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Großes Treffen in der Stadthalle: Gesprächsrunden und Kabarett über das Jahr 2020

Leben und Lachen mit den Landfrauen

Lübbecke (WB). Da haben die Bauern aber „Glück gehabt“: Ihre täglich anfallende Arbeit wird kaum durch die Corona-Situation eingeschränkt. Welche Probleme die Pandemie für Landwirte aber dann doch mit sich bringt, wie die Corona-Lage außerhalb des Hofes aussieht und dass leere Toilettenpapier-Regale bei weitem nicht alles sind, worüber man in diesem Jahr lachen kann – das ist am Montagabend beim Kreis-Landfrauen-Tag in der Lübbecker Stadthalle klar geworden.

Joscha Westerkamp

Die erste Gesprächsrunde gestalteten (von links) Heidrun Diekmann (Vizepräsidentin Westfälisch-Lippischer Landfrauenverband), Moderatorin Maren Wulff und Annette Ostermeier (Vorsitzende Ortsverband Hüllhorst und Bäuerin). Foto: Joscha Westerkamp

Knapp zweieinhalb Stunden hat die Veranstaltung gedauert, die Vereinsrückblick, Talkshow, Konzert und Kabarett-Abend in einem war. Schwungvoll gestalteten Anja Vehling (Saxofon) und Heinz-Hermann Grube (Flügel) den Auftakt. Sie spielten Jazz-Stücke, unter anderem Werke des berühmten Komponisten Duke Ellington. Acht Kompositionen bot das Duo insgesamt über den Abend verteilt dar – alle locker und fröhlich, aber perfekt präsentiert.

Besondere Zeiten

Schnell fielen die Worte „Es sind besondere Zeiten“ in der Begrüßungsrede der Vorstandsteam-Sprecherin Iris Niermeyer. Noch bis letzte Woche habe der Kreis-Landfrauen-Tag auf der Kippe gestanden, sagt sie. Was Niemeyer besonders störte in der vergangenen Zeit: „Es dreht sich viel zu viel ums Geld und viel zu wenig um den Menschen.“ Sie als Bäuerin erschrecke immer wieder, wie viel Geld für Luxus ausgegeben werde, „aber das Essen – lebensnotwendig – darf nichts kosten.“

Positive Neuigkeiten hatte Vorstandsmitglied Vanessa Fenn. „Wussten Sie“, fragte Fenn die Besucher, „dass Sie Teil eines der größten Frauenverbände in Deutschland sind? 500.000 Frauen gehören zum Deutschen Landfrauenverband – mehr als zu CDU oder SPD.“ Es gebe 12.000 Ortsverbände in 430 Kreisverbänden. „Zahlen, auf die wir stolz sein können.“ Und noch eine tolle Nachricht hatte sie parat: Das neue Logo des Verbands – zu sehen auf einer großen Leinwand im Hintergrund – ist vor einem Monat fertiggestellt worden. Vorstandsmitglied Eva Rahe thematisierte die „Mission Gummistiefel“. Demnach sollten Landfrauen mehr zu ihrem Job stehen, und „mit Stolz ihre Berufskleidung tragen“: die Gummistiefel. Und in anderen Bereichen, das gehöre auch dazu, „Turnschuhe, Pumps oder Boots“.

Gesprächsrunden

Es folgten zwei sehr informative Gesprächsrunden, moderiert von Landfrau Maren Wulff. Thema war die aktuelle Corona-Lage unter dem Motto „Herrlicher Unsinn über den alltäglichen Wahnsinn“. Den Anfang machte Heidrun Diekmann, Vizepräsidentin des Westfälisch-Lippischen Landfrauenverbands, die die Landfrauen zu mehr Solidarisierungs-Arbeit aufforderte („Landfrauen zeigen Flagge – für Toleranz, Demokratie und ein soziales Miteinander“) und über die Umsetzung des Leitthemas „Werte pflanzen, Werte entfalten“ sprach. Letzteres enthalte unter anderem viele Projekte zu den Themen „Wir machen die Welle“ (virtuelles Wasser) und „Wir geben Plastik den Korb“.

Als zweite gab Annette Ostermeier, Vorsitzende des Landfrauen-Ortsverbands Hüllhorst und hauptberufliche Bäuerin, einen sehr interessanten Einblick in ihre Arbeit der vergangenen Monate. „Unser Tagesablauf wurde gar nicht ernsthaft von Corona gestört“, sagte sie. Nur der Verkauf der Tiere an die Schlachthöfe sei deutlich schwieriger geworden: „Erst wurden die uns nicht abgenommen. Und dann wurden die Schweine immer größer und schwerer, so dass sie sich viel schlechter verkaufen ließen.“ Am Ende sei Kostendeckung kaum noch möglich gewesen. Und auch die Afrikanische Schweinepest bedeute eine große Gefahr für die Existenz der Bauern. Des Weiteren wünschte sich Ostermeier mehr Wertschätzung für Nahrungsmittel aus dem Supermarkt – und ein direkteres Gespräch zwischen Landwirt und Anwohnern. „Wenn mal eine große Grillparty geplant ist, kann man ja mit dem Bauern sprechen, damit er nicht an dem Tag Gülle verteilt.“

Krankenschwester berichtet

In einer zweiten Gesprächsrunde blieb man thematisch zwar bei Corona, verließ aber den Bereich der Landwirtschaft. Anke Schlottmann war zu Gast, Landfrau und Krankenschwester aus Preußisch Ströhen. Ausführlich berichtete sie über die wachsende „Angst und Panik“ von Patienten im Krankenhaus, deren Familien und ihren Mitarbeitern, als zunehmend Corona-Patienten kamen. Sie berichtete über die strengen Infektionsschutzmaßnahmen in den Fluren und davon, wie es war, als sie selbst infiziert wurde. „Ich habe glücklicherweise nur ein paar Grippesymptome gehabt. Aber es war schlimm zu wissen, dass man im Krankenhaus gerade dringend gebraucht wird und einfach zu Hause bleiben muss.“

Letzter Gesprächsteilnehmer war Karl-Friedrich Rahe, stellvertretender Bürgermeister von Lübbecke und bis zu diesem Sommer Lehrer an der Regenbogen-Grundschule. Detailliert beschrieb er seine Erfahrungen mit dem Unterricht seit dem Lockdown im März und dem Wiederbeginn nach dem Home-Schooling. „Plötzlich war Schule wieder bei allen beliebt“, sagte er, „man konnte es kaum glauben.“ Kinder hätten die neuen Regeln einfach hingenommen, das wünsche er sich von Erwachsenen genauso.

Bernd Gieseking

Die letzte Dreiviertelstunde des Abends war weniger informativ, dafür höchst amüsant: Der Mindener Kabarettist und Autor Bernd Gieseking (62) witzelte und reimte über Corona, Politiker, seine Kaffeebechersammlung und monatelange Trainingsphasen für die Besteigung der Zugspitze. Von furzenden Pferden der Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, bis zu gehäkelten Klopapierrollen der Oma wurde kein Thema ausgelassen – und Dauerlacher waren garantiert. Gedichte mit Versen der Art „Drosten ist schlau, täglich nach der Tagesschau; für mich wird er bald ernennt, zum neuen Bundespräsident“ sprachen nahezu alle Besucher an. Die Stadthalle war (unter Einhaltung der Corona-Maßnahmen) voll gefüllt, darunter viele bekannte Persönlichkeiten wie Bürgermeister oder deren Stellvertreter nahezu aller Kommunen des Kreises.

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