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Hamburger Ohnsorg-Theater zeigt „Ein Mann mit Charakter” in der Stadthalle Lübbecke

Oma hat das Sagen

Lübbecke (WB). Wenn das Publikum den Text mitsprechen kann, dann muss es sich wohl um einen Klassiker handeln. Und in der Tat: Das Lübbecker Publikum konnte am Freitagabend die Komödie „Ein Mann mit Charakter“ genießen. Das Ohnsorg-Theater aus Hamburg war zu Gast in der Stadthalle.

Eva Rahe

Bäckermeister Heinrich „Heiner“ Hintzpeter (Till Huster, links) ist ein Mann mit Charakter. Aber seine Mutter Dora (Heidi Mahler) und sein Bruder Fritz (Michael Koch) machen ihm das Leben immer wieder schwer. Foto: Eva Rahe

Wer in den 1970er Jahren groß geworden ist, kennt das noch. Am Samstagabend versammeln sich alle vor dem Fernseher, um Ohnsorg-Theater zu gucken. Immer mit dabei die legendäre Heidi Kabel, die sich auf Plattdeutsch in die Herzen des deutschen Publikums spielte. Heidi Kabels Rolle der Dora Hintzpeter übernahm in der aktuellen Version des Theaterklassikers „Ein Mann mit Charakter“ keine andere als ihre Tochter Heidi Mahler. Mit dem altbekannten „Tock Tock“ ihres Gehstocks kündigte sie sich an, und als Dora Hintzpeter auf die Bühne trat, wurde sie mit lautem Zwischenapplaus begrüßt. Die schroffe, gradlinige und allemal liebenswürdige Art der alten Dora konnte Mahler ebenso gut verkörpern, wie damals ihre berühmte Mutter.

Hier wusste man, was einen erwartet

Die Zuschauer konnten sich an diesem Abend bequem zurücklehnen und alles auf sich zukommen lassen. Hier wusste man, was einen erwartet. Die gute alte Stube der 70er Jahre nämlich. Das Bühnenbild nahm die Zuschauer mit auf eine Zeitreise. Von der originalen Tapete über das gute Kaffeegeschirr bis hin zum 70er Jahre Cocktailsofa. Alles passte genau ins Bild. Und natürlich rundeten auch die Kostüme der Schauspieler dieses herrliche Bild perfekt ab.

Die quirlige junge Gisela Hintzpeter, gespielt von Eileen Weidel, hatte sich unsterblich in einem Finanzbeamten (Christian Richard Bauer) verliebt – natürlich ganz zum Verdruss ihres Vaters, Bäckermeister Heinrich, genannt Heiner Hintzpeter (Till Huster), der am liebsten einen Bäcker als Schwiegersohn hätte. Till Huster spielte Bäckermeister Hintzpeter mit Bravour: Kautzig, ganz und gar von sich selbst überzeugt, eben ein Mann mit Charakter. Sein Lieblingsspruch „Ich bin ein Mann, der weiß was er will – was will ich denn“, war ein Running Gag. Zum Glück musste Oma Dora dem Jungen immer wieder mal ordentlich den Kopf waschen, dass bloß kein Klüngel aufkam. Sowieso hatte Oma Dora eigentlich immer noch das Sagen im Hause Hintzpeter. Und alle hatten reichlich Respekt vor ihr. Herrlich, wie der freche Bäckerlehrling Peter Hinz, großartig gespielt von Lara Maria Wichels, vor der Oma kuschte.

Theaterstück ist komödiantisches Schauspiel

Das Theater im Hause Hintzpeter war eine köstliche Mischung aus gutem komödiantischen Schauspiel und einer lockeren und authentischen Inszenierung. Die flotten Sprüche, der typische „Hamburger Snack“, die sehr gut aufeinander abgestimmten Pointen, das alles ergab einen heiteren und äußerst kurzweiligen Abend. Vor allem der erste Teil, wo das Durcheinander perfekt war und Bäckermeister Heiner von einem Unglück in das nächste tappte, war ein großer Spaß für das heimische Publikum.

Man konnte merken, dass das Stück ein Original war und zwar eines aus dem Jahr 1969. Frauen haben noch die typischen Hausfrauenrollen inne oder stehen hinter der Ladentheke, und Männer eben die typischen Männerpositionen: Sie sind Hausherren, Chefs und Geldverdiener. Das es insgeheim aber ganz anders war und die Frauen mit Tricks und Kniffen das Leben ihrer Männer bestimmten, auch das zeigt dieses Stück mit einer herrlich verspielten Leichtigkeit und Bravour.

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