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Team der Bücherstube Oelschläger in Lübbecke gibt Tipps zum Corona-Herbst

Lesestoff zum Abtauchen

Lübbecke (WB). Der Herbst ist Bücherzeit. Und die Zeit der Bücherpreise: Der Deutsche Literaturpreis und der Nobelpreis werden vergeben. Vergangenen Sonntag ging die Frankfurter Buchmesse zuende, die in diesem Jahr wegen Corona ganz ohne Hallenausstellung auskommen musste. Stattdessen gab es zahlreiche neue Digitalangebote. Auch das Team der Bücherstube Lübbecke hat aktuell einige Buchempfehlungen.

Arndt Hoppe

Buchhändler Andreas Oelschläger und sein Team haben in diesem Herbst im Corona-Jahr 2020 viele Tipps für alle, die die Zeit zuhause dazu nutzen wollen, mal wieder ein gutes Buch in die Hand zu nehmen. Foto: Arndt Hoppe

„Wir haben schon während des Lockdowns, aber auch danach gemerkt, dass viele Menschen das Buch wieder stärker für sich entdeckt haben“, sagt Inhaber Andreas Oelschläger. Bücher hätten die Fähigkeit, die Leser in andere Welten abtauchen zu lassen. „Zurzeit sind da insbesondere auch schöne Welten gefragt. In dieser Zeit ist die Nachfrage nach Mord und Totschlag im Krimi etwas geringer. Wohl auch eine Folge der aktuellen Situation mit Corona, Klimakrise, Trump und Co.“ Oelschläger stellt dabei immer wieder fest, dass die persönliche Beratung gefragt ist. „Das ist natürlich eine der Stärken, die viele Kunden an den lokalen Buchhandlungen schätzen“, sagte er.

Empfehlungen

Das Bücherstuben-Team hat zahlreiche Neuerscheinungen selbst gelesen und verrät auf Anfrage dieser Zeitung einige ihrer aktuellen Lieblingstitel des Herbstes. So empfiehlt Wiebke Lünnemann den Roman „Die Optimisten“ von Rebecca Makkai. „Der Roman spielt im Chicago der 80er-Jahre als die Aids-Zeit begann.“ Das Buch erzählt von einem Kunstexperten, dessen Freunde nach und nach von der neuen Krankheit dahingerafft werden. Es stellt aber in einem anderem Handlungsstrang auch den Bezug zur Gegenwart her. Wiebke Lünnemann hat darin „unheimliche Parallelen“ aber auch Hoffnung entdeckt. Ihr Urteil: „ein sehr schönes Buch.“

Des Weiteren empfiehlt Wiebke Lünnemann „Marianengraben“ von Jasmin Schreiber. „Eigentlich ist die Geschichte traurig, weil sie von Paula handelt, deren geliebter kleiner Bruder Tim bei einem Unfall umkommt.“ Der Roman erzählt, wie die Begegnung mit einem schrulligen alten Herrn ihren Lebenswillen wieder erweckt. „Das ist witzig, herzergreifend und schön geschrieben“, sagt die Lübbecker Buchhändlerin.

Renate Oelschläger legt den Lesern den Roman „Ich bleibe hier“ von Marco Balzano ans Herz. „Ein unglaublich eindringliches Buch“, sagt sie. Für sie habe es einen besonderen Reiz gehabt, weil es in einem Bergdorf am Reschensee in Südtirol spielt, das sie persönlich kennt, sagt Renate Oelschläger. „Es ist einerseits ein Blick in die Historie Südtirols. Aber Balzano hat eine sehr unaufgeregte, unglaublich tolle Sprache gefunden, diese Geschichte zu erzählen.“ Er berichtet von Menschen, die vor die Wahl gestellt werden: entweder nach Deutschland auszuwandern oder als Bürger zweiter Klasse in Italien zu bleiben. Dorfbewohnerin Trina entscheidet sich für ihr Zuhause. Als die Faschisten ihr verbieten, als Lehrerin tätig zu sein, unterrichtet sie heimlich in Kellern und Scheunen. Und als ein Energiekonzern für einen Stausee Felder und Häuser überfluten will, leistet sie Widerstand – mit Leib und Seele.

