1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. OWL
  4. >
  5. Lübbecke
  6. >
  7. Nach Brand in Nettelstedt: Familie sucht neues Zuhause

  8. >

Michelle Heine und Philipp Schiewe haben fast nichts aus den Flammen retten können

Nach Brand in Nettelstedt: Familie sucht neues Zuhause

Lübbecke

Sie haben sich und ihre Familie aus dem brennenden  Haus retten können. Viel mehr ist ihnen aber nicht geblieben. Jetzt suchen Michelle Heine und Philipp Schiewe ein neues Zuhause in Nettelstedt: für sich, vor allem aber für ihren dreijährigen Sohn und ihr ungeborenes zweites Kind.

Von Friederike Niemeyer

Zwei Wochen nach dem verheerenden Brand: Philipp Schiewe und Michelle Heine stehen erstmals gemeinsam wieder vor dem Mehrfamilienhaus, in dem sie unter dem Dach gewohnt haben. Foto: Friederike Niemeyer

Als der 25-jährige Maschinenbediener und die 30-jährige Physiotherapeutin am Freitag erstmals gemeinsam wieder zu dem Sechs-Parteien-Wohnhaus an der Schnathorster Straße kommen, lebt die Erinnerung an den Tag des Brandes wieder auf. Es ist der 20. November. Rauch dringt an diesem Sonntagmittag aus der Nachbarwohnung im Obergeschoss auf ihren Flur, erinnert sich Michelle Heine. Ihre Mutter Bettina kümmert sich um das Kind und die Australien-Shepard-Hündin Khaleesi, während sie sich im Badezimmer die Haare färbt.

„Wir dachten erst, da ist etwas auf dem Herd vergessen worden“, erzählt die junge Frau, die im Februar das zweite Kind erwartet. Doch dann erkennen sie, dass es ernst ist, rennen mit Oma, Kind und Hund nach draußen. Er ohne Schuhe, sie im Bademantel. Zehn Menschen verlieren durch den Brand ihr Zuhause.

Es war wohl eine Kerze, die unbeaufsichtigt war und das Feuer auslöste, teilt die Polizei später mit. Es entwickelte sich ein großer Dachstuhlbrand, der ein Großaufgebot an Feuerwehr auf den Plan rief. „Wir haben das aus dem Haus eines Nachbarn beobachtet und uns bemüht, dass Levi sowenig wie möglich sieht.“ Denn, so erzählt es Michelle Heine, der sensible Dreijährige ist total überfordert mit der Situation. „Er hat das alles nicht verstanden. Einem Dreijährigen zu erklären, dass alles, alles weg ist, das ist wirklich schwierig.“

Polizei und Rettungskräfte und ein Großaufgebot der Feuerwehr waren im bei dem Brand am 20. November im Einsatz. Foto: Martin Nobbe

Und weg sind nun in der Tat bis auf ein paar wenige persönliche Gegenstände alle Möbel, wichtige Unterlagen sowie Kleidungsstücke, das Spielzeug und auch die Weihnachtsgeschenke und die schon angeschaffte Babyausstattung. „Das neue Kinderzimmer war gerade fertig“, sagt Philipp Schiewe.

Sorgen statt Adventsstimmung

Dankbar ist die Familie, dass sie allesamt körperlich unversehrt geblieben sind und nicht obdachlos sein müssen, sondern bei Mutter Bettina Heine in Fabbenstedt gut untergekommen sind. Und dankbar für die große Hilfsbereitschaft aus Familie, Nachbarschaft und Kindergarten. „Das kann man im Leben alles gar nicht wieder gut machen“, sagt Michelle Heine. Sachspenden sind das, aber auch mal die Betreuung des Kindes, wenn sich die Eltern um all das kümmern, was nach so einer Katastrophe ansteht, Telefonate und Behördengänge.

Elefanten sind Levis Lieblingstiere. Tasse und Plüschtier des Dreijährigen gehören zu den wenigen Dingen, die gerettet werden konnten. Foto: Friederike Niemeyer

Doch das alles raubt ihnen oft den Schlaf und erschöpft sie, erzählen die jungen Eltern. Und vorweihnachtliche Stimmung, die will bei ihnen trotz eines geschenkten Adventskranzes in diesem Jahr so gar nicht aufkommen. „Eine Kerze zünden wir bestimmt nicht an“, sagen sie auch mit Blick auf die Ursache für ihre missliche Lage.

Am liebsten wieder in Nettelstedt

Auf Dauer möchten Michelle Heine und Philipp Schiewe  gerne wieder eine eigene Wohnung beziehen, gerade weil es bald ein Geschwisterchen für Levi gibt. Doch das ist gar nicht so leicht, weil auch die anderen betroffenen fünf Parteien auf Wohnungssuche sind und günstiger Wohnraum derzeit generell knapp ist. Und weil die Familie gerne in Nettelstedt und Umgebung bleiben möchten. „Levi soll in seinem Kindergarten bleiben können, damit es wenigstens eine Konstante in seinem Umfeld gibt“, sagt die besorgte Mutter, die wegen ihrer Schwangerschaft derzeit ihrer Arbeit im Lübbecker Krankenhaus nicht nachgehen darf.  Ihr Mann arbeitet in Bünde bei der Firma Hunger, und so ist der Bereich östliches Lübbecke, Rothenuffeln oder Schnathorst für sie als Wohnort bestens geeignet.  Wer ein Wohnungsangebot für die ausgebrannte Familie hat  (vier Zimmer und mindestens 90 Quadratmeter), der kann sich an die Westfalen-Blatt-Redaktion in Lübbecke wenden: E-Mail [email protected] oder Telefon 05741/3429-20. 

Startseite
ANZEIGE