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Kandidaten der Landratswahl 2020 für den Kreis Minden-Lübbecke: Ingo Ellerkamp (SPD) aus Petershagen

Er will Motor und Mittler sein

Lübbecke (WB). Sachverstand wird Ingo Ellerkamp in Lübbecke wohl niemand absprechen. Der 46-Jährige hat in seinen gut acht Jahren als Baudezernent teils schwierige Planungsprozesse zu Innenstadt und Freibad, Weingartenstraße und Westertor-Einkaufszentrum bewältigt. Und sei der Paragraf auch noch so verzwickt, der Sachverhalt noch so vertrackt, der studierte Raumplaner hat alle Details parat. Jetzt will der Sozialdemokrat aus Petershagen Landrat werden. Doch kann der Verwaltungsmann auch Politik? Kann er Menschen gewinnen? Wofür steht Ingo Ellerkamp?

Friederike Niemeyer

Der 46-jährige Petershäger ist in Lübbecke als Baudezernent bestens bekannt. Nun möchte er Landrat werden und bewirbt sich für die SPD um die Nachfolge von Ralf Niermann. Ein gutes Miteinander von Kreis und Kommunen ist ihm besonders wichtig. Foto: Niemeyer

In seinem Heimatort Ilwese dürfte es niemanden überraschen, dass sich Ingo Ellerkamp um ein politisches Amt bewirbt. Mit Ehefrau Astrid und den drei Töchtern lebt er hier etwas abseits in einem über hundert Jahre alten Bauernhaus und engagiert sich, beispielsweise im Gartenbauverein. Bei den ersten beiden Kindern habe er im Beruf Teilzeit gearbeitet und sich die Familienarbeit mit seiner Frau geteilt, sagt Ellerkamp und räumt ein: „Ab dem dritten Kind hat das aber nicht mehr funktioniert.“ Jetzt arbeitet er wieder voll und ist auch Ortsbürgermeister des 450-Einwohner-Dorfes und außerdem SPD-Fraktionsvorsitzender im Petershäger Stadtrat.

„Ich bin mit Leib und Seele Mühlenkreisler“, sagt Ellerkamp und lobt die Lebensqualität der Region und dass es hier noch zähle, wenn man sein Wort gibt. Als Landrat wolle er „Motor und Mittler“ sein, Vertrauen und Verlässlichkeit ausstrahlen. „Ich weiß, dass sich nicht immer alle einig werden können“, sagt Ingo Ellerkamp. „Es ist wichtig, selbst eine Haltung zu haben, aber dann auch anderen zuzuhören und ihnen zuzugestehen, sie könnten auch Recht haben.“

Den Kreis als Einheit begreifen

Gerade weil er aus Petershagen kommt und in Lübbecke arbeitet, sei es ihm wichtig, den Kreis als Einheit zu begreifen. Kein Wunder also, dass er dieses Thema in seinem Slogan „Herkunft. Zukunft. Miteinander“ anklingen lässt.

Auch ein brennendes Herz für die Sozialdemokratie ist erkennbar, wenn Ellerkamp an die erste Stelle seiner Wahlkampf-Themen die soziale Gerechtigkeit setzt. „Daran, wie wir mit Benachteiligten umgehen, müssen wir uns als Gesellschaft messen lassen“, heißt es auf seiner Internetseite. Vielen sei gar nicht bewusst, dass zu den großen Aufgaben des Kreises auch das Soziale gehöre, erläutert Ingo Ellerkamp im Gespräch mit dieser Zeitung.

Dazu gehören Hilfsleistungen, aber auch Arbeitsförderung, Beratungsangebote, Jugendhilfe. Bildungsgerechtigkeit oder Integration und Inklusion seien Themen, die auch auf Kreisebene eine wichtige Rolle spielen, sagt Ellerkamp. Konkret möchte der frühere Hand- und Fußballer einen Ansprechpartner für Vereine im Kreis installieren, der etwa in Sachen Vereinsrecht und Fördermaßnahmen den Ehrenamtlichen der Vereine zur Seite steht. „Vereine sind der soziale Kitt im Kreis“, ist Ellerkamp überzeugt.

Als Region vorankommen

Wenn Ingo Ellerkamp an das Amt des Landrats denkt, dann ist ihm eines besonders wichtig: „Wir müssen zu einem neuen Miteinander von Kreis und Kommunen kommen. Wir brauchen eine gemeinsame Idee, wie wir als Region vorankommen wollen.“ Das ziehe sich durch alle Themen, meint Ellerkamp. Beispiel Digitalisierung. Jetzt werde im Kreis flächendeckend Glasfaser verlegt. „Aber das muss ja weitergehen, mit den Hausanschlüssen und mit einem Mobilfunk ohne Empfangslöcher.“ Auch hier müssten sich Kreis und Kommunen auf eine Strategie einigen. Die technische Infrastruktur sei Voraussetzung, um auch digitale Dienstleistungen der Verwaltung weiterentwickeln zu können. Auch für das Thema Kreisumlage sei es wichtig, frühzeitig und kontinuierlich miteinander über die Aufgaben und den Haushalt des Kreises zu reden.

Koordinierend unterstützen könnte der Kreis beim Thema Gewerbeflächen, meint Ellerkamp. Beim Standortmarketing wünscht er sich mehr gemeinsame Schritte über die bisherigen Ansätze hinaus und sagt mit Blick auf die Nachwuchsgewinnung für die Betriebe: „Wir müssen den Menschen eine Art Rückkehr-Gen einpflanzen“, damit die Jungen nach der Ausbildung wieder gern in ihren Heimatkreis zurückkehren.

Die Zukunft der Mobilität sieht Ellerkamp in einem intelligenten Mix aus ÖPNV, Auto, Rad und Fußverkehr. Der Kreis könne dabei gerade in Sachen Radwege ein Impulsgeber sein. Und ja, er propagiere auch eine neue Bahnlinie als Ost-West-Verbindung der beiden vorhandenen Strecken Minden-Hannover und Bielefeld-Rahden. „Es lohnt sich zu schauen, ob und wie das möglich sein könnte“, sagt er. Auf lange Sicht gehe es aus seiner Sicht um ganz neue Mobilitätsformen, etwa in Zusammenhang mit autonomem Fahren oder neuen Technologien wie der Brennstoffzelle. Ingo Ellerkamp unterstützt deshalb ausdrücklich, dass der Kreis sich darum bemüht, ländliche Modellregion für Wasserstoff zu werden.

Kommunales Gesundheitszentrum

Kreis und Kommunen sollten auch gemeinsam bei der Ärzteversorgung agieren, meint Ellerkamp. Nur so könne es gelingen, mehr Haus- und Fachärzte dazu zu bewegen, sich im Kreisgebiet niederzulassen. Auch so etwas wie ein kommunales Gesundheitszentrum schwebt ihm vor, in Kooperation mit den Mühlenkreiskliniken. „Aber das sind ganz dicke Bretter“, sagt Ellerkamp selbst angesichts der Vielzahl an Gesprächspartnern bei diesem Thema. „Aber einfach abzuwarten, bis die Situation noch schlimmer wird, das ist nicht meine Sache.“

Beim Thema Mühlenkreiskliniken bekennt sich Ingo Ellerkamp klar zu den Standorten. „Wir brauchen einen Kompromiss aus Versorgung in der Fläche und Spezialisierung“, sagt er. Für mehr Transparenz hält er es für lohnenswert, sich die Organisationsform als Anstalt öffentlichen Rechts anzusehen – nicht um eine Privatisierung zu ermöglichen, sondern um Grundlegendes auch öffentlich diskutieren zu können und nicht wie bislang im nicht-öffentlichen Verwaltungsrat.

Eine Multifunktionshalle hält Ingo Ellerkamp für richtig. Er erinnert aber Teile der Kreispolitik auch daran, dass die Sponsoren aus der Wirtschaft dieses Projekt nur dann mitfinanzieren, wenn es keine Konkurrenz durch eine sanierte Kampa-Halle gibt. „Ich setze darauf, dass das jetzt vom Kreistag beauftragte Gutachten herausarbeitet, welche Form von Übergangsbetrieb bei der Kampa-Halle möglich ist oder eben nicht.“

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