Aktionswoche ohne Lesung

Der Balzano-Roman ist auch eine der Empfehlungen auf der Shortlist der „Woche der unabhängigen Buchhandlungen“. Viele Buchhandlungen in Deutschland beteiligen sich seit Jahren daran. Sie geben insgesamt jährlich fünf Vorschläge ab, aus denen in der Aktionswoche ein Preisträger ermittelt wird. Viele der Buchhändler organisieren während der Aktionswoche auch spannende Veranstaltungen.

„Wir hätten auch gerne eine Autorenlesung oder Ähnliches veranstaltet“, sagt Andreas Oelschläger, der unter anderem mit viel Erfolg die „Lübbecker Krimitage“ organisiert hat. „Aber unter den derzeitigen Bedingungen ist das leider nicht möglich – weder organisatorisch noch räumlich.“ Wenn nur eine Handvoll Zuhörer eingelassen werden kann, sei das auch wirtschaftlich nicht zu leisten. „Dabei geht es vielen Schriftstellern wie all den anderen Kulturschaffenden. Ohne Auftritte haben sie es schwer, Aufmerksamkeit zu gewinnen.“

Trend zum Sachbuch

Andreas Oelschläger sagt, er stelle fest, dass viele Leser sich zurzeit mit Sachbüchern fundiert über komplizierte Fragen des Zeitgeschehens informieren wollen. „Das fängt bei Corona an und reicht über Donald Trump bis zur Klimakrise.“ In diesem Zusammenhang weist er auf das neue Buch von Arved Fuchs „Das Eis schmilzt“ hin. „Arved ist schon lange ein Freund des Hauses und war schon oft in Lübbecke“, sagt Andreas Oelschläger. In seinem neuen Werk gehe es Fuchs darum, „Wirtschaft und Klimaschutz neu zu denken“.

„Er sieht das nicht nur einseitig. Und er ist ein kompetenter, gefragter Forscher, der sich erlauben darf, darüber zu schreiben. Würden wir Veranstaltungen anbieten, wäre Arved sicher einer der ersten, den wir einladen würden. Aber das Thema wird uns sicherlich noch lange beschäftigen“, ist Andreas Oelschläger überzeugt.

Neuerscheinungen

Der Lübbecker Buchhändler weist auf weitere aktuelle Neuerscheinungen hin, von denen er sicher ist, dass sie auf Interesse der Lübbecker Leser stoßen werden. So zum Beispiel „I’m a Nurse“, der Erfahrungsbericht der Krankenschwester Franziska Böhler. Sie schildert in Fallgeschichten den Alltag im Krankenhaus und macht deutlich, wie Patienten und Personal unter profitorientierten Strukturen leiden.

Witziges erwartet die Leser bei Sven Uwe Kling , dem Erfinder der „Känguru-Chroniken“. Er hat mit „Quality-Land 2.0“ den Fortsetzungsband seines Bestsellers vorgelegt. Auch Erfolgsautor Sebastian Fitzek – Spezialist für spannungsgeladenes Lesefutter – hat aktuell mit „Der Heimweg“ einen neuen Psychothriller vorgelegt. „Seit Jahren versuche ich, Fitzek nach Lübbecke zu holen, bislang leider ohne Erfolg. Aber ich werde dran bleiben“, sagt Oelschläger.

Ein Leckerbissen für Krimifreunde, die Lübbecker Lokalkolorit mögen, ist der zweite Band der Barre-Krimis von Alexander Hofmann. „Er heißt ‚Phantom im Wiehengebirge‘ und ist natürlich bei uns erhältlich“, sagt Andreas Oelschläger (Bericht folgt).

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