1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. OWL
  4. >
  5. Lübbecke
  6. >
  7. Lübbecker wirbt für Tannenzucht ohne Glyphosat

  8. >

Weihnachtsbaum-Anbauer aus Deutschland und Österreich tauschen sich auf dem Hof Siebe über Trends aus

Lübbecker wirbt für Tannenzucht ohne Glyphosat

Lübbecke

Mit der schönsten aller Traditionen befasst sich die Branche der Weihnachtsbaumanbauer das ganze Jahr über. Zu einer Fachtagung hatte der Hof Siebe in Blasheim etwa 40 Waldbauern aus Deutschland und Österreich zu Gast.

Bernd Siebe (Mitte) erläutert den Kollegen die Besonderheiten des Anbaus von Seidenkiefern.Das Jahrestreffen der Jungweihnachtsbaumanbauer hat auf dem Hof Siebe in Blasheim stattgefunden.Bernd Siebe (Mitte) erläutert den Kollegen die Besonderheiten des Anbaus von Seidenkiefern. Foto: IGW

Bernd und Florian Siebe sind Mitglieder der Interessengemeinschaft der Jungweihnachtsbaumanbauer (IGW) und richteten mit der Familie das Jahrestreffen des Verbandes aus.

Bereits tags zuvor hatten sie die Jugendgruppe der IGW zu Besuch. Ein Abstecher zum Werk des Landmaschinen-Herstellers Amazone in Hasbergen-Gaste (Landkreis Osnabrück) gehörte zum Besuchsprogramm.

Vermarktung auch online

Wie Bernd Siebe berichtete, gehe etwa die Hälfte seiner Weihnachtsbaumernte in den Handel. Die andere Hälfte vermarktet die Familie selbst in der Adventszeit auf 17 Verkaufsplätzen in der Region bis nach Bielefeld. „Ein Baum aus der Heimat, der frisch geschlagen ist – das wollen die Kunden, und das ist unsere Stärke“, sagte Siebe. Ein noch junger, weiterer Vermarktungszweig ist der Online-Handel.

Der Hof Siebe setzt Blühstreifen als Insektenweide in den Baumkulturen ein. Foto: IGW

Was den Hofverkauf der Weihnachtsbäume in Blasheim bereichert und die fachkundigen Besucher anerkennend staunen ließ, ist die „Weihnachtsscheune“ des Hof-Ensembles: Auf mehr als 300 Quadratmetern Fläche hält Bernd Siebes Frau Claudia vom 1. November bis zum 23. Dezember Deko-Artikel und -ideen rund um das Fest der Feste bereit.

Unerwünschtes Kraut wird mechanisch bekämpft

Eine weitere Besonderheit des Betriebs ist schon seit Jahren der konsequente Verzicht auf das umstrittene Herbizid Glyphosat, das zum Teil noch im konventionellen Weihnachtsbaumanbau eingesetzt wird. Die Erfahrungen und Erkenntnisse mit der mechanischen Bekämpfung von Konkurrenzwuchs gab Bernd Siebe den Kollegen weiter.

Auf einem Feld mit Jungpflanzen demonstrierte Lukas Siebe auf einem Traktor, wie mit Spezialgerät der Boden rund um die Tännchen derart gelockert wird, dass unerwünschte Kräuter nicht aufgehen. Damit die Methode funktioniert, muss besonders exakt gearbeitet und diese aufwendige Bodenlockerung mehrmals im Jahr wiederholt werden.

Mit dem sogenannten Hackstriegel wird das Unkraut zwischen den kleinen Tannen rein mechanisch bekämpft. Foto: IGW

Selbstfahrende Anbau-Maschinen aller Art für die Landwirtschaft und auch für die kommunalen Bauhöfe begutachteten die Weihnachtsbaum-Anbauer bei einer Besichtigung der Amazonen-Werke H. Dreyer SE & Co. KG am Stammsitz in Hasbergen-Gaste. Betriebswirt Matthias Beuke führte die Gruppe, erläuterte das Traditionsunternehmen und beantwortete auch die zahlreichen Fachfragen.

Landmaschinen-Handel leidet unter Krieg

Amazone befindet sich seit der Gründung 1883 im Familienbesitz, hat etwa 2000 Mitarbeiter an neun Produktions- und elf Vertriebsstandorten in aller Welt. Sechs Werke befinden sich laut Beuke in Deutschland, doch würden etwa 80 Prozent des Umsatzes von etwa 655 Millionen Euro im Export erzielt.

Die Produktion am Standort Samara im Südosten Russlands sei wegen des Ukraine-Kriegs heruntergefahren, berichtete Beuke auf die Frage eines IGW-Mitglieds. Etwa 20 Prozent der Amazone-Produktion gingen zuletzt in die Agrar-Nationen Russland und Ukraine. Gleich nach Kriegsausbruch habe die Unternehmensführung reagiert und die ukrainischen Angehörigen der Mitarbeiter der Amazone-Vertriebsgesellschaft in Kiew nach Deutschland in Sicherheit gebracht.

Sogenannte Vogelstäbe halten Vögel von den empfindlichen Tannenspitzen fern. Foto: IGW

Die Auswirkungen des Kriegs beschäftigten auch die Mitglieder der IGW bei ihrer Jahrestagung im Hotel Wiehen-Therme in Hüllhorst. Daran nahmen drei Vertreter der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein teil, mit der die IGW einen Beratungsvertrag geschlossen hat. Die zwei Corona-Jahre habe die Weihnachtsbaum-Branche zum Großteil unbeschadet überstanden, stellte IGW-Vorsitzender Peter Geiß (Peiting/Oberbayern) fest. Wie sich jedoch nun die Inflation und die Preise auf den Weihnachtsbaumhandel auswirken werden, sei nicht absehbar.

Neues Kinderbuch geplant

2020 hatte die Interessengemeinschaft beim Carlsen-Verlag Hamburg die Herausgabe eines Pixi-Kinderbüchleins zum Thema Weihnachtsbaum initiiert. Dem soll nun für ältere Kinder ab etwa acht Jahren ein Buch folgen, das auch digital genutzt werden kann.

Die IGW ist ein Verband, deren 67 Mitgliedsbetriebe sich für den gesunden Weihnachtsbaum aus der Region einsetzen. Es sollen ausreichend Bäume ohne lange Transportwege oder zum Selbstschlagen in der Heimat zur Verfügung stehen.

In Deutschland werden nach Schätzungen alljährlich bis zu 25 Millionen Bäume für das Fest benötigt, in Österreich nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft der österreichischen Christbaumproduzenten 2,6 Millionen. Die beliebteste Baumart ist die Nordmanntanne; ihr Anteil liegt bei 80 Prozent.

Startseite
ANZEIGE