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Stadtschul-Bilanz des Ratsherrn Dieter Fette erntet Widerspruch

FDP bezweifelt Erfolg

Lübbecke (WB). Die Stadtschule hat die Stadt Lübbecke viel Geld gekostet. Ob die Investition in dieser Höhe gerechtfertigt war, hat FDP-Ratsherr Dieter Fette in der jüngsten Ratssitzung bezweifelt – und damit Widerspruch geerntet.

Friederike Niemeyer

110 Kinder haben die Lübbecker Stadtschule bislang durchlaufen. Alle haben einen Abschluss in der Tasche. Die FDP sieht diese Bilanz angesichts des großen Anteils von Hauptschulabschlüssen darunter aber nicht als Erfolg an. Foto: Jan Eric Wiemann/Archiv

Seit sechs Jahren werden an der Sekundarschule, die in Lübbecke den Namen Stadtschule trägt, Kinder unterrichtet, die früher Haupt- und Realschule besucht hätten. 2018 hat der erste Jahrgang die Schule verlassen. Für Dieter Fette ein Anlass zu thematisieren, wie das Projekt bis jetzt gelaufen ist, das damals von vielen Erwartungen begleitet wurde. 13,5 Millionen Euro kostete der reine Schulneubau, dazu noch Umbau- und Abschreibungskosten in Höhe mehrerer Millionen, so die Rechnung der Liberalen.

Ziel nicht erreicht

In seiner Haushaltsrede stellte der FDP-Fraktionschef zwar explizit Lehrern und Schulleitung kein schlechtes Zeugnis aus. Aber er schilderte, dass aus seiner Sicht das Ziel nicht erreicht worden sei, für mehr Schüler ein höheres Bildungsniveau zu erreichen als in den Zeiten davor. Fette: »56 Schüler haben einen Realschulabschluss erreicht, 78 Schüler waren es früher auf der Realschule.« Demgegenüber sei die Zahl der Hauptschulabschlüsse angestiegen.

Zu Hauptschulzeiten seien es 34 gewesen, jetzt 51. An die gymnasiale Oberstufe seien nur sieben Schüler gewechselt. Bei der guten Schüler-Lehrer-Relation dieser Schulform sei dies doch ein »ernüchterndes Ergebnis«, sagte Fette. Der Fehler, so der Ratsherr auf Nachfrage, liege vor allem in der Schulform an sich. Das FDP-Konzept einer berufsorientierten Schule sei damals in NRW leider nicht zum Zuge gekommen.

Keinen Schüler ohne Abschluss entlassen

Schulleiterin Anke Schrader kann diese Bewertung überhaupt nicht teilen. »Unser Kollegium ist überzeugt, alle Schüler gut ins Leben zu entlassen«, sagt sie. Die Stadtschule wolle allen Schülern die gleichen Lernvoraussetzungen bieten, mit den früheren Schulformen sei dies nicht mehr eins zu eins zu vergleichen.

Ihr Team sei stolz darauf, auch vom ersten Jahrgang keinen Schüler ohne Abschluss entlassen zu haben, sagt Anke Schrader. Von den 110 Schülern hätten 56 eine Fachoberschulreife (entspricht Realschulabschluss), 27 davon sogar mit einem Q-Vermerk für die gymnasiale Oberstufe. Dass am Ende nur sieben Schüler diese Option wahrgenommen hätten, liege nicht in der Hand der Schule, so Schrader. 51 Schüler haben einen Hauptschul-, drei einen Förderschulabschluss erreicht.

CDU bewertet Entwicklung als »positiv«

Mit 650 Schülern zähle die Lübbecker Stadtschule zu den großen Sekundarschulen im Land. Gerade die guten äußeren Bedingungen durch den Schulneubau hätten zur raschen Akzeptanz beigetragen und seien ein Erfolgsgarant, so Schrader. »Der Realschulbau hätte zu diesem Schulkonzept nicht gepasst«, macht sie deutlich.

Unterstützung kommt aus der Lübbecker Politik. Die Entwicklung der Stadtschule sei »absolut positiv«, sagt CDU-Fraktionschef Klaus-Jürgen Bernotat. »Es ist ein Vorteil, wenn man sieht, wie viele Schüler einen Abschluss schaffen. Da ist es zweitrangig, welcher Abschluss das ist«, sagt er. »In Bildung investiertes Geld ist gut angelegtes Geld.«

Karl-Friedrich Rahe (SPD) hält den Schulneubau nach wie vor für richtig – auch als Zeichen, dass der Rat hinter der neuen Schule steht. Das engagierte Kollegium, die Anstrengungen in der Inklusion, auch das spreche für die Stadtschule. Rahe: »Besonders gut gefällt mir die gute Zusammenarbeit mit Gymnasium und Berufskolleg. Das ist genau der richtige Weg, der für alle Schüler den Übergang ins Berufsleben ebnet.«

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