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Freibadpark an der Obernfelder Allee in Lübbecke der Öffentlichkeit übergeben

Ein Bürgerpark für alle Generationen

Lübbecke

Während noch kurz vor der Einweihung ein letztes Mal gefegt wird, erkundet schon die erste Kindergruppe das Gelände des neuen Freibadparks an der Obernfelder Allee. Am Freitag ist dieser offiziell für die Öffentlichkeit freigegeben worden.

Baudezernent Joachim Schaer führt die Gäste im Rahmen der offiziellen Übergabe über das Gelände des neuen Freibadparks an der Obernfelder Allee. Foto: Viola Willmann

Mit dem generationenübergreifenden Naherholungsangebot soll neues Leben einziehen an einem Ort, der für viele Lübbecker Bürgerinnen und Bürger untrennbar mit Kindheits- und Jugenderinnerungen verbunden ist. So sprach Bürgermeister Frank Haberbosch bei seiner Begrüßung auch von einem „großen Wurf“. Auch wenn kein Vertreter der Bezirksregierung am Freitag vor Ort war, habe diese großen finanziellen Anteil an dem 3,5 Millionen Euro teuren Projekt.

Einweihungsfest am 25. Juni

Um den Anlass mit der gesamten Bürgerschaft angemessen feiern zu können, wird am Samstag, 25. Juni ein Einweihungsfest mit Programm für Jung und Alt stattfinden. Die Verschiebung in den Juni ist dem Umstand geschuldet, dass viele Neuanpflanzungen noch frisch und die Böden zum Teil noch nicht so konsolidiert sind, dass sie eine größere Veranstaltung zum jetzigen Zeitpunkt schadlos überstehen würden.

Die Geschichte des Bades, das über fast drei Jahrzehnte Anlass war für Auseinandersetzungen, die die politische Landschaft in Lübbecke verändert haben, reicht zurück bis in das Jahr 1938. Damals wurden erstmals Überlegungen zum Bau einer Badeanstalt an der Obernfelder Allee angestellt, die aber dann kriegsbedingt zunächst nicht weiterverfolgt wurden. Erst einige Jahre nach Kriegsende wurden die Planungen wieder aufgenommen. Im Juli 1952 beschloss der Rat die Vergabe der Bauarbeiten und am 4. Juli 1953 konnte die „Badeanstalt Lübbecke“ eingeweiht werden.

Das beheizte Bad verfügte über ein 50-Meter-Becken mit sechs Bahnen und mit Ein-, Drei-, Fünf-, Siebeneinhalb- und Zehnmeter-Sprungturm. Im Jahr 1963 fanden hier die Westdeutschen Meisterschaften im Turmspringen statt. Das östliche Viertel des Beckens war flacher und damit auch für Nichtschwimmer geeignet. Daneben gab es ein kleineres Planschbecken. Zusammen mit rund 8.000 Quadratmetern Liegewiesen und Flächen für Spiel und Sport umfasste das Gelände etwa die Fläche von eineinhalb Fußballfeldern.

Zentrale Anlaufstelle

Über Jahrzehnte war die Badeanstalt auch wegen ihrer Innenstadtlage in den Sommermonaten eine der wichtigsten, wenn nicht die zentrale Anlaufstelle vor allem der Lübbecker Jugend. Exakte Besucherzahlen aus den Sechziger- und Siebzigerjahren des 20. Jahrhunderts sind nicht statistisch erfasst, dürften aber historische Bestmarken gesetzt haben.

Vielleicht hätte das Bad bis heute Bestand, wenn nicht das „Bielefeld-Gesetz“ dazwischengekommen wäre. Ab 1973 nämlich verfügte Lübbecke plötzlich über zwei Freibäder im Radius von weniger als fünf Kilometern: Neben dem an der Obernfelder Allee das unweit des Mittellandkanals liegende Freibad des Amtes Gehlenbeck, das durch die Gebietsreform an Lübbecke angegliedert wurde. Fortan mussten also zwei Freibäder finanziert werden, und eine Diskussion um die Bäderlandschaft in der Stadt wurde unausweichlich.

Es entwickelte sich eine bald hitzig geführte Debatte um die Zukunft der Standorte, in der die Verwaltung und die Ratsmehrheit den alleinigen Betrieb des Freibades Gehlenbeck favorisierten, das moderner und in technisch besserem Zustand war. 2002 wurde das Bad an der Obernfelder Allee nach einem entsprechenden Ratsbeschluss geschlossen.

