1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Luebbecke
  6. >
  7. HNO-Ärzte wollen bleiben

  8. >

Medizinkonzept: Dr. Blaue und Dr. Klein sollen Belegbetten aufgeben

HNO-Ärzte wollen bleiben

Lübbecke (WB). Pro Jahr lassen sich etwa 200 Patienten in Lübbecke an den Nebenhöhlen, Mandeln oder Ohrmuscheln operieren. Die HNO-Praxisklinik Blaue/Klein hat dazu nebenan im Krankenhaus vier sogenannte Belegbetten. Laut Medizinkonzept der Mühlenkreiskliniken soll diese Beleg-Abteilung geschlossen werden – für die beiden Fachärzte nicht nachzuvollziehen.

Friederike Niemeyer

Die HNO-Praxis von Dr. Blaue und Dr. Klein ist über einen Seiteneingang des Krankenhauses zu erreichen. Es ist eine niedergelassene Arztpraxis, die aber auch Betten im Krankenhaus hat. Dies soll sich aber laut Medizin-Konzept bald ändern. Foto: Mareile Mattlage

Jeden Mittwoch werden in den OPs des Krankenhauses Lübbecke vier bis sechs HNO-Patienten operiert, berichtet Dr. Jürgen Blaue. Vor allem endoskopische Eingriffe sind dies, also minimal-belastende Operationen. Neben Blaue und seinem Praxis-Kollegen Dr. Christopher Klein nutzt auch Dr. Holger Petzold aus Minden diese Möglichkeit. Der niedergelassene Arzt kann in Minden nicht operieren, da am Johannes-Wesling-Klinikum in einer eigenen HNO-Klinik nur die angestellten Ärzte arbeiten.

Kein Verständnis

Gerne würden Dr. Blaue, Dr. Klein und Dr. Petzold die eingespielte Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus fortsetzen. Doch das MKK-Konzept sieht eine Schließung vor. »Die pauschale Behauptung der MKK-Leitung, Belegbetten seien unwirtschaftlich, können wir nicht nachvollziehen«, sagt Jürgen Blaue. »Uns wurden auch keine stichhaltigen Zahlen vorgelegt, die das belegen.« Aus der Sicht von Blaue und seinem Kollegen Klein besteht betriebswirtschaftlich keine Veranlassung für die Schließung. Die mit der Verwaltung in einer Zielvereinbarung abgestimmten Leistungsmengen würden jedes Jahr vollumfänglich erreicht, so die beiden HNO-Ärzte.

Aber auch aus medizinischen Gründen ist bei den drei HNO-Fachärzten kein Verständnis für die Pläne vorhanden. Bei vielen Patienten sei eine OP in der Belegabteilung beliebt, weil sie den Operateur schon länger kennen. Alles ist aus einer Hand: von der Feststellung des OP-Bedarfs über den Eingriff selbst bis zur Nachbehandlung.

»Verantwortungslos und armselig«

Für die Lübbecker Belegabteilung gibt es nach Auskunft von Jürgen Blaue eine Kündigungsfrist von sechs Monaten, die sowohl von den MKK als auch von den Belegärzten genutzt werden kann. »Das ist das Problem für uns, da wir von einer Kündigung ausgehen müssen.« Für ihre Praxis direkt am Krankenhaus läuft der Mietvertrag hingegen bis 2029. Einen anderen Operationsort zu finden, hält Dr. Blaue für sehr schwierig: »Die Operationen im HNO-Gebiet beinhalten immer das Risiko von schweren Nachblutungen.« Deshalb sei die räumliche Nähe von Praxis und Belegstation so ein großer Vorteil, den nur ganz wenige Belegstationen bieten können. »Im Fall von Komplikationen kann der Patient sofort vom Operateur versorgt werden.« Im Kreisgebiet gibt es die Möglichkeit für stationäre Behandlungen und Belegbetten im HNO-Bereich nur in Lübbecke. De facto können somit künftig sowohl die Praxis Blaue/Klein als auch die Praxis Petzold in Minden nur noch ambulante Operationen durchführen.

Die HNO-Ärzte betonen, dass die von ihnen praktizierte Behandlungsweise, die die starre Trennung von ambulant und stationär aufhebt, von vielen Gesundheitspolitikern gewünscht werde. »Aber solche Argumente dürften für den MKK-Vorstand kaum gelten.« Sie sehen hinter dem Medizinkonzept klar die Strategie, die OP-Fallzahlen im Klinikum Minden drastisch zu erhöhen, um dort bessere Erlöse zu erzielen. »Ein bisschen mehr Fairness hätten wir schon erwartet«, kritisieren Dr. Blaue und Dr. Klein in einem gemeinsamen Schreiben. »Eine Konzernpolitik nach dem Motto ›gerne sonnen wir uns in der Strahlkraft des Universitäts-Klinikums, dann kann der Rest ruhig verschimmeln‹ ist verantwortungslos und armselig.«

Startseite
ANZEIGE