1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Luebbecke
  6. >
  7. Fahrrad voraus

  8. >

Neue Initiative für Radfahrer will Lobbyarbeit in Lübbecke leisten

Fahrrad voraus

Lübbecke (WB). Wie soll es künftig mit dem Verkehr in der Stadt laufen? Geht es nach der gerade erst gegründeten »Initiative pro Fahrrad« (IpF), wird aus Lübbecke die »Fahrradstadt am Wiehengebirge«. Zeiten, in denen Radfahrer keine Lobby im Rathaus hatten, sollen schon bald der Vergangenheit angehören.

Kai Wessel

Wollen Lobbyarbeit für Radfahrer in Lübbecke leisten: Die Initiative pro Fahrrad mit den Gründungsmitgliedern (von links) Jonathan Sanke, Dr. Petra Spona, Gerda Klusmeier, Stefan Kampe und Tanja Behring. Mitstreiter sind willkommen. Foto: Kai Wessel

Fünf Mitglieder zählt die Initiative seit Donnerstag, ihrem Gründungstag. Dr. Petra Spona (Die Grünen) berichtete am Freitag, wieso und mit welchen Zielen die Initiative ins Leben gerufen wurde. Es sei an der Zeit für eine Verkehrswende, auch und gerade in Lübbecke. »Es ist sehr angenehm, mit dem Auto in die Stadt zu fahren. Aber es macht keinen Spaß mit dem Fahrrad, weil es viele Behinderungen gibt.« Dazu gehörten buckelige und verwahrloste Fahrradwege oder erzwungene Schlingerfahrten durch Radwege auf Bordsteinen. Das Beispiel des neu gebauten Kreisel zeige, dass die Stadtplaner die Bedürfnisse von Radfahrern vernachlässigen würden. Dass es unmittelbar vor dem Kreisel an der Bahnhofstraße Parkbuchten gebe und plötzlich geöffnete Türen die Radfahrer gefährdeten, sei bezeichnend für die planerischen Defizite: »Da muss Nachhilfe her.«

Die Initiative will die Bedingungen für Radfahrer verbessern: »Sonst streitet man sich immer um den Raum, der zur Verfügung steht«, sagt Petra Spona. Das Miteinander im Verkehr soll neu gestaltet werden, um den ewigen Konflikt zwischen Autofahrern und Radfahrern beizulegen. Viel Arbeit sei auch nötig, um den in Lübbecke reflexartig geäußerten Satz »Ohne Auto geht es nicht« zu widerlegen. Das Denken der Menschen zu verändern, sei ausgesprochen schwierig, sagte Spona.

»Alle fahren Rad«

Sie betonte, dass die Initiative nicht radikal denke, sondern sich für einen parteiübergreifenden Konsens einsetze. »Es ist ein Thema, das nicht parteipolitisch besetzt ist. Alle fahren Rad.« Neben Petra Spona sind bislang Schüler Jonathan Sanke sowie Gerda Klusmeier (SPD), Tanja Behring (Die Linke) und Stefan Kampe (Die Partei) dabei. Derzeit liefen noch Gespräche mit der CDU, von denen sich Petra Spona viel erhofft: »Wir wollen ein Netzwerk aufbauen und unser Anliegen in die Gesellschaft tragen.«

Gerda Klusmeier wies darauf hin, dass Radfahrer in Lübbecke endlich eine Stimme bräuchten. Sie hätte bereits ihr Auto verkauft und festgestellt: »Alles unter zehn Kilometern kann man prima mit dem Rad erledigen.« Städte, die besonders stark auf Radfahrer und den öffentlichen Nahverkehr ausgerichtet seien, würden als besonders attraktiv empfunden. Es gäbe auch Städte, die Vorbildfunktion hätten, etwa in den Niederlanden oder Freiburg. Und in Berlin müssten Radfahrer per Gesetz schon bei der Verkehrsplanung einbezogen werden.

Die Initiative hat bereits eine erste Veranstaltung geplant. Sie lädt für Samstag, 23. November, zu einem Workshop über den Verkehr der Zukunft ins Alte Amtsgericht ein. Beginn ist um 13.30 Uhr. Interessierte Radfahrer sind willkommen. Informationen zur Initiative finden sich auf Facebook.

Kommentar von Kai Wessel

Die Initiative pro Fahrrad wird bei ihrer Lobbyarbeit einen langen Atem benötigen. Im Mühlenkreis gilt das Auto vielen noch als unverzichtbar. Zudem ist Lübbecke eine Stadt, in die täglich einige tausend Pendler zur Arbeit fahren. Solange Bus- und Bahnverbindungen nerven- und zeitraubend sind, wird es schwierig mit der großen Verkehrswende.

Dennoch: Der Zustand vieler Radwege ist in der Tat zu beklagen. Radwege sollten besser werden. Oder einfach mal gebaut werden. Dass bis heute keiner zum Gehlenbecker Freibad existiert, ist nur schwer um nicht zu sagen überhaupt nicht zu verstehen.

Dass die Interessen von Radfahrern künftig eine Stimme mehr haben, ist daher zu begrüßen. Und ein Bürgermeister, der selbst gerne mit dem Rad fährt, sollte ein offenes Ohr für die Belange der Radfahrer haben.

Startseite