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Polizei kontrolliert die gleiche Stelle wie beim Blitzmarathon – mehrere Verwarngelder 

Die Nachmessung

Lübbecke (WB). Vor drei Monaten hat die Polizei die Geschwindigkeit an der Gehlenbecker Straße kontrolliert. Es war der Tag des Blitzmarathons. Damals wurde kein einziger Autofahrer in der Tempo-30-Zone erwischt. Jetzt hat die Polizei noch einmal nachgemessen – gleiche Stelle, gleiche Kelle. Das Ergebnis der unangekündigten Kontrolle fiel etwas anders aus.

Kai Wessel

Polizeihauptkommissar Dirk Niemeyer steht an der Gehlenbecker Straße und kontrolliert die Autofahrer. Beim Blitzmarathon vor drei Monaten war kein einziger zu schnell. Das sah diesmal anders aus. Niemeyer und Kollegen mussten Verwarngelder verteilen. Foto:

 Wie im September beziehen Polizeihauptkommissar Dirk Niemeyer sowie seine Kollegen Dieter Granzow und Nadine Heinemann Stellung an der Tempo-30-Zone vor der Astrid-Lindgren-Grundschule. Es ist ein Abschnitt der Gehlenbecker Straße, an dem es gar nicht so leicht ist, mit überhöhter Geschwindigkeit erwischt zu werden. Im Abstand weniger Meter sind Schwellen verbaut, die Autofahrer einbremsen. Wer zu schnell darüber hinweg fährt, riskiert seine Stoßdämpfer.

 Respekt zeigt auch ein ortskundiger Smart-Fahrer. Er demonstriert vor den Augen der Beamten, wie sich das Hindernis vermeiden lässt. Kurz vor den Buckeln reißt er das Steuer nach links und umkurvt die Schwellen unter Ausnutzung der vollen Fahrbahnbreite inklusive Bürgersteig. Sein Pech: Die Polizei hat für dieses Manöver nicht das geringste Verständnis. Dieter Granzow erklärt dem Fahrer, dass er gegen das Rechtsfahrgebot erstoßen hat und kassiert zehn Euro. Die Erklärung des Ertappten: »Die Buckel sind halt nervig, besonders, wenn man einen Kleinwagen fährt.« Granzow bleibt ungerührt. Er hat in seinem Polizeileben schon bessere Ausreden gehört: »Die gibt es ohne Ende, helfen aber nicht.«

 Immerhin, zu schnell war der Smart-Fahrer nicht. Es dauert aber nicht lange, bis der erste Temposünder kommt. Dirk Niemeyer misst eine BMW-Fahrerin auf dem kurzen Abschnitt zwischen den Buckeln mit Tempo 48. Nach Abzug der Toleranz bleiben 45 Stundenkilometer und 35 Euro für die Kreiskasse übrig.

 Kurz danach erwischt es den Fahrer eines Kleintransporters. Seine Geschwindigkeit liegt zwar (gerade noch) im Toleranzbereich, dafür hat er keinen Gurt angelegt. Und das wird von den Polizisten nicht toleriert – 30 Euro.

 Unterdessen ist der nächste Temposünder im Visier des Messgeräts. Eine VW-Fahrerin liegt bei 43 km/h und wird von Granzow mit 25 Euro zur Kasse gebeten. Dass die Frau eine entfernte Bekannte des Polizeibeamten ist (»Ich habe Sie schon von weitem erkannt.«), führt zu keinerlei Ermäßigungen.

 Kurz danach nähert sich ein Golf-Fahrer aus Richtung Gehlenbeck kommend der Messstelle. Er ist so schnell unterwegs, dass er die Beamten übersieht und mit 61 Sachen in die Tempo-30-Zone rauscht. Da eine Fahrerermittlung nur per Verfolgungsjagd möglich wäre, kommt er – vorerst – ohne Strafe (100 Euro, 1 Punkt) davon.

 Polizeihauptkommissar Dirk Niemeyer stellt klar: »Zu hohes Tempo, Alkohol und Drogen sind die Hauptunfallursache. Es wird auch weiterhin Kontrollen geben.« Am Nachmittag erreicht ihn die Bilanz seiner Kollegen, die an der Alsweder Straße Messungen vorgenommen haben. Innerhalb kurzer Zeit wurden in der 50-Zone fünf Verwarngelder und fünf Anzeigen geschrieben. Der Tagesschnellste fuhr 89 Stundenkilometer. Strafe: 160 Euro Bußgeld, zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot.

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