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Pläne zur Sanierung und Neugestaltung der St.-Andreas-Kirche Lübbecke vorgestellt

Kreisrunder Altar kommt in die Mitte

Lübbecke (WB). Wie soll die Sanierung und Neugestaltung der St.-Andreas-Kirche in Lübbecke über die Bühne gehen? Am Montag war aus diesem Grunde eigens eine Gemeindeversammlung einberufen worden. Zahlreiche Kirchgänger waren gekommen, um den Plänen und Ausführungen des Architekturbüros Soan aus Bochum zu folgen.

Eva Rahe

Diese Darstellung zeigt, wie der Kirchenraum in St. Andreas Lübbecke neu gestaltet werden soll. In die Mitte kommt ein modernes Element für Altar und Bibel. Foto:

Gleich zu Beginn stellte Pfarrer Eberhard Helling die entscheidende Frage: „Warum muss eine Kirche gut und wertvoll eingerichtet sein?“ Es ginge darum, hier die gute Geschichte Gottes zu erzählen; die Taufe und das Abendmahl zu feiern. Deswegen sei die Kirche auch gut ausgestattet, „damit es ein gutes Werk ist, damit es zu einem Wohlgeruch kommt in diesem Raum“, erklärte er.

Feuchtigkeit in den Wänden

Architekt Gido Hülsmann stellte die Pläne zur Sanierung vor. Im Laufe der Jahre sei Feuchtigkeit von unten in die Säulen und Wände gezogen, so dass sich Mikroben festsetzen konnten. Diese Feuchtigkeit habe zwei Gründe. Bohrungen hätten bestätigt, dass die Kirche auf einem sehr feuchten Lehmboden stehe. Vermutet hätte man das schon länger, erklärt Baukirchmeister Eyke Blöbaum auf Nachfrage, denn der frühere Taufbrunnen der Kirche sei durch natürliches Schichtwasser gespeist worden. Zum zweiten gebe es einen deutlichen Wassereintrag von Süden her, wo sich die Kirche an den Hang schmiegt und das Mauerwerk direkt in den Boden geht, führte Hülsmann weiter aus.

Ziel der Bausanierung ist es, die einsteigende Luftfeuchtigkeit aus dem Boden stark zu verringern. Hierfür hat das Architekturbüro einen neuen Aufbau aus Tonabdichtung und Glasschottereintrag als Dämmschicht geplant. „Darauf werden die unterschiedlichen Lagen bis zum Estrich und dem neu geplanten Terrazzofußboden aufgebaut“, so Gido Hülsmann. Die geplante Bausanierung nehme den größten Teil des Gesamtinvestitionsvolumens von rund 2,5 Millionen Euro in Anspruch.

Fußbodenheizung kommt

Um das Heizen im Winter ökologischer zu gestalten, soll unter dem Terrazzoboden eine Fußbodenheizung eingebaut werden. So könne die Lufttemperatur auf ein bis zwei Grad gesenkt und trotzdem eine angenehme Behaglichkeit erzeugt werden.

Außerdem planen die Architekten ein weiteres modernes Element in St. Andreas. Im Zentrum des Kirchenschiffs soll nicht mehr das alte Taufbecken stehen, sondern ein futuristisches Kirchenelement, das Gido Hülsmann als Schutzraum der Bibel bezeichnete. Auf diesem länglichen Podest – auf einer Achse zwischen Chorraum und Kirchengemeinde – werden die Heilige Schrift aufbewahrt und der Altar stehen. Außergewöhnlich ist, dass der neue Steinaltar kreisrund sein wird. „Das erklärt sich aus der Form des gotischen Kirchschiffs“, erklärte Gido Hülsmann seinen Entwurf. Der neue Altar solle zu allen Seiten offen sein. Er sei damit in der Gemeinde zentriert, es gebe kein vorne und hinten mehr, so der Architekt. Der Taufstein werde nach hinten versetzt. „Wer die Kirche betritt, geht auf den Taufstein zu und wendet sich dann Richtung Osten, zum Schutzraum“, sagte Hülsmann. Um die Taufe zu vollziehen, versammele sich die Gemeinde im hinteren Teil.

Insgesamt solle der Kirchraum wieder mehr seinem romanischen Ursprung entsprechen, fügte der Architekt an. Dies werde durch verschiedene Bodenbeläge und eine neue Bestuhlung erreicht. Die Hauptbestuhlung durch Kirchenbänke soll auf dem Terrazzoboden stehen. Sie wird laut Entwurf in Form des Kreuzes Jesu Christi aufgebaut sein und den neuen Altar zum Mittelpunkt haben. Die hinteren Bereiche in den Seitenschiffen erhalten keine feste Bestuhlung und sollen je nach Anlass mit Stühlen ausgestattet werden. Diese Bereiche werden mit einem Holzfußboden ausgestattet und heben sich so formal vom Terrazzofußboden ab, der den Bereich der zentralen Kirchengemeinde kennzeichnet.

Weniger feste Sitzplätze

Die 135 festen Sitzplätze könnten durch 500 Stühle ergänzt werden. Dies sei wichtig, da es in Lübbecke eine große Tradition von musikalischen Veranstaltungen gebe. Um den Kirchenraum zu vergrößern, sollen zudem die Stufen zum Chorraum weiter zurück versetzt werden, so dass vorne auch ein großes Orchester spielen könne.

Im Anschluss an den Vortrag gab es Gelegenheit, Fragen zu stellen. Eine Diskussion sollte hier noch nicht stattfinden, so Pfarrer Eberhard Helling. Die Veranstalter hatten eigens Rückfrage-Bögen vorbereitet, die in einem Gespräch am Montag, 28. September, um 19 Uhr in der St.-Andreas-Kirche vorgestellt und diskutiert werden sollen.

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