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Wasser in Lübbecke (2): Brauerei ist mit Brunnen im Wiehengebirge unabhängig

Ernst Barre erkannte flüssigen Schatz

Lübbecke (WB). Wer sich beim Bierbrunnenfest einen Schluck frisch gezapftes Festbier auf der Zunge zergehen lässt, der schmeckt unter dem Schaum wohl zuerst die typischen Aromen von Hopfen und Malz. Vielleicht auch noch eine Spur Hefe. Aber ist auch das Wasser für den Geschmack wichtig? »Unbedingt«, sagt Braumeister Dirk Stapper.

Friederike Niemeyer

Reines Wasser aus dem Wiehengebirge bildet die Grundlage für ein wohlschmeckendes und hochwertiges helles Bier, so wie es die Barre-Brauerei seit 177 Jahren braut. Maike Materla und Dirk Stapper sind stolz auf das eigene Wasser des Unternehmens. Foto: Niemeyer

Stapper ist technischer Leiter der Barre-Brauerei. Die Qualität sämtlicher Rohstoffe ist für ein gutes Pils, gebraut nach dem Reinheitsgebot, entscheidend, sagt er. Und da hat Wasser mit 90 Prozent den höchsten Anteil. Um so besser für die Lübbecker Privatbrauerei, dass sie über eigene Brunnen verfügt, die frisches Wasser aus dem Wiehengebirge direkt ins Brauhaus sprudeln lassen. Daher die Bezeichnung »Gebirgsquellwasser« auf dem Etikett.

»Unser Wasser ist besonders gut für die Herstellung heller Biere geeignet«, sagt Dirk Stapper. Es ist reich an Kalzium und Magnesium, aber dabei weich, sehr nitratarm und frei von Schadstoffen. Das erschließt sich einem Laien zwar nicht beim Probieren – der Geschmack ist unspektakulär. Das belegen aber die regelmäßigen Untersuchungen in einem hygienisch-bakteriologischen Institut und im hauseigenen Labor. Stapper: »Unser Brauwasser hat deutlich bessere Werte, als sie für Trinkwasser gefordert sind.«

Quellwasser wird unterirdisch in Brauerei geführt

Für die guten Eigenschaften des Barre-Wassers sind vor allem der Wald und die verschiedenen Erd- und Gesteinsschichten des Wiehengebirges verantwortlich, durch die sich der Niederschlag durcharbeitet. Es gibt eine Quelle am Fuße des Berges, deren Wasser unterirdisch in die Brauerei geführt wird, und zwei Brunnen, einer 45 Meter und der andere 98 Meter tief. Die genauen Standorte hütet die Brauerei. Einflüsse aus der Landwirtschaft oder Industrie gibt es hier gar nicht, und eine 300-Meter-Schutzzone sorgt dafür, dass dies auch so bleibt. Nur ein Kiesfilter ist notwendig, um Schwebstoffe aus dem Brunnen- und Quellwasser zu filtern.

Brauereigründer Ernst Barre erkannte sofort die Güte dieses Wassers und baute vor mehr als 175 Jahren die Brauerei an diese Stelle mitten im Wald, berichtet Marketingleiterin Maike Materla. »Damals gab es noch viele andere Brauereien in der Umgebung, aber nur Barre blieb übrig, weil eben das Wasser so gut war.«

Auch heute sei es keine Selbstverständlichkeit, dass eine Brauerei unabhängig vom kommunalen Netz ist und ihr eigenes Wasser nutzen kann, sagt Braumeister Dirk Stapper. Das schafft Unabhängigkeit und spart Geld – auch wenn die Brauerei Abwassergebühr entrichten muss. Für sämtliche Produktionsschritte kann das eigene Wasser genutzt werden. Die neue Flaschenreinigungsanlage hilft weiter zu sparen, weil sie nur die Hälfte an Wasser benötigt, etwa 180 bis 200 Milliliter pro Flasche. Nimmt man den gesamten Produktionsprozess zusammen, benötigt die Brauerei etwa fünf Liter Wasser für einen Liter Bier.

Zwischen 100 und 600 Kubikmeter pro Tag

Und auch wenn sich das Quellgebiet auf Grund und Boden der Brauerei befindet: Alle 30 Jahre müssen die Wasserrechte neu bei der Bezirksregierung beantragt werden. »Ein ungeheuer bürokratischer Akt«, sagt Dirk Stapper. Aber so soll behördlicherseits gewährleistet werden, dass sorgsam mit diesem Schatz umgegangen wird und nicht zu viel Wasser aus dem Berg geholt wird.

Mit einer Menge zwischen 100 und 600 Kubikmeter pro Tag kommt die Brauerei aus. Manches Mal erscheine das fast als zu wenig, erzählt Maike Materla, weil einer der Brunnen regelrecht Wasser nachdrücke. Deshalb kann sie auch alle heimischen Bierfreunde beruhigen, die sich vielleicht angesichts der aktuellen Trockenheit Sorgen um ihr Lieblingsgetränk machen: »Unser Wasser verebbt nicht, und damit auch nicht unser Bier.«

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