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Bürgermeister Frank Haberbosch im Interview zum Freibad und anderen Bauprojekten

Haberbosch: »Auf gutem Weg zu einer Lösung«

Lübbecke (WB). Es ist zwar Sommerpause im politischen Lübbecke, aber im Rathaus laufen die Vorbereitungen für einen intensiven Herbst: Über das Blasheimer-Markt-Jubiläum und die diversen Bauprojekte hat Redakteurin Friederike Niemeyer mit Bürgermeister Frank Haberbosch (SPD) gesprochen.

Bürgermeister Frank Haberbosch. Foto: Friederike Niemeyer

In vier Wochen beginnt der 450. Blasheimer Markt. Wie ist Ihre Stimmungslage?

Frank Haberbosch: Ich freue mich riesig darauf. Das wird ein echter Höhepunkt. Das Besondere werden ja die Eröffnung am Donnerstag mit Kinder- und Familienprogramm sowie der Empfang der Stadt mit Festredner Sigmar Ga­briel sein. Die Vorbereitungen laufen bislang geräuschlos, das Sicherheitskonzept ist abgestimmt. Es kann also losgehen.

Über Jahrhunderte hinweg ist der Blasheimer Markt ein Publikumsmagnet geblieben. Was ist für Sie das Erfolgsrezept?

Haberbosch: Es hat sicher mit dieser besonderen Mischung aus Kirmes für die ganze Familie und Treffpunkt in den Zelten zu tun. Und mit vier Tagen hat der Markt in meinen Augen auch genau die richtige Länge. Aber das allein erklärt die Anziehungskraft natürlich nicht. Wenn es so einfach zu erklären wäre, geschweige denn zu veranstalten, gäbe es Feste wie dieses dutzendweise. Gibt es aber nicht – der Blasheimer Markt ist einzigartig.

Geld ausgeben ist auch ein Stichwort für viele Bauprojekte, die anstehen. Der zweite Kreisel am Niederwall ist jetzt freigegeben worden.

Haberbosch: Die beiden Kreiselbaustellen sind wirklich gut verlaufen. Wir sind mit den Ausschreibungsergebnissen von 1,85 Millionen Euro unter den geschätzten Kosten geblieben. Und die Bauphase verlief besser als gedacht. Die Verkehrsteilnehmer haben sich insgesamt sehr vernünftig verhalten. Am Niedertor-Kreisel kann man jetzt schon sehen, dass der Verkehr ruhiger und flüssiger läuft. Vorher mussten Autofahrer oft an jeder Ampel halten.

Das nächste Bauprojekt ist die Verlegung des Zentralen Omnibusbahnhofs ZOB. Zuletzt hatte es vom Verkehrsclub VCD Kritik daran gegeben. Werden Sie darauf reagieren?

Haberbosch: Nachdem niemand auf uns direkt zugegangen ist und ich von der Kritik nur aus der Presse erfahren habe, habe ich in einem Telefonat mit Herrn Hartmeier vom VCD ein Treffen dazu abgelehnt. Mit so einem Vorgehen macht ein Gespräch für mich keinen Sinn mehr. Auch weil mein Eindruck ist, dass die Akteure gar nicht die Zusammenhänge kennen und sich auch nicht die Mühe gemacht haben, sie in Erfahrung zu bringen. Meines Wissens nach waren die VCD-Vertreter nicht bei den Info-Veranstaltungen zum Westertor.

Und was sagen Sie zu den Einwänden, auch von Anwohnern, dass der ZOB besser Richtung Gänsemarkt aufgehoben wäre?

Haberbosch: Grundsätzlich: Die ZOB-Verlegung ist der Preis für das Westertor-Projekt. Der ganze Projektzuschnitt funktioniert nicht ohne diese. Natürlich verstehe ich die Anlieger, die nicht so gerne Busse vor ihrem Grundstück haben. Das werden wir auch im Bauleitverfahren abwägen. Aber dies als einzigen Grund für eine Verlegung zu nehmen – das ist aus meiner Sicht zu wenig. Wenn wir öffentlichen Personennahverkehr wollen, hat immer irgendwer Busse vor seiner Tür. Zudem muss berücksichtigt werden, dass die Platzverhältnisse weiter östlich ganz anders sind. Und wie sollte ein Bus an der Blasekreuzung wenden? Das wäre dann nämlich die Konsequenz.

Wann wird über diese Frage entschieden?

Haberbosch: Zunächst ist am 4. September die Bauleitplanung zum Einkaufszentrum auf der Tagesordnung des Ausschusses für Bauen und Stadtentwicklung. Aber auch die ZOB-Planung wird thematisiert und darüber wird der Rat später noch entscheiden.

