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Nach ADFC-Umfrage zur Radfreundlichkeit: Initiative pro Fahrrad fordert für Lübbecke systematisches Umdenken

„Gerade einmal unteres Mittelfeld“

Lübbecke

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub ADFC hat in einem deutschlandweiten Fahrradklimatest auch kleinere Städte wie Lübbecke auf ihre Fahrradfreundlichkeit hin untersucht.

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Gerda Klusmeier, Petra Spona Susanne Lenz und Stefan Kampe von der Initiative pro Fahrrad wollen Lübbecke fahrradfreundlicher machen. Foto: WB-Archiv

Dazu wurden Umfragen ausgewertet und die Ergebnisse jetzt veröffentlicht. Das Ergebnis für Lübbecke hat die heimische Initiative pro Fahrrad zu einer Stellungnahme veranlasst.

Für die Stadt Lübbecke seien 104 Wertungsbögen eingegangen, schildert die Fahrradinitiative. In der der Größenklasse 20.000 bis 50.000 Einwohner liege die Stadt auf Platz 287 von 415 ausgewerteten Kommunen. „Das ist gerade einmal unteres Mittelfeld“, kommentiert Dr. Petra Spona, die Sprecherin der Initiative. „Lübbeckes Gesamtnote nach dem Schulnotensystem liegt bei 4,1 und damit noch um 0,1 schlechter als die letzte Auswertung aus dem Jahr 2014.“

Die Initiative pro Fahrrad überrascht das Ergebnis nicht. So habe zwar das Thema Radverkehr in der Presse im vorigen Jahr mehr Aufmerksamkeit erhalten als sonst, meint Petra Spona, „aber um eine merkliche Verbesserung der Radverkehrssituation in Lübbecke zu erzeugen, müsste ein Ruck durch Politik und Verwaltung gehen“. Zwar seien mehr Radfahrende auf den Straßen zu sehen, auch im Winter, aber bezüglich Planung und Gestaltung des Verkehrs sei der aktuelle Fahrradhype in Lübbecke nicht angekommen. Das bestätige die Schulnote des Fahrradklimatests in der Kategorie „Fahrradförderung in jüngster Zeit“. Hier erhielt Lübbecke eine 4,4.

Ebenfalls besonders bemängelt und mit 4,5 oder geringer bewertet wurden unter anderem die Kontrolle von Falschparkern auf Radwegen, die Fahrradmitnahme im ÖPNV, die Baustellenführung, die Ampelschaltungen und die Breite und Qualität der Radwege und Radstreifen. „Damit haben zentrale Infrastrukturbedingungen für das Radfahren in Lübbecke Sitzenbleiberniveau“, bilanziert die Initiative.

Aber es gebe auch Positives anzumerken. Die höchste Bewertung mit Note 2,5 erhält Lübbeckes Umgang mit Einbahnstraßen, die für Radfahrende weitgehend in beide Richtungen genutzt werden dürfen. Die Erreichbarkeit des Stadtzentrums und das zügige Fahren werden mit 2,9 und 3,0 recht positiv bewertet.

„Was Lübbecke fehlt“, so Susanne Lenz von der Initiative, „ist ein Radverkehrskonzept, also ein Bekenntnis zu einer Förderung des Radverkehrs und einer systematischen Überlegung, an welchen Orten dazu welche Maßnahmen sinnvoll sind und wann sie umgesetzt werden sollen. Dazu gehört auch eine systematische Analyse von Gefahrenstellen und ihre zeitnahe Beseitigung“, schlägt sie vor. Solch ein Radverkehrskonzept ist seit Gründung der Initiative eine ihrer Kernforderungen. Davon sei Lübbecke aber weit entfernt, gibt Petra Spona zu bedenken. „Es ist beispielsweise nicht nachvollziehbar, dass seit dem erst kürzlich erfolgten Bau des Kreisverkehrs an der Bahnhofstraße Radfahrende vom Schutzstreifen auf den Gehweg wechseln sollen, nur weil sonst einige wenige Parkplätze hätten wegfallen müssen. Wir hoffen aber, dass langsam ein Umdenken stattfindet.“

Immerhin habe es jetzt mit dem Radweg an der L771, also an der Frotheimer Straße zum Gehlenbecker Freibad, und der Überlegung, die Kreisbahnstraße zu einer Fahrradstraße umzubauen, erstmals seit Jahren merkliche Initiativen für den Radverkehr gegeben. Petra Spona: „Wir hoffen, dass das kein Strohfeuer ist, sondern der Auftakt zu einem systematischen Umdenken und damit einem Beitrag zur Verkehrswende in Lübbecke.“

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