Neues Buch: Kabarettist Bernd Gieseking schreibt über seine Erlebnisse in Finnland

Reisender Chronist des Glücks

Minden

Wenn Bernd Gieseking liebt, dann richtig. Zwar bedient er als Kabarettist auch die Abteilung Satire, doch beschreibt er als Reisebuch-Autor bevorzugt das, was ihm gefällt. So auch in „Finne dein Glück“, seinem dritten Buch über Finnland.

Von Hartmut Horstmann

Die Zeit des Wartens und der leeren Theatersäle ist vorbei. Der in Minden lebende Kabarettist Bernd Gieseking, den viele Lübbecker auch wegen seines „Jahresrückblicks“ kennen, hat nach langer Coronapause wieder Auftritte. Dabei präsentiert er auch sein Buch „Finne dein Glück“, das soeben erschienen ist. Foto: Hartmut Horstmann

Der 62-Jährige, der in Minden wohnt, hatte dank seines Bruders mit dem Land der Mitternachtssonne Bekanntschaft gemacht. Denn Axel Gieseking hatte es liebesbedingt nach Finnland verschlagen. Als ihn die Eltern dort besuchen wollten, übernahm Bernd Gieseking gewissermaßen die Rolle des Chauffeurs. Mehr als zehn Finnland-Aufenthalte folgten – aus den Erinnerungen an den Urlaub mit den Eltern entstand „Finne dich selbst“, das sich zu einem kleinen Bestseller entwickelte.

Jetzt also erneut ein Finnland-Buch mit einem kalauernden Titel: „Finne dein Glück“. Während der Erstling ein Roadmovie mit Elternbegleitung darstellte, handelt es sich bei der neuen Veröffentlichung eher um ein Stationendrama im Urlaubsmodus. Nicht gemeinsames Erleben steht im Mittelpunkt, sondern die Vielzahl der Menschen, die der Autor auf seiner Reise trifft. Und immer wieder stellt er ihnen die eine Frage: Worin das Glück der Finnen bestehe. Schließlich liege das Land im „World Happiness Report“ ganz vorne.

Keine Frage, hier schreibt ein Fan für andere Fans. Ein Fan mit einem großen Herz für Skurrilitäten wie das „Hobby Horsing“. Dabei gilt es, mit einem Steckenpferd aus Holz einen Parcours zu bewältigen. Als sehr talentiert in dieser finnischen Spezialdisziplin erweist sich Giesekings Freundin Rita, die ihn auf einem Teil der Reise begleitet. Ohne Abwurf meistert sie ihren ersten Holzpferd-Ritt.

Entsprechend gut ist die Stimmung – und wenn sich der Autor als Glücks-Rechercheur betätigt, dann stets aus der subjektiven Perspektive des liebenden Journalisten. Als Gieseking auf die Millionen von Saunen in Finnland zu sprechen kommt und über Energieverbrauch und Klimawandel nachdenkt, will er den nächsten Gesprächspartner mit dem Thema konfrontieren. Doch es bleibt beim Vorsatz – statt kritische Fragen zu stellen, lässt es sich der Mindener mit Dosenbier in der Sauna des Gastgebers gut gehen.

Leben und leben lassen: Auf der Suche nach der finnischen Glücksformel erfährt der Autor von einer Künstlerin: „Wir müssen kein Leben haben wie in Amerika, wo man von allem ganz viel braucht. Wir sind zufrieden mit ziemlich wenig.“ Gieseking nennt es später „glückliche Genügsamkeit“, er selbst muss nur die Landesgrenze übertreten, um euphorisiert zu sein. Oder wie er gleich im ersten Satz des Buches schreibt: „Immer wenn ich in Finnland bin, bin ich glücklich.“

Bernd Gieseking: Finne dein Glück. Eine Spurensuche im Land der Mitternachtssonne.

Fischer Verlag, 304 Seiten, 11 Euro

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