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Dritter Spieltag der fußballkulturellen Lesebühne mit Irene Margil in Lübbecke

Mit Händen und Füßen

Lübbecke (WB). Wenn die Autorin und Kommunikationsdesignerin Irene Margil aus Hamburg kommt, dürfen die Gäste in der Regel mehr als nur ein klassisches Vorlesen aus einem ihrer 40 Bücher erwarten. Die ehemalige Sat1-Sportredakteurin agiert mit Händen und Füßen, animiert zum Hinhören und Mitmachen. So auch während der dritten Veranstaltung in der Reihe „Lesebühne“, zu der der Jugendförderverein des FC Lübbecke in die Mediothek eingeladen hatte.

Silke Birkemeyer

Bei der Lesung von Irene Margil im Rahmen der fußballkulturellen Lesebühne mussten die Kinder ordentlich mitmachen. Foto: Birkemeyer

Fast 40 Kinder im Grundschulalter und ihre Eltern hatten sich zu der ungewöhnlichen Lesung eingefunden und besetzten in gespannter Haltung die bunten Schaumstoffelemente und kleinen Hocker. Mädchen und Jungen waren der Einladung des Jugendfördervereins gefolgt, der die besondere Lesereihe mit insgesamt sechs Spieltagen, also Lesungen, mit unterschiedlichen Autoren und Akteuren aus der Fußballszene organisiert hatte. Und schon zu Beginn war klar: das wird ein besonderes Hörvergnügen. Denn noch bevor die ersten Zeilen aus dem Buch „Fußball und sonst gar nichts“ vorgelesen wurden, stimmte die geübte Autorin die Kinder mit einem Fangesang in der Art eines Stadionsprechers auf die nächsten 60 Minuten ein.

„Frie-da Sie-ve-king“ ertönte es in der Manier einer Fankurve nach einer kurzen Übung laut und kräftig aus den Kindermündern. Auch Dennis Schröder durfte sich über diesen Sprechgesang mit seinem Namen freuen. Das Spiel konnte beginnen. Für die erste und die zweite Halbzeit hatte Irene Margil Ausschnitte aus dem Leben des zehnjährigen Protagonisten der Geschichte, dem fußballbegeisterten Niklas, herausgesucht. Dabei ging es um die Höhen und Tiefen im Trainingsalltag.

Projekt wird 2020 fortgesetzt

In der Passage, in der Niklas’ Mutter eine Wunde am Knie mit der Pinzette und Jod ausgiebig reinigt, verzog nicht nur die Autorin theatralisch das Gesicht. Die Kinder litten mit, zogen die Schultern zusammen oder hielten sich die Ohren zu. „Keine Sorge, es wird alles wieder gut“, unterbrach die Autorin den Lesefluss und stimmte die kleinen Zuhörer auf das gute Ende ein. Margil ist Profi auf der Lesebühne. Zu jeder Zeit hatte sie die Kinder im Blick, wanderte die Sitzreihen entlang, deutete Pässe und Gesten an, verstellte ihre Stimme und wurde mit einem aufmerksamen Publikum belohnt.

Begeistert waren auch die Eltern, die in den hinteren Stuhlreihen die besondere Lesart der 47-jährigen miterleben durften. Und auch sie machten fleißig mit, als in der Halbzeitpause eine Fanchoreographie auf dem Programm stand. Rhythmisch klatschten alle Gäste auf Oberschenkel, Bauch, Arme und Schultern und erzeugten so einen sonoren Klang, der in der Mediothek gut zu hören war. Mit ihren Lesungen möchte Irene Margil zum Lesen motivieren – das gelang ihr mit der engagierten und mitreißenden Art.

Die Hürde, ein Buch zu lesen, das mit dem Lieblingssport zu tun hat, sei geringer, meinte zum Abschluss der Veranstaltung auch Philipp Knappmeyer, 1. Vorsitzender des Jugendfördervereins des 1. FC Lübbecke. Das kulturverbindende Projekt, das von vielen regionalen Betrieben gesponsert wird, wird 2020 an drei weiteren Terminen fortgesetzt.

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