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Naturschutzbund Minden-Lübbecke blickt auf das Jahr 2020 zurück

Engagement auch in Corona-Zeiten

Lübbecke/Minden

„Leider hat es in Bezug auf das Artensterben bundesweit kaum Fortschritte gegeben. Und von einer erfolgversprechenden Wende in der EU-Agrarpolitik ist nichts zu spüren“, bemängeln Pressesprecherin Sandra Meier und Vorsitzender Lothar Meckling des Naturschutzbundes (Nabu) Minden-Lübbecke in ihrem Rückblick auf das Jahr 2020.

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- WB - Die Leistung der Landwirtschaft werde durch Preis-Dumping der Supermarktketten nicht ausreichend entlohnt. So werde dem Landwirt eine Förderung des Arten- und Biotopschutzes auf den Flächen unmöglich gemacht.

Die beiden Nabu-Vertreter erläutern: „Wenn ein Lerchenpaar seine Jungen groß bekommen soll, muss das Nest sechs bis acht Wochen vor Bewirtschaftung geschützt sein. Das ist nur auf extensiv bewirtschafteten Flächen oder in Randbereichen denkbar.“ Darum appelliert der Nabu neben seiner Forderung nach einer Agrarwende (national und EU-weit) mit Blick auf die Wirtschaftswegekonzepte an die Kommunen, alle Grünwege und breite Randstreifen in der Feldmark zu erhalten. Dies würde Feldvogelarten, Kleinsäugern aber auch Insekten helfen. Diese oft bunt blühenden Streifen kämen auch bei der Bevölkerung gut an, sagen sie.

Flächenverbrauch

Aufgrund des fortschreitenden Flächenverbrauchs sprach sich der Nabu unter anderem gegen den Neubau eines Logistikzentrums in Porta Westfalica (40.00o Quadratmeter) aus. Am Bau des Regioports Minden bleibe die Frage nach dem Bedarf ungeklärt, für dessen vielbeschworene „Trimodalität“ fehle immer noch ein Eisenbahnanschluss. Als schwerwiegende Planung sieht der Nabu den Bau der ICE-Neubautrasse Hannover/Bielefeld an und sprach sich für einen trassennahen Ausbau aus.

Der Nabu hat im Kreis mehr als 60 Stellungnahmen im Zusammenhang mit öffentlichen Planverfahren abgegeben. Dabei sehen die Nabu-Vertreter das Problem, dass es mit großem Aufwand verbunden ist, „noch etwas für den Naturschutz herauszuholen“: „Ortskenntnis und Wissen über Vorkommen von Tieren und Pflanzen reichen oft nicht aus, vielmehr sind fundierte Kenntnisse über Planungs- und Verwaltungsrecht notwendig.“

Volksinitiative Artenvielfalt

Der Nabu unterstützte 2020 die „Volksinitiative Artenvielfalt“ der Naturschutzverbände in NRW, sammelte Unterschriften in Minden und im Besucherzentrum Moorhus in Lübbecke. Der Kreisverband verzeichnet einen Mitgliederzuwachs auf nun 2400 und ist stärkster Umweltschutzverband im Kreisgebiet.

Doch auch an ihm ging die Corona-Pandemie nicht spurlos vorüber. „Wir hatten nach dem ersten Lockdown begonnen, das Moorhus unter strengen Hygieneauflagen zu öffnen, die Bildungsarbeit anlaufen zu lassen, als die zweite Welle uns erneut zu einer Schließung veranlasste“, erklären Meier und Meckling. Eine 2000-Euro-Spende von Gesamtschülern aus Hüllhorst habe sehr geholfen. Die Umweltpädagogen des Nabu im Moorhus befassten sich besonders mit Planung und Entwicklung, etwa mit dem Bildungsmoduls „Kleine Moorkunde“ und an einem neuen digitalen Nachhaltigkeitsrallye, die im September erstmals an einem Familientag im Moorhus zum Einsatz kam. Außerdem beteiligte sich der Nabu an der Gründung des Arbeitskreis MINT Minden-Lübbecke. Für das Große Torfmoor wurde in Kooperation mit anderen Akteuren die „Lauschtour“ eingerichtet. Dazu kann eine App, unter www.lauschtour.de heruntergeladen werden.

Winterhalbjahr

Die Arbeit der Nabu- „Handwerker“, die sich am Moorschutz-Hof in Nettelstedt treffen, war unter Corona-Auflagen erschwert. Dennoch wurden viele Projekte umgesetzt und Pflegearbeiten durchgeführt. „Diverse Arbeiten im Großen Torfmoor beschäftigten die mobile Einsatztruppe,“ berichtet Organisator Eckhard Schlömer, „unter anderem Wegeinstandhaltung und Erneuerung von Hinweispfählen“.

Ein Schwerpunkt im Winterhalbjahr ist immer das Scheiteln von Kopfweiden und Schneiden von Hecken, so Schlömer, um das Auseinanderbrechen der Bäume zu verhindern und sie als Lebensraum für Insekten und Vögel, etwa dem Steinkauz, zu erhalten. Zudem werden Hecken auf den Stock gesetzt und so verjüngt. Außerdem werden Nistkastenbausätze für Fledermäuse, Kleinvögel vorbereitet.

Lebensraum Kirchturm

Die evangelische Kirche in Bad Holzhausen wurde mit der Auszeichnung „Lebensraum Kirchturm“ bedacht. Im Kirchturm wurde ein Schleiereulenkasten angebracht. Weitere Baumaßnahmen ermöglichen Turmfalken und Schleiereulen, Dohlen und Fledermäusen dort ihre Jungen aufzuziehen, ohne den Turmbereich mit der Glockenstube zu beeinträchtigen.

Die Trockenheit setzte den Obstwiesen des Nabu im letzten Sommer zu. Geschädigte Bäume mussten ersetzt oder die Bestände ergänzt werden. Mit Hilfe von Spenden konnten 25 alte Obstbaumsorten gekauft und von Freiwilligen gepflanzt werden. Besonders erfolgreich war eine Familienaktion auf einer Obstwiese in der Rauhen Horst.

Ehrenamtliche Arbeit

Die Arbeitsgruppe „Artenschutz“ hat wieder verschiedensten Tierarten wie Schleiereule, Steinkauz, Waldkauz, Uhu, Wanderfalke, Weißstorch, Turmfalke, Hohltaube und vielen Kleinvögeln wie zum Beispiel Schwalben, Feldsperlingen und Stare geholfen. Die Beringung von Weißstorch, Uhu und weit über 100 jungen Steinkäuzen im vergangenen Jahr kosteten viele Stunden Arbeit.

Der Nabu betont, dass Ehrenamtliche den größten Teil der Aufgaben im Natur- und Umweltschutz erledigen. Stolz ist der Nabu auf über 2000 Stunden ehrenamtliche Arbeit seiner Aktiven. Zudem entsendet der Nabu ehrenamtliche Vertreter in zahlreiche Gremien wie den Naturschutzbeirat, den Begleitarbeitskreisen zu den Landschaftsplänen, den Fachbeirat bei der Biologischen Station und zu weiteren Fachgesprächen. Für all das bedanken sich Sandra Meier, Lothar Meckling, Ralf Quellhorst (2. Vorsitzender) und Erich Sommer (Kassenwart) bei allen Mitgliedern, Ehrenamtlichen und Unterstützern für Spenden und geleistete Arbeit.

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