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Meteorologe erklärt, warum es so selten weiße Weihnacht gibt

Kein Schnee zum Fest

Lübbecke (WB). Die Schar der Kinder, die noch nie weiße Weihnachten im Kreisgebiet erlebt haben, wächst und wächst. Mittlerweile sind die ältesten Kinder, die noch nie im Schnee Heiligabend zur Kirche gestapft sind, bereits acht Jahre alt. Das sagt der Lübbecker Meteorologe Friedrich Föst – und macht keine Hoffnungen für dieses Jahr.

Friedrich Föst im Schnee am 1. März 2018: Für die Weihnachtstage 2019 ist keine Flocke in Sicht. Foto: Wessel

„Im legendären Schnee-Dezember von 2010 lag der Schnee über die Weihnachtsfeiertage im Kreisgebiet zwischen 20 und 30 Zentimeter hoch, im Wiehengebirge überschritten die Schneemengen sogar die 50-Zentimeter-Marke“, berichtet Föst. „Solche Schneemengen sind an Weihnachten zuvor in den vergangenen 100 Jahren nicht mehr aufgetreten. Und als ob Frau Holle damit ihr Pulver verschossen hat, war es auch gleichzeitig das letzte Mal, dass sich das Weihnachtsfest romantisch weiß präsentierte.“ Seitdem gab es oft mildes Schmuddelwetter, der Standardfall in unseren Breiten, erläutert der Meteorologe. Auch früher gab es lange Serien von „grünen“ Weihnachten.

Eindrückliche Erinnerungen

Doch woher kommt die Wahrnehmung, dass es früher öfter weiße Weihnachten gab? „Hier spielt uns die Psyche einen Streich“, so Föst. „Gerade als Kind behält man solche Tage in Erinnerung, an denen man Schlittenfahren und im Schnee rumtoben konnte. Ein Weihnachtsfest im Nieselregen bei 3 Grad fällt dann schnell durch das Raster. Da es in den Jahren von 1962 bis 1970 gleich fünf Mal weiße Weihnachten im Mühlenkreis gab, kann sich diese Wahrnehmung in den Köpfen durchaus festgesetzt haben.“ Allerdings folgte eine lange Serie schneeloser Weihnachten von 1971 bis 1980.

Solche Serien seien auch schon früher im 20. Jahrhundert beobachtet worden. „Somit ist die derzeitige Häufung grüner Weihnachten, die 2011 begonnen hat, nichts außergewöhnliches, ganz im Gegenteil, sie ist völlig normal“, so Fösts Fazit. In der Meteorologie spricht man auch vom berühmt-berüchtigten „Weihnachtstauwetter”.

Weihnachtstauwetter

„Das Weihnachtstauwetter ist so dominierend, dass statistisch betrachtet nur einmal in zehn Jahren Schnee an den Weihnachtstagen bei uns liegt“, sagt Föst. Weihnachten gilt statistisch dann als „weiß”, wenn an mindestens zwei der drei Tage eine geschlossene Schneedecke von mindestens einem Zentimeter beobachtet wurde. Dieses Jahr stehen die Zeichen eher schlecht: Tiefdruckgebiete von Neufundland strömen mit milder Meeresluft in den Mühlenkreis, auch wenn der Temperaturtrend für Weihnachten wieder leicht nach unten geht.

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