Heißt das, dass dann auch tatsächlich gebaut wird?

Haberbosch: Wann der Investor HBB glaubt, eine Entscheidung für die Umsetzung treffen zu können, weiß ich nicht. Aber wir müssen weitermachen und den städtebaulichen Vertrag vorbereiten – auch wenn ein Risiko besteht, dass HBB absagt. Die konkrete Gefahr sehe ich aktuell nicht. Ich bin optimistisch. Aber definitiv in trockenen Tüchern ist das Westertor noch nicht.

Wenn es einen Rückzieher geben sollte, wer zahlt dann die bisherigen Ausgaben?

Haberbosch: Gutachten, Architekten und Planer für das Westertor, das zahlt der Investor. Was bei uns im Rathaus an Arbeit angefallen ist, ist Geschäft der laufenden Verwaltung und so nicht bezifferbar.

Wann rechnen Sie mit dem Bau- oder Abrissbeginn?

Haberbosch: Das kann ich nicht genau sagen, die Entscheidung liegt letztlich bei der HBB. Aber wenn das Projekt Westertor ins Ziel kommen soll, werden wir noch in diesem Jahr über die Verlegung des ZOB entscheiden müssen. Denn der Busverkehr muss funktionieren, wenn das Parkhaus abgerissen wird. Sonst kann es nicht weitergehen.

Beim Bürgerpark Obernfelder Allee kann es bald losgehen. Zumindest sind Fördermittel von 2,4 Millionen Euro bewilligt worden.

Haberbosch: Ich bin sehr froh, dass wir es geschafft haben, das Areal in die ISEK-Förderkulisse zu bringen. Das war eine Idee der Verwaltung, und der Erfolg gibt uns Recht. Als Naherholungsgebiet für die Menschen in der Stadt mit Sport und Spiel wird das ein Leuchtturmprojekt. Wenn der offizielle Bescheid da ist, können wir den Auftrag vergeben. Wie lange die Umsetzung dauert, ist aber noch unklar.

Überhaupt fällt auf, dass Lübbecke dieses Jahr viele Förderzusagen erhalten hat...

Haberbosch: Die Verwaltung hat einen sehr guten Job gemacht. Da muss ich uns selbst einmal loben.

Befürchten Sie, dass die Zeit der baulichen Investitionen in Lübbecke bald vorbei sein könnte? Die Wirtschaftsaussichten sind ja nicht mehr so rosig.

Haberbosch: Bei uns ist es immer so gewesen, dass wir nie zu den großen Gewerbesteuereinnehmern zählten. Wir planen deshalb zurückhaltend und können auch mal Tiefschläge einstecken. Unsere Wirtschaftsstruktur ist breit gestreut und relativ robust. Deshalb glaube ich nicht an einen großen Einbruch. Die guten Jahre, die wir jetzt zweifellos hatten, haben wir genutzt, um die Stadt weiterzuentwickeln. Insgesamt investieren wir aber permanent maßvoll – was sich etwa auch am guten Zustand unserer Schulen ablesen lässt.

Auch für das Freibad Gehlenbeck gibt es Fördermittel. 2,9 Millionen Euro. Wie sieht es mit den Planungen aus? Beispielsweise gibt es ja noch keine Festlegung zur Beckenlänge.

Haberbosch: Wir sind politisch auf gutem Wege, eine Lösung hinzubekommen, die allen Nutzergruppen gerecht wird. Wichtig ist, dass wir jetzt die Chance ergreifen, die Betriebskosten so zu gestalten, dass das Bad dauerhaft erhalten bleiben kann. Vermutlich in der September-Ratssitzung wird eine Entscheidung dazu gefällt.

Das Projekt der heimischen Tennisvereine unterstützt die Stadt mit 200.000 Euro. Warum so großzügig?

Haberbosch: Die Summe von 200.000 Euro war meine Initiative. Wenn ein Verein mehr als eine Million Euro in solch eine Halle investiert, die ganzjähriges Tennisspielen ermöglicht, dann ist das für die Stadt ein absoluter Standortvorteil. Der Anteil der Stadt ist relativ klein, und es ist ein einmaliger Zuschuss. Die sonstigen Sporthallen und -flächen kosten uns jedes Jahr 1,6 Millionen Euro. Und auch bei den Kunstrasen-Fußballplätzen in Nettelstedt und Blasheim unterstützen wir die Initiative der Vereine mit der Hälfte der Baukosten.

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