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Verlosungsaktion in Lübbecke: Marcel Panhorst schenkt seiner Mutter die gewonnene Deerberg-Kachel

Erinnerung an glückliche Lehrjahre

Lübbecke (WB)

Selma Panhorst aus Lübbecke ist frischgebackene Besitzerin einer 50 mal 50 Zentimeter großen Keramikkachel, die bis vor kurzem noch Teil der Fassade des Deerberg-Hauses an der Langen Straße war. Dass ausgerechnet sie nun dieses architektonische Erinnerungsstück ihr Eigen nennen darf, hat sie einer E-Mail ihres Sohnes an die Redaktion dieser Zeitung zu verdanken.

Ria Stübing

Mit seiner Teilnahme am Gewinnspiel dieser Zeitung hat sich Marcel Panhorst (links) ein Stück Lübbecker Geschichte gesichert: Die Kachel aus der Fassade des Deerberg-Gebäudes soll seine Mutter Selma Panhorst an ihre Lehrzeit im Kaufhaus erinnern. Foto: Ria Stübing

Anfang Januar ist im Zuge der Abbrucharbeiten am Deerberg-Haus auch die Fassade mit der markanten Verkleidung gefallen. Schüler Egon Eiermanns, aus dessen Feder unter anderem der Entwurf der Gedächtniskirche in Berlin stammt, hatten die Fassaden-Kacheln in Anlehnung an die Horten-Entwürfe ihres Lehrmeisters eigens für Lübbecke designt. Die Fassade des 1967 eingeweihten Kaufhauses in Lübbecke spiegelte den architektonischen Zeitgeist wider, weswegen sich auch das Stadtarchiv einige Exemplare der schweren Keramikelemente gesichert hat, um sie zu einem späteren Zeitpunkt auszustellen.

Auch die LÜBBECKER KREISZEITUNG konnte eine Kachel retten und hat das noch recht gut erhaltene Exemplar unter den Leserinnen und Lesern verlost. Einzige Aufgabe: kurz schildern, was gerade sie oder ihn als neuen Besitzer des sperrigen Erinnerungsstücks qualifiziert. „Ich habe von der Verlosung auf Facebook gelesen und sofort an meine Mutter gedacht“, berichtete Marcel Panhorst. Und so überlegte der 28-jährige Lübbecker nicht lange und schrieb eine E-Mail, in der er erklärte, dass er seine Mutter, die ihre Lehrzeit im Kaufhaus Deerberg in guter Erinnerung habe, gern mit dem Gewinn überraschen würde. Zwölf Interessenten hatten eine persönliche „Bewerbung“ eingereicht, aber Marcel Panhorst hatte Erfolg. Und die Überraschung für seine Mutter erwies sich als gelungen, als die Gewinnübergabe – natürlich Corona-konform an der frischen Luft – stattfand. Die Beschenkte wunderte sich: „Ich wusste gar nichts von der Verlosung.“

Gern denke sie an ihre Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau in den frühen 1980er Jahren bei Deerberg zurück, sagte Selma Panhorst. Zum einen habe dort immer ein sehr familiäres Arbeitsklima geherrscht, zum anderen habe sie mit dem Beginn ihrer Lehre 1982 auch eine Freundin aus der Konfirmandenzeit wiedergefunden. Die Mädchen hatten sich nach der Konfirmation aus den Augen verloren, gingen auf unterschiedliche Schulen und fanden sich zu Beginn der Ausbildung auf einmal im gleichen Bus auf dem Weg von Preußisch Oldendorf nach Lübbecke wieder.

Doch war das noch nicht Zufall genug: Anette, so der Name des Mädchens, machte ebenfalls bei Deerberg eine Lehre zur Einzelhandelskauffrau. „Sie war oben in der Spielwarenabteilung, ich unten bei der Damenmode“, erinnerte sich Selma Panhorst und berichtete, dass diese Freundschaft bis heute hält.

Nach dem erfolgreichen Abschluss der Lehre und einigen weiteren beruflichen Stationen kann Selma Panhorst in diesem Jahr auf eine 25-jährige Tätigkeit im Edeka-Markt an der Bäckerstraße zurückblicken.

Ob die „Eiermann-Kachel“ nun auf den Balkon, ins Treppenhaus oder in den Hof kommt, steht noch nicht fest, wohl aber, welchem Zweck das stylische Objekt zukünftig dienen soll: „Ich denke, dass ich einen Blumenkübel darauf stelle und ihn schön bepflanze“, hat die Gewinnerin schon entschieden.

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