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Westertor ist bestimmendes Thema beim Wurstmarktfrühstück in Lübbecke – mit Video

Endlich geht’s um die Wurst

Lübbecke (WB). Die 250 vorrätigen Brötchen sind nach 20 Minuten verteilt gewesen. Zahlreiche Besucher haben sich zur Eröffnung des 42. Wurstmarktes in der Lübbecker Innenstadt die deftige Zwischenmahlzeit abgeholt. Der erste Schnitt gehörte am Freitagnachmittag traditionell Bürgermeister Frank Haberbosch.

Friederike Niemeyer und Viola Willmann

Einmal zugreifen bitte: Sabine Kolck-Pothe verteilt eines von 250 Brötchen mit frisch geschnittener Mortadella unter den Wurstmarkt-Besuchern. Bereits nach 20 Minuten waren sowohl die Brötchen als auch zwei Riesen-Mortadellas unter die Leute gebracht. Foto: Wessel

Ihm zur Seite standen auf der Bühne am Wappenplatz Fleischermeister Nils Wölfing mit Messer Nummer zwei sowie Friederike Schuster und Sabine Kolck-Pothe von Lübbecke Marketing. Jan-Hendrik Maschke aus dem Dezernat 1 der Stadtverwaltung moderierte die Eröffnung. »Der Bürgermeister macht das inzwischen so gut, ich würde ihn glatt anstellen«, witzelte Nils Wölfing.

Vor den 130 Gästen des traditionellen Wurstmarktfrühstücks von Lübbecke Marketing hielten sowohl Marketing-Vorsitzender Thomas Holle als auch Bürgermeister Frank Haberbosch einen flammenden Appell für die Umsetzung des Westertor-Einkaufszentrums. Im vergangenen Jahr habe der Rat die vier Lübbecker verkaufsoffenen Sonntage mit einer Stimme gegen die juristischen Angriffe der Gewerkschaft Verdi verteidigt, sagte Holle. »Genau so würden wir uns jetzt die Kooperation und Einstimmigkeit des Rates bei diesem noch wichtigeren Projekt wünschen.«

Einmalige Chance

Der Marketing-Vorsitzende sprach beim Westertor von einer einmaligen Chance zur Belebung der Innenstadt. »Es wäre gut, zur sachbezogenen Argumentation zurückzukommen, die der Bedeutung des Projekts angemessen ist«, sagte er mit Blick auf aktuelle Diskussionen. »Einzelinteressen oder politische und persönliche Beweggründe« sollten nicht zu Hemmnissen werden. Es gelte, jetzt mit »Mut und Weitsicht« zu handeln, denn ein Scheitern des Projekts hätte schwere Konsequenzen. Thomas Holle sprach von einem »Ausbluten« der Innenstadt, das den Aktiven von Lübbecke Marketing, die für die attraktiven Stadtfeste arbeiten würden, nur schwer zu vermitteln sei. Es würde sich dann die Frage stellen, ob unter solchen Vorzeichen ein aktives Stadtmarketing noch Sinn haben würde. Jetzt sei ein Dialog der Verantwortlichen angezeigt – mit dem klaren Willen, das Projekt zu ermöglichen.

Bürgermeister Frank Haberbosch rief dazu auf, »politische Hasenfüßigkeit« zu überwinden und tatkräftig und mutig das Projekt Westertor voranzubringen. Haberbosch mahnte, sich bei der Stadtentwicklung nicht von Wunschträumen leiten zu lassen, sondern die Wirklichkeit zu betrachten. Städte seien, das lehre ein Blick in die Geschichte, nicht aus dem Himmel gefallen. »Die treibende Kraft hinter dem Gedeihen von Innenstädten war und ist der Handel«, sagte Haberbosch. »Wo der Handel ein gutes Umfeld findet, wachsen lebendige Städte. Da, wo er sich zurückzieht, veröden sie.« Städte würden sich fortlaufend entwickeln. Und Lübbecke habe bereits bewiesen, so Haberbosch, dass es den Spagat beherrsche, »umsichtig Neues zu schaffen, um Erhaltenswertes bewahren zu können«.

»Westertor polarisiert«

Der SPD-Politiker betonte, dass das Westertor für die Stadt kein schickes Prestigeprojekt sei, »sondern ein wesentlicher Pfeiler der Sicherung und Entwicklung der Innenstadt«. Es sei seine feste Überzeugung, dass es ohne einen Impuls wie diesen zu einem langsamen »Dahinsiechen« der Innenstadt kommen würde, und Lübbecke habe Besseres verdient. Haberbosch äußerte Verständnis für die Kritik von Bürgern, das Ringen um die beste Lösung, sei ein Zeichen für eine demokratische Gesellschaft, speziell bei einem Projekt solcher Größenordnung. »Das Westertor polarisiert«, sagte er. Sein Anliegen sei es, das daraus keine Spaltung erwachse, an der die Stadt Schaden nehmen könne. »An dieser Stelle ist meines Erachtens nach der Rat mit allen seinen Mitgliedern gefragt, seiner Verantwortung als gewählte Vertreter der Bürgerschaft gerecht zu werden«, rief er die Fraktionen zur Zusammenarbeit auf.

Landrat Ralf Niermann hob die Verbundenheit der Stadt Lübbecke mit dem Kreis hervor und erinnerte an Investitionen des Kreises wie für Kfz-Zulassung und Bauhof (7,5 Millionen Euro) oder die Kreissporthalle (1,3 Millionen Euro in diesem Sommer). Niermann dankte den anwesenden Verantwortlichen des TuS N-Lübbecke, für ihre Bereitschaft, mit dem bald heimatlosen GWD die Lübbecker Spielstätte zu teilen. Mit Blick auf die Sicherheitsdiskussion im Kreis sprach Niermann von einer deutlich verbesserten Lage. So stünden beispielsweise den 28 Wohnungseinbrüchen in Lübbecke im Vorjahr nur sieben bis September 2019 gegenüber.

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