Ladeneröffnungen in Lübbecke nach der Corona-Pause – mitunter schon am Morgen gute Resonanz

Handel zeigt sich kreativ

Lübbecke (WB). Spuckschutzscheiben an der Kasse, Einbahnstraßenregelungen, die den Kundenfluss im Geschäft regeln oder eine Ampel im Eingangsbereich, bei der per Fernbedienung die Rotphase eingeleitet wird – die Lübbecker Kaufmannschaft hat sich viel einfallen lassen, um Kunden und Mitarbeitern Sicherheit in Corona-Zeiten zu bieten.

Ria Stübing

Hinweisschild, Desinfektionsmittelspender und Ampelfunktion in einem: Diese Lösung hat Andreas Oelschläger gewählt. Foto: Ria Stübing

Nach mehr als vier Wochen Zwangspause erwacht der Einzelhandel aus dem, vom Gesetzgeber auferlegten, Dornröschenschlaf und auch in der Innenstadt von Lübbecke haben am Montagvormittag viele Geschäfte erstmalig wieder geöffnet. Um die Ansteckungsgefahr im Kundenverkehr auf ein Mindestmaß zu reduzieren, gibt es viele Möglichkeiten sowie einige klar definierte Vorgaben, deren Einhaltung vom Ordnungsamt überwacht wird.

Das Ordnungsamt berät Kunden und Geschäftsinhaber

„Ich sehe meine Tour durch die Lange Straße heute nicht als Kontroll-, sondern eher als Beratungsgang“, sagt Ralf Stühlmeyer, der diese Aufgabe am ersten Tag der Öffnung für die Stadt Lübbecke übernimmt. „Die Kaufleute haben viele individuelle Lösungen gefunden und sich kreativ mit der Problematik auseinandergesetzt“, lobt er den Handel vor Ort. Jedoch herrsche vielerorts noch Beratungsbedarf und Unsicherheit in Bezug auf einzelne Punkte der Verordnung, hier stehe er gern mit Rat und Tat zur Seite.

Maximal ein Kunde auf zehn Quadratmetern Ladenfläche ist momentan erlaubt, doch laut Stühlmeyer haben die meisten Geschäftsleute eine geringere Anzahl für sich festgelegt, um auf Nummer Sicher zu gehen. „Wir freuen uns total, wieder öffnen zu dürfen, die Kunden freuen sich ebenso“, sagt Beate Gote, die bei Etog ihre Kundinnen in Sachen Frühjahrsmode beraten darf. Hierbei trägt sie, wie ihre Kollegin auch, einen Mundschutz. An der Kasse wird hinter der obligatorischen Plexiglasscheibe kontaktloser Zahlungsverkehr angeboten, Handdesinfektionsmittel für die Kunden steht überdies bereit und es wird auf den Mindestabstand geachtet.

Zur Einhaltung dieser Distanz zwischen den Kundinnen wurde beispielsweise die mittlere von drei Umkleidekabinen gesperrt; es wird außerdem darauf geachtet, dass maximal zehn Personen im Laden sind.

Nur wenige Kunden erhalten gleichzeitig Einlass

Nur wenige Meter weiter, in der Bücherstube, ist ebenfalls alles der aktuellen Lage angepasst worden. Per Fernbedienung kann Inhaber Andreas Oelschläger von der Kasse aus die „Ampel“ im Eingangsbereich steuern. „Einen Security-Mann kann ich mir nicht leisten“, erklärt er. „Wenn ich sehe, dass zu viele Kunden herein wollen oder sich im vorderen Bereich, bei den Grußkarten, knubbeln, schalte ich von Grün auf Rot um“, führt er weiter aus.

Wenngleich Oelschläger seine Kundschaft während der vergangenen Wochen zuverlässig per Lieferdienst mit Lesefutter versorgt hat, standen bei ihm am Montagmorgen um 10 Uhr die ersten Kunden im Laden. Intern wird darauf geachtet, dass die einzelnen Arbeitsplätze räumlich getrennt sind, der Kontakt somit auch im Team der Buchhandlung minimiert wird.

In der Dampfgalerie, einem Fachgeschäft für E-Zigaretten im westlichen Bereich der Langen Straße, lief das Geschäft am Montagmorgen schleppend an. Gerade mal drei Kunden zählte Filialleiter Matthias Macion in den ersten dreieinhalb Stunden. Möglicherweise ist das darauf zurückzuführen, dass der Testbereich für die angebotenen Liquids aus Hygienegründen aktuell nicht zur Verfügung steht.

Einige Geschäfte bleiben dennoch geschlossen

Auf Einlasskontrollen verzichten Edda und Hans-Jürgen Soja in ihrem Sportfachgeschäft Am Markt. Auch hier erwartet den Kunden gleich im Eingangsbereich ein Tisch mit Desinfektionsmittel und Einweghandschuhen. Hinweise auf die Einhaltung des Sicherheitsabstandes finden sich noch vor dem Betreten des Geschäftes an der Tür, so wie es den derzeitigen Vorgaben entspricht. „Ich kann es nicht nachvollziehen, dass größere Geschäfte, wie beispielsweise Böckmann, nicht öffnen dürfen“, meint Inhaber Hans-Jürgen Soja, angesprochen auf sein „Glück“, mit der Verkaufsfläche unter der 800-Quadratmeter-Marke zu bleiben. „In meinen Augen ist das eine Wettbewerbsverzerrung, die ich unanständig finde“, empört er sich weiter.

So kann man zur Zeit beim Bummel durch die Lange Straße bei Modehaus Böckmann lediglich im Schaufenster das Angebot begutachten. Hinweisschilder an der Eingangstür informieren darüber, dass „jegliche Annahme von Warenanlieferungen auf unabsehbare Zeit nicht möglich ist“ und dass das „Geschäft voraussichtlich bis Ende April geschlossen ist“. Für weitere Informationen wird auf die Internetpräsenz des Unternehmens verwiesen.

Bei einem Schuhgeschäft und der Filiale eines Modeanbieters am nord-westlichen Ende der Fußgängerzone hingegen werden sich die Ladentüren nicht wieder öffnen.

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