1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Luebbecke
  6. >
  7. Fraktionen kritisieren Alleingang des Kreises

  8. >

Neue Kinder- und Jugendpsychiatrie: Standort Lübbecke offenbar ausgebootet

Fraktionen kritisieren Alleingang des Kreises

Lübbecke (WB). Mit dem »Medizinischen Zentrum für Seelische Gesundheit« gibt es in Lübbecke eine renommierte Erwachsenen-Psychiatrie mit Uni-Klinik-Status. Was läge also näher, als eine neue Kinder- und Jugendpsychiatrie in der Nähe anzusiedeln? Das ist zumindest die einhellige Ansicht der heimischen Ratsfraktionen. Dass der Kreis offenbar eine andere Strategie verfolgt und ohne Kenntnis der Lübbecker Entscheidungsträger einen Klinikstandort in Minden propagiert, so die Darstellung, hat gestern im Haupt- und Finanzausschuss für großen Unmut gesorgt.

Friederike Niemeyer

Die Kinder- und Jugendpsychiatrie Bad Salzuflen soll eine Dependance im Kreis Minden-Lübbecker erhalten. Foto:

Frage nach dem Sachstand

Arnold Oevermann (SPD) erkundigte sich nach dem Stand in Sachen neuer Kinder- und Jugendpsychiatrie. Denn vor einem Jahr hatte sich der Kreistag gegen einen erwogenen Standort Lübbecke und für eine Anbindung der erforderlichen neuen Betten an das Klinikum Lippe in Bad Salzuflen mit seiner bestehenden Jugendpsychiatrie ausgesprochen.

Tenor: Dortiges Spezialwissen sei wichtiger als Wünsche nach dezentraleren Lösungen. Die geplanten neuen 36 stationären und 14 ambulanten Plätze sollten in Lippe angebaut werden, und möglicherweise spreche sich die neue Landesregierung ja auch wieder für eine zentrale Versorgung dieser sensiblen Patienten aus, hieß es damals. Doch inzwischen ist bekannt, dass auch die schwarz-gelbe Landesregierung eine Kinderpsychiatrie im Kreis Minden-Lübbecke unterstützen könnte.

»Ich bin enttäuscht«

Bürgermeister Frank Haberbosch antwortete: »Ich habe erfahren, dass der Kreis schon kräftig rührt, dass die Klinik-Dependance nach Minden kommt.« Dies habe ihn selbst überrascht, da bisher im Falle einer dezentralen Lösung immer Lübbecke erste Wahl gewesen sei und der Lipper Geschäftsführer sich vor Ort davon überzeugt habe, dass gegenüber dem Krankenhaus ein geeignetes Grundstück zur Verfügung stehe. »Ich bin enttäuscht, dass man nicht offen darüber reden konnte«, sagte Haberbosch. Zumal er kein schlagendes Argument für Minden kenne.

Klaus-Jürgen Bernotat (CDU) vermisste ebenfalls eine offene Diskussion über die Standorte. Er sprach von Aktivitäten des Kreis-Sozialdezernenten »hinter dem Rücken« der Lübbecker. »Offenbar wurde mit Bürgermeistern telefoniert, um ihnen einen Maulkorb zu verpassen, nach dem Motto: Wenn wir nicht alle für Minden sind und uns streiten, kommt gar nichts in den Kreis«, sagte Bernotat.

Gemeinsames Vorgehen

Er schlug vor, über die Landtagsabgeordnete Bianca Winkelmann direkt beim NRW-Gesundheitsminister vorstellig zu werden, da das Land die Entscheidung treffe. Alle Fraktionen waren sich darin einig, in Düsseldorf für Lübbecke zu werben. Zumal es nicht nur um den Zugewinn einer neuen Klinik, sondern auch um die Sicherung des Lübbecker Krankenhaus-Standortes gehe.

Klaus-Jürgen Bernotat: »Wenn der erste Schritt getan ist und die Kinder- und Jugendpsychiatrie nach Minden kommt, dann zieht womöglich irgendwann die Erwachsenen-Psychiatrie nach. Das ist unsere Befürchtung.«

Startseite