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Am Mittwoch beginnt auch an der Schule am Buschkamp in Lübbecke wieder der Unterricht

Lehrer beenden Schülerprojekt

Lübbecke (WB). Vor dem Gebäude der Schule am Buschkamp (SaB) in Lübbecke wird gearbeitet. Zwei Lehrer stellen fertig, was die Schüler vor Wochen begonnen haben: eine Terrasse vor der Schule, eine Holzkonstruktion, die auf Betonelementen gegründet ist. Sören Hagebölling, handwerklich begabter Landwirt und Fachlehrer, arbeitet unter Anleitung Alexander Fischers, Fachlehrer an der SaB.

Eigentlich war das eine Aufgabe für ihre Schüler: Sören Hagebölling (links) und Alexander Fischer stellen die Holzterrasse vor der Schule am Buschkamp fertig. Foto: LSH/Kapries

„Eigentlich sollten die Schüler sie fertigstellen, aber jetzt machen wir das“, erklärt Hagebölling. „Dann haben wir mehr Zeit für die Schüler, wenn sie wieder in die Schule kommen dürfen“, ergänzt Fischer. Von den Angesprochenen ist aber niemand da. Denn obwohl andere Schulen bereits wieder geöffnet sind, müssen die Schülerinnen und Schüler der SaB noch bis Mittwoch zu Hause bleiben.

In der 19. Schul-E-Mail des Ministeriums NRW vom 5. Mai hieß es ausdrücklich: „Die Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts gilt grundsätzlich auch für die 4. Klassen der Förderschulen. Ausgenommen sind jedoch derzeit noch die Förderschulen mit den Förderschwerpunkten geistige Entwicklung sowie körperliche und motorische Entwicklung.“ Und solche Kinder und Jugendlichen mit mehrfachem sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf werden an der SaB unterrichtet.

Lehrer waren fleißig

Die Lehrer waren derweil nicht untätig. Sie haben das Dach des Fahrradschuppens repariert und in der Turnhalle mit Unterstützung des Fördervereins einen neuen Box-Sack aufgehängt sowie den Dachboden entrümpelt und Holz für den Lehmbackofen gesägt. Aber auch in Sachen Pädagogik sind sie rege. Sie nehmen an Mini-Fortbildungen teil. Materialien für den häuslichen Unterricht werden vorbereitet und versendet. Es gibt Arbeitsaufgaben auch für die nicht-sprechenden Schüler. Das Wichtigste ist das regelmäßige Kontakthalten mit den Schülern und Familien über das Telefon und per SMS.

Alle vermissen sich

Trotzdem sind der sogenannte Präsenzunterricht, der Unterricht in der gewohnten Gruppe und im Klassenzimmer, die Nähe zu den Pädagogen, die direkte Ansprache, allesamt für die Förderung der Kinder und Jugendlichen nötig. „Die Kinder vermissen uns“, fasst Martin Jäger-Degenhard, stellvertretender Schulleiter, zusammen und ergänzt: „Und wir vermissen sie auch.“

Hygienekonzept steht

Dabei ist die Schule am Buschkamp, was das Hygienekonzept angeht, schon seit langem gut aufgestellt, denn die Hygienebeauftragte, die der Ludwig-Steil-Hof in Espelkamp als Träger der SaB angestellt hat, hat sich auch diesem Bereich akribisch gewidmet. Trotzdem sind Anpassungen nötig. So werden Tische aus den Unterrichtsräumen entfernt, um zwischen den verbleibenden die notwendigen Mindestabstände zu erreichen. „Im Vergleich zu vielen anderen ist unsere Schule gut ausgestattet“, meint Jäger-Degenhard. „So haben wir in jedem Unterrichtsraum ein Waschbecken mit fließendem kalten und warmen Wasser, was heute leider nicht mehr selbstverständlich ist.“ Außerdem hat die SaB zusätzliche Pflegemöglichkeiten und -räumlichkeiten für ihre Schützlinge.

So sehen die Regeln aus

Besucher von außen sind nicht zugelassen, Hände waschen und desinfizieren ist für alle Pflicht. Nach dem Unterricht müssen die Tische desinfiziert werden. Es wird ein System von „Einbahnstraßen“ für das Schulgebäude entwickelt, weil die Schüler auf getrennten Wegen das Schulgebäude betreten und verlassen sollen, um sich auf den Gängen nicht zu begegnen. Die Schüler sollen in kleinere Gruppen eingeteilt werden, die zu unterschiedlichen Zeiten das Gebäude betreten und verlassen, damit nicht zu viele gleichzeitig auf den Gängen sind. Auch die Pausenzeiten werden gestaffelt. Ob und wie die Mittagsmahlzeit organisiert werden kann, ist zurzeit noch offen. Auch der Fahrdienst steht vor logistischen Problemen. Wahrscheinlich wird nur vormittags unterrichtet werden können.

Eine Reihe von Lehrern aber kommt für den Präsenzunterricht nicht infrage, weil sie – meist aus Altersgründen – zur von Corona besonders gefährdeten Risikogruppe gehören. Das bedeutet: Andere Kräfte müssen deren Unterricht übernehmen; die Schüler haben nicht mehr unbedingt ihre gewohnte Lehrerin oder ihren gewohnten Lehrer. Dabei sind sie auf den direkten Kontakt mit ihren Vertrauenspersonen besonders angewiesen. Auch ein geregelter Tagesablauf ist für sie nötig.

Mittwoch geht es wieder los

Die Frage, wann und wie genau es wieder losgehen kann, ist nun zumindest endlich geklärt. Von Mittwoch an kann Unterricht in den veränderten, deutlich kleineren und wechselnden Gruppen stattfinden. „Alles ist anders. Das wird nicht nur für Kinder aus dem autistischen Spektrum mit viel Stress verbunden sein. Alle sind jedoch bemüht, alles so gut wie möglich vorzubereiten, dann wird die Freude am Wiedersehen überwiegen“, ist sich Martin Jäger-Degenhard sicher.

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