1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Luebbecke
  6. >
  7. Mit ganzheitlicher Perspektive

  8. >

Kathrin Böhning kandidiert für CDU und Grüne bei der Bürgermeisterwahl in Lübbecke

Mit ganzheitlicher Perspektive

Lübbecke (WB). Trotz Corona: Kathrin Böhning hat die vergangenen Wochen und Monate genutzt, um sich in Lübbecke bekannt zu machen. Die 58-jährige Bürgermeisterkandidatin von CDU und Grünen berichtet von vielen Gesprächen mit Menschen: auf ihrer Ortsteiltour, in ihrer Telefonsprechstunde, bei Unternehmensbesuchen oder einfach auf der Straße. Was sie zu hören bekommt, soll nicht verpuffen. Seien es Wünsche nach einer Sitzbank an einer bestimmten Stelle oder nach einer Aufwertung der Skater-Anlage oder Klagen über zu viel Müll in der Stadt oder im Moor: „Wir müssen sehen, wie wir das verbessern können“, sagt Kathrin Böhning.

Friederike Niemeyer

Kathrin Böhning will mit Unterstützung von CDU und Grünen Bürgermeisterin in Lübbecke werden. Auch für Burgmannshof (Foto) und Marktplatz hat sie Vorschläge: mehr Sitzmöglichkeiten, Spielangebote und Schatten für mehr Aufenthaltsqualität. Foto: Niemeyer

Von mehr Bürgernähe und Transparenz in der Politik sprechen viele. Die Heilpraktikerin und Diplom-Betriebswirtin wird hier konkret und will als Bürgermeisterin eine regelmäßige Bürgersprechstunde einführen, den Besuchern der Ratssitzungen nicht nur ein Frage- sondern auch ein Rederecht einräumen, Live-Streams der Sitzungen anbieten und die Sitzungsanfänge nach hinten schieben, damit auch Berufstätige dabeisein können. Außerdem will sie zu ausgewählten Themen sogenannte Kommunalwerkstätten einführen, bei denen interessierte Bürger ihre Ideen einbringen können. Vielleicht solch ein Thema: Aus Hagen und Wuppertal kennt Kathrin Böhning das Projekt Waste Watcher, also Mülldetektive. Die achten in bestimmten Gebieten darauf, dass nicht illegal Müll entsorgt wird und versuchen die Verursacher zu ermitteln. Auch vielleicht eine Idee für Lübbecke, meint Böhning.

Die 58-Jährige ist überzeugt, dass sich schon durch ihren Wahlkampf etwas verändert hat: SPD und Bürgermeister hätten Themen aus ihrem Wahlprogramm übernommen, etwa Bürgerbeteiligung, mehr Aufenthaltsqualität auf dem Marktplatz oder den Radverkehr. Bei anderen wichtigen Entscheidungen habe sich hingegen mangelnde Bürgernähe gezeigt, sagt Kathrin Böhning. Sie denkt etwa an die Ratssitzung zur Freibadsanierung, als mehr als 100 Vielschwimmer vor Ort waren, um sich für den Erhalt der 50-Meter-Bahnen einzusetzen. „Nur die CDU hat überhaupt die Bürger dazu im Vorfeld befragt, auch zum Thema Polizei, die Grünen zum Thema Radfahren. Die SPD hat das noch nie gemacht.“

Böhning vermisst Bürgernähe

Auch beim Westertor-Projekt sei kein Interesse an Bürgernähe bemerkbar gewesen, sagt Böhning, die viele der Sitzungen verfolgt hat. „Auch die Sonderratssitzung zum CDU-Antrag für eine Bürgerbefragung. Das von der Tagesordnung zu nehmen, war nach meinem Verständnis undemokratisch.“ Inzwischen wundere sie sich sehr, dass nach all dem Zeitdruck, der in der Bauleitplanung gemacht worden sei, nun immer noch nicht gebaut werde. „Wenn sich nach der Wahl herausstellt, dass es Probleme mit der Umsetzung des Projekts gibt, würde das nahelegen, dass dies mit Absicht vor der Wahl nicht gesagt wurde“, sagt Böhning.

