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Freilichtbühne Nettelstedt: Klassiker von Erich Kästner feiert Premiere

Emil, pass auf!

Lübbecke (WB). Für Kritiker Marcel Reich-Ranicki war es ein »bahnbrechendes Werk« der deutschen Kinderliteratur, für Hauptdarsteller Ian Tame (10) ist es »etwas altmodisch« geschrieben. An diesem Sonntag feiert »Emil und die Detektive« Premiere auf der Freilichtbühne Nettelstedt. Ab 16 Uhr geht’s im Familienstück auf Verfolgungsjagd.

Kai Wessel

Vorsicht, Taschendieb: Emil Tischbein (Ian Tame, links) wird auf seiner Reise nach Berlin von einem Herrn namens Grundeis (Jens Hildebrandt) bestohlen. Auf der Jagd nach dem Langfinger ist Gustav mit der Hupe (Frederik Wulff, rechts) eine wertvolle Hilfe. Foto: Kai Wessel

Der Stil, in dem Erich Kästner (1899-1974) sein Buch aus dem Jahr 1929 verfasst hat, mag in den Ohren junger Leser tatsächlich altmodisch klingen. Manches Wort ist längst aus dem allgemeinen Sprachgebrauch verschwunden. Doch die Botschaft der Geschichte ist für Melanie Fründ, Spielleiterin am Hünenbrink, von zeitloser Richtigkeit: »Wenn man Freunde hat und zusammenhält, kann man das Böse besiegen.«

Emils Siegeszug konnten die Nazis nicht stoppen

Kästner selbst sprach einst vom »Kameradschaftsgeist«, den sein Buch vermitteln würde. Doch nicht einmal diese Botschaft konnte die Nationalsozialisten davon abhalten, »Emil und die Detektive« im Jahr 1936 auf die Liste der verbotenen Bücher zu setzen.

Emils Siegeszug konnten die Nazis nicht stoppen. Sieben Verfilmungen gibt es, für die erste der UFA im Jahr 1931 schrieb Billy Wilder das Drehbuch, in der bislang letzten aus dem Jahr 2001 ist Schauspieler Jürgen Vogel (»Die Welle«, »Ostwind«) in der Rolle des fiesen Grundeis’ zu sehen.

Die Freilichtbühne Nettelstedt ist für Emil kein neues Terrain. Regisseur Poyraz Türkay (37) inszeniert schon die dritte Bühnenfassung, die auf dem Hünenbrink zu sehen ist. Er orientierte sich nah am Buch, betont aber: »Ich wollte, dass nicht nur die Kinder über das Stück lachen können, sondern auch die Eltern.«

Jüngste Darstellerin ist die kleine Lara (18 Monate)

Für die Rolle des Grundeis’ war ursprünglich Simon Kracht vorgesehen, der vor zehn Jahren den Emil spielte. Damit hätte sich für ihn ein Kreis geschlossen, »aber Simon war leider verhindert«, sagt Melanie Fründ. Die Spielleiterin blickt der Premiere dennoch mit großer Vorfreude entgegen. »Wir wollten vielen Kindern eine Sprechrolle geben. Das war einer der Gründe, weshalb wir uns für ›Emil und die Detektive‹ entschieden haben.«

In der Premiere spielt Fründs Sohn Ole (12) die Hauptrolle, eine Woche später gibt Ian Tame den Emil. Für Ian, der im Vorjahr den stummen Sohn des Bürgermeisters im »Hotzenplotz« gespielt hat, ist es die erste Sprechrolle überhaupt. »Er spielt den Emil, weil er uns beim Winterstück der Jugendgruppe sehr überzeugt hat«, sagt Melanie Fründ.

Jüngste Darstellerin im Ensemble ist die kleine Lara (18 Monate). Sie wird im Kinderwagen über die Bühne geschoben. Über die meiste Erfahrung verfügt Wolfgang Hovemeyer (76). Das Bühnen-Urgestein spielt die Rolle eines Bankvorstehers.

Nach der Premiere am Sonntag wird es bis zum 12. August weitere Aufführungen von »Emil und die Detektive« geben, immer Sonntags um 16 Uhr. Eine Platzreservierung ist möglich unter Telefon 05741/370192. Weitere Informationen gibt es hier.

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