Jahresbericht: 91 Storchenpaare im Jahr 2020 sind ein neuer Rekord

Jetzt brüten sie überall im Kreis

Lübbecke/Minden (WB/stl). Im fast abgelaufenen Jahr sind im Kreis Minden-Lübbecke insgesamt 91 Storchenpaare registriert worden, zwei mehr als im Jahr zuvor. Das geht aus dem Weißstorch-Jahresbericht 2020 hervor, den Dr. Dr. Alfons Bense aus Petershagen vom Aktionskomitee „Rettet die Weißstörche“ jetzt vorgelegt hat. „91 Horstpaare markieren einen neuen Rekord“, freut sich der „Storchenvater“. Auch der Bruterfolg sei herausragend, und das trotz großer anhaltender Trockenheit im April und Mai. Es gab 194 ausfliegende Jungstörche, 19 mehr als im Jahr zuvor.

In diesem Jahr sind im Kreis Minden-Lübbecke 91 Storchenpaare registriert worden, zwei mehr als im Jahr zuvor. Es gab 194 ausfliegende Jungstörche. Diese Zahlen und noch viel mehr listet „Storchenvater“ Dr. Alfons Bense in seinem Bericht auf. Foto: Harald Iding

„Erfreulicherweise hatten nur zwei Störche im Gebiet überwintert“, stellt der Fachmann fest. Der Einflug der ersten – westziehenden – Störche sei jedoch noch etwas früher als in den Vorjahren gewesen: „Schon Anfang Februar trafen etliche Störche ein. Erwartungsgemäß wurden die erfolgreichen Horste der vergangenen Jahre schnell und bevorzugt besetzt.“ Erstmals dabei waren Standorte in Alswede, Varl, Stelle, Schnathorst-Struckhof, Volmerdingsen, Rodenbeck und Hille. Nach zum Teil mehrjähriger Vakanz sei wieder in Getmold, Ovenstädt und Rosenhagen gebrütet worden.

Petershagen ist ganz vorn

Die nordrhein-westfälische Storchenhauptstadt Petershagen behauptete laut Bericht ihre führende Position mit 27 Storchenpaaren. In Hille kam ein neuer Standort hinzu, es sind jetzt 18. Ungewöhnlich dabei: Auf einer der fünf beim Parkplatzbau des Lidl-Marktes im Ortskern belassenen hohen Eichen siedelte sich „ein noch nicht stabiles und nicht brütendes Storchenpaar an“, wie es Bense beschreibt. Und weiter: „Der attraktive und in der Öffentlichkeit stark beachtete Nestbau setzt ein versöhnliches Zeichen in einer sonst naturfernen Supermarktszenerie. Man darf für 2021 gespannt sein, ob tatsächlich eine Brut gelingen wird. Die symbolkräftige Platzwahl der Störche wäre es wert.“

Gewöhnungsbedürftig sei die erste Ansiedlung (nach begonnenem Nestbau 2019) auf der Traverse eines Strommasts in den Mindener Wiesen. Alfons Bense kommentiert das so: „Insbesondere in Spanien und Portugal, aber auch im Süden Deutschlands kennt man diese stromtodgefährdeten Horste seit Jahren. Vergeblich die Hoffnung, unsere Störche würden es nicht tun. Diese Erstansiedlung blieb – wie sehr häufig – zunächst noch ohne Bruterfolg, denn trotz Neugründung konnte sich das Paar erst nach vielem Hin und Her gegen starke Konkurrenz durchsetzen und spät, zu spät, mit der Brut beginnen. Die nahen Leitungsseile stehen glücklicherweise nicht unter Spannung.“

Premiere für Bad Oeynhausen

Den Westen des Mühlenkreises haben sich die Störche über mehrere Jahre stabil und immer noch leicht zunehmend erschlossen: In Lübbecke gibt es 8 Horstpaare, in Rahden 7 (+1), in Espelkamp 8, in Preußisch Oldendorf 3 (+1), in Hüllhorst 2 (+1) und in Stemwede 6. Zwei Entwicklungen lösten Begeisterung beim Aktionskomitee und den Storchenfreunden im Kreis aus: Mit der Erstbesetzung der Nisthilfe in den Volmerdingser Grellewiesen konnte auch Bad Oeynhausen als elfte und letzte Kommune des Kreises ein Brutpaar aufweisen. Bense: „Bedauerlich allerdings, dass das junge überforderte Storchenpaar das einzige Küken zu früh und in anhaltender Hitze allein ließ und ein Roter Milan seine Chance zu nutzen versuchte. Er tötete den Jungvogel, der Transport der Beute zu den eigenen zu versorgenden Jungen misslang ihm allerdings.“

Die zweite überaus positive Tendenz sei in der Neuansiedlung von zwei weiteren Paaren südlich des Wiehen- und Wesergebirges zu sehen. In Tengern war 2012 der Anfang gemacht, 2018 folgte Eisbergen. Mit Volmerdingsen und Schnathorst sind es 2020 bereits vier „Südpaare“.

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