schon etwas vorausschauend geplant und breite Türen und keine Schwellen eingebaut. Da wir aber am Wiehengebirge in Hanglage wohnen, müssen wir draußen noch einiges machen, damit ich überhaupt in den Garten komme.“ Ein rollstuhlgerechter Weg ums Haus steht auch auf der Agenda.

Zwar ruht derzeit die Feuerwehrarbeit aufgrund der Corona-Pandemie mehr oder weniger, Sascha Burkamp denkt aber schon etwas weiter. Er möchte seinen Posten als stellvertretender Stadtjugendfeuerwehrwart auf jeden Fall weiter bekleiden, und auch der Löschgruppe Gehlenbeck will er erhalten bleiben. „Ich werde sicherlich nicht der sein, der bei den Einsätzen ganz vorne steht, aber organisatorische Sachen kann ich weiter gut übernehmen.“

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