Gegen die Schließung regte sich Widerstand vor allem aus dem Bereich der Kernstadt und der westlichen Ortsteile Blasheim und Obermehnen. Ein Bürgerbegehren führte schließlich zu einem Bürgerentscheid am 2. Mai 2004. Die Fragestellung lautete: „Soll das Freibad Lübbecke unter gleichzeitiger Schließung des Amtsfreibades Gehlenbeck erhalten und für den Badebetrieb geöffnet werden?“. Bei einer Wahlbeteiligung von 40,4 Prozent beantworteten 57,8 Prozent der Abstimmenden die Frage mit „Nein“ und besiegelten damit das Schicksal der Badeanstalt, die in der Folge endgültig aufgegeben wurde.

Unter Denkmalschutz gestellt

Bereits kurz nach der Schließung 2002 waren die baulichen Anlagen des Bades unter Denkmalschutz gestellt und eine Überplanung des Geländes damit unmöglich gemacht worden. In der Folge wuchs buchstäblich rasch „Gras über die Sache“: Bis auf den Bereich der Kassen- und Umkleidegebäude verwilderte das ehemalige Freibad zusehends, ohne dass eine Zukunftslösung in Sicht gewesen wäre.

Nach zwölf Jahren im „Dornröschenschlaf“ sollten dann 2014 und 2015 drei öffentliche Planungswerkstätten als Form der Bürgerbeteiligung den Knoten durchschlagen. Ziel war es, Ideen und Wünsche für eine weitere Nutzung zu sammeln. Viele dieser Anregungen konnten aufgegriffen und in der Umgestaltung zu einem landschaftlich angelegten Bürgerpark unter einen Hut gebracht werden.

Ursprüngliche Konturen erhalten

Als innerstädtisches Naherholungsgebiet mit Sport-, Spiel- und Bewegungsangeboten für Jung und Alt konzipiert, stellt der Freibadpark vielfältige Bezüge zur denkmalgeschützten Architektur her. Beide Becken bleiben in ihren ursprünglichen Konturen erhalten und sichtbar, das ehemalige Planschbecken als Sandspielfläche für Kinder, das Schwimmerbecken als Rasenspielfläche. Hier erhält zudem ein so genanntes „Geschichtsfenster“ auf etwa zwei Metern Länge die ursprüngliche Beckenrandgestaltung mitsamt Abflussrinne.

Die Durchschreitebecken sind ebenso in einer modernen Neuinterpretation erhalten geblieben wie die Schwimmbaduhr. In einer aufwändigen Sanierung wurde der Sprungturm beinahe eins zu eins in seinen Originalzustand zurückversetzt. Auch wenn er aus statischen und Sicherheitsgründen nicht über die Grenze der Drei-Meter-Ebene hinaus begehbar ist, dient er als historische Landmarke, Erkennungssymbol und Aussichtsplattform zugleich.

Der neue Freibadpark an der Obernfelder Allee in Lübbecke ist der Öffentlichkeit übergeben worden. Foto: Viola Willmann

Das Konzept wurde Ende 2017 der Bürgerschaft vorgestellt und fand breite Zustimmung. Darüber hinaus überzeugte es auch das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen, das der Umgestaltung 2019 eine Förderung in Höhe von rund 2,4 Millionen Euro aus dem Programm „Zukunft Stadtgrün“ zuerkannte und damit den Weg für die Umsetzung ebnete.

Im Herbst 2019 begannen die Rodungsarbeiten auf dem verwilderten Gelände. 2020/21 wurden der Sprungturm und das Beckens saniert, im März 2021 begannen die Landschaftsbauarbeiten, Ende des Jahres schließlich der Aufbau der Spielgeräte.

10.000 Quadratmeter Rasen eingesät

Insgesamt wurden rund 9.800 Kubikmeter Boden bewegt, das große Becken mit rund 1.600 Kubikmetern Erdreich verfüllt. Rund 4.200 Quadratmeter Wege wurden angelegt und drei Kilometer Einfassungen eingebaut, 300 laufende Meter Hecke und ein Dutzend „Klimabäume“ gepflanzt, 850 Quadratmeter Blühstreifen, Gräserbänder und Bodendecker angelegt sowie 10.000 Quadratmeter Rasen eingesät.

Die vier Spielbereiche umfassen eine Gesamtfläche von rund 1.000 Quadratmetern. Davon sind 280 Quadratmeter mit technischem und die übrigen 720 Quadratmeter mit Sand- bzw. Kies-Fallschutz ausgestattet. Die Outdoor-Sportbereiche umfassen zusammen rund 110 Quadratmeter.

Die Gesamtkosten des Projekts betragen 3,46 Millionen Euro und liegen damit im projektierten Kostenrahmen.

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