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Lübbecker Inhaber-Ehepaar geht in Ruhestand – Lockdown-Dilemma: Ladenlokal für Schlussverkauf gesucht

Sport Soja schließt nach 45 Jahren

Lübbecke

1976 haben Edda und Hans-Jürgen Soja ihr Sportgeschäft in Lübbecke eröffnet. „Nach 45 Jahren gehen wir in den wohlverdienten Ruhestand“, sagt das Inhaber-Ehepaar. Bereits seit 2018 haben sie sich darum bemüht, einen Nachfolger zu finden, der das Geschäft weiter führen möchte.

Arndt Hoppe

Edda und Hans-Jürgen Soja geben nach 45 Jahren ihr Sportgeschäft in Lübbecke auf und gehen in den Ruhestand. Tennis und Skilaufen gehören zu ihren Lieblingssportarten. Die beiden besonderen Schläger haben sie als Andenken aufbewahrt. Der Lockdown und ein auslaufender Mietvertrag sorgen für einen Abschied mit Hindernissen. Foto: Arndt Hoppe

„Wir hätten sogar die komplette Einrichtung kostenlos zur Verfügung gestellt“, sagt Hans-Jürgen Soja. „Trotzdem gab es keine Interessenten.“ Somitverliert die Stadt ein weiteres Traditionsgeschäft, das ganze Generationen von sportbegeisterten Lübbeckern mit allem rund um Sport und Fitness versorgt und dazu beraten hat.

Sport Soja ist zwei Mal umgezogen. Von 1980 bis 1994 war das Geschäft im Haus Am Markt 8. Hier ein Foto von 1991. Foto: Stadtarchiv Lübbecke Fotosammlung Walter Schumann

Insgesamt blickt das Ehepaar daher auch sehr zufrieden auf die viereinhalb Jahrzehnte zurück. „Wir haben damals 1976 beide unsere Berufe aufgegeben und unser Hobby zum Beruf gemacht“, erläutert Edda Soja, die zuvor als Bankangestellte arbeitete. „Wie sich herausstellte, haben wir uns mit unseren Fähigkeiten für den Laden prima ergänzt“, sagt Hans-Jürgen Soja, der ursprünglich Maschinenbautechniker gelernt hat.

Über die Jahrzehnte hinweg ist Sport Soja zwei Mal umgezogen. „Wir sind aber immer am Markt geblieben“, sagt Edda Soja. Der erste 100 Quadratmeter große Laden war Am Markt 20. Schon 1980 folgte der Umzug in die Hausnummer 6 bis 8 auf der gegenüberliegenden Seite des Marktplatzes (heute Novo Tergