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Aber wenig Resonanz auf erste Aktionen in Lübbecke und in Espelkamp

Notversorgung für Obdachlose läuft

Lübbecke (WB). Zwei Be­sucher in zwei Stunden: Die Notversorgungsaktion für Obdachlose in Lübbecke ist nicht auf große Resonanz gestoßen. Tags zuvor in Espelkamp und am Tag danach in Minden gab es weitere Aktionen, um Obdachlose mit Sachspenden und Gutscheinen für Supermärkte zu versorgen.

Ingo Notz

„Engel der Straße“: (von links) Jasmin Stegemeier, Ralf Spilker, Sarah Kelle und Mariola Stahnke hatten in Lübbecke ihren Hilfe-Tisch aufgebaut, stießen mit ihrem Angebot aber nahezu auf keine Resonanz. Ein Bedürftiger hat die Möglichkeit genutzt. Foto: Ingo Notz

Corona und die Folgen: Nicht zuletzt die besonders Bedürftigen leiden unter den Umständen , so dass das Landes-Sozialministerium Ende März im Rahmen einer Soforthilfe 500.000 Euro für die Versorgung von Obdachlosen zur Verfügung gestellt hat. In diesem Rahmen hat sich auch der Verein „Hilfe für Menschen in Krisensituationen“, Hexenhaus Espelkamp, um Gelder bemüht und konnte nach der Zusage mit der Verteilung der so finanzierten Notfallpakete beginnen. Im Altkreis Lübbecke gab es jeweils einen Aktionstag in Espelkamp und in Lübbecke.

Einsatz an der Kreissporthalle

Dass die vier Mitarbeiter in Lübbecke an der Kreissporthalle trotz dieses attraktiven Angebots bei ihrem Einsatz weitgehend unter sich waren, nahm die Teamleiterin des ambulant betreuten Wohnens, Sarah Kelle, gefasst auf: „Man kann ja keinen zwingen! Wir machen dieses Projekt jetzt zum ersten Mal. Wichtig ist, dass die Hilfe am Ende bei den Leuten ankommt, die Hilfe brauchen.“

Und die gebe es nach wie vor, auch wenn sie nicht zu der Notversorgung kommen würden, betont Kelle. „Obdachlose sind nicht immer im Zentrum oder unter der Brücke, es gibt auch versteckte Obdachlosigkeit. Auch hier in der Gegend. Es ist nicht immer das Klischee vom saufenden und rauchenden Obdachlosen unter einer Brücke“, erklärte die Mindenerin vor Ort, dass sich auch in einem Flächenkreis das Problem nicht aufgelöst habe – es sei nur nicht so sichtbar wie in Ballungszentren. Dass es trotz der vorhandenen Bedürftigkeit zahlreicher Menschen im Altkreis Lübbecke so gut wie keine Resonanz auf das Angebote in Lübbecke und auch nur wenig mehr auf das in Espelkamp gegeben hat, versuchte sich Sarah Kelle mit den Umständen zu erklären: „Vielleicht ist es eine Vertrauenssache, zu sagen: Ich hab nichts...“ Wer dieses Vertrauen investiert hat, konnte wertvolle Utensilien mitnehmen: vom Schlafsack über Kleidung, Hygienebeutel, Mund-Nase-Schutzmasken der Espelkamper Ein-Laden-GmbH und 45 Euro in Gutscheinen zweier Supermärkte.

Aktion von Sozialarbeit und Hexenhaus

„Ein Besucher kam aus der städtischen Obdachlosenunterkunft und erzählte, dass seine Mitbewohner kein Interesse gehabt hätten, ihn zu uns zu begleiten. Ein anderer wollte gar nichts haben und ist dann wieder gegangen“, zog Kelle in Lübbecke eine nüchterne Bilanz der zweistündigen Hilfsaktion. Die geringe Resonanz überraschte nicht nur die ehrenamtlichen Helfer.

Die Mühen der Sozialarbeiter und des Espelkamper Hexenhauses müssen trotz der geringen Wirkung vor Ort allerdings nicht umsonst gewesen sein, denn die Spenden werden nun über die bekannten Einrichtungen weiter angeboten und können dort abgeholt werden, wenn Bedarf besteht. Daher betont auch Hexenhaus-Bereichsleiterin Maria Köhn den über den Moment hinausreichenden Ansatz der Aktion: „Das ist ein Auftakt gewesen, um dieses Thema ins gesellschaftliche Bewusstsein zu bringen. Das hat auch etwas mit Haltung zu tun! In der Kürze der Zeit war es eine Herausforderung, aber das war jetzt ein klares Signal für die Öffentlichkeit!“

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