Den Abriss des ZOB für das Einkaufszentrum hält Böhning für „den schlimmsten Preis“. Andernorts würden neue ZOBs gebaut: „Bravo Stemwede, die machen das, was wir brauchen.“ Gleichwohl ist auch Böhning nicht dafür, die Gänsemarkt-Parkplätze für einen neuen ZOB zu opfern. „Aber wenn der Westertor-Investor abspringt, wäre das die Chance, noch mal neu zu gucken.“ Es habe ja auch alternative Projektideen gegeben.

„Mit Herz und Verstand für unsere Stadt“ lautet etwas abgedroschen klingend das Wahlkampfmotto der Bürgermeisterkandidatin. Dahinter verbirgt sich aber der ganzheitliche Ansatz der naturheilkundlichen Therapeutin, Körper, Geist und Seele zusammen im Blick zu haben. „Ich bin überzeugt, dass auch eine Stadt ganzheitlich gesehen werden muss“, sagt Böhning. Aus dieser Betrachtung ergebe sich dann eine Strategie, eine Vision für die Stadt. „Einzelmaßnahmen auf Zuruf sind nicht genug“, kritisiert sie das aktuelle Handeln der Verwaltungsspitze.

Wahlkampf komplett in der Freizeit

Und da fehle ihr im Rathaus darüber hinaus auch ein Stück Empathie für die Menschen in der freien Wirtschaft, etwa jetzt in der Coronakrise. Das können Verwaltungsbeamte bestimmt nicht so nachvollziehen, die ihr Gehalt weiterbekommen. „Ich dagegen habe in der Anfangszeit wie viele andere auch wirklich Existenzängste gehabt, schlaflose Nächte“, sagt die Freiberuflerin. Und sie habe sich gefragt, warum sich Lübbeckes Bürgermeister in dieser Zeit nicht an die Menschen gewandt habe. Auch jetzt in der Phase der Lockerungen sehe sie einen großen Unterschied zum Amtsinhaber: „Ich mache den Wahlkampf komplett in meiner Freizeit. Abends oder in der Mittagspause.“

Auch wenn ihr der Mitbewerber sein Verwaltungswissen voraus habe, betont Kathrin Böhning, dass sie bereits bewiesen habe, rasch Neues zu lernen und dass sie auch den dazugehörigen Mut habe. Außerdem habe sie als Verwaltungschefin fähige Mitarbeiter mit Detailwissen. Sie sehe sich als Bürgermeisterin in der Rolle, im Rathaus die Leitlinien und die Atmosphäre vorzugeben und vorzuleben. Sollte sie nicht gewählt werden, will sich Kathrin Böhning dennoch weiter für Lübbecke engagieren – ehrenamtlich im Stadtrat. Das sei der Grund, warum sie parallel zu ihrer Bürgermeisterkandidatur auch für die Lübbecker Grünen als Direktkandidatin und Spitzenkandidatin auf der Reserveliste bei der Stadtratswahl antrete.

„Mein Herz schlägt grün, aber auch für die CDU“, sagt Kathrin Böhning. Die Themen Umwelt- und Klimaschutz sowie Wirtschaftsförderung seien ihr beide sehr wichtig. Dennoch habe sie sich nun mal vor fünf Jahren den Grünen-Ortsverband entschieden. Für die Bürgermeisterkandidatur habe sie ihr Parteibuch aber aus zwei Gründen abgegeben: Sie wolle für alle wählbar sein, und sie wolle, dass auch von den Ratsmitgliedern niemand eine Art Fraktionszwang verspüre, mit der Bürgermeisterin abstimmen zu müssen. Kathrin Böhning: „Ich möchte etwas für Lübbecke tun. Entweder parteiunabhängig als Bürgermeisterin oder als Ratsmitglied.“

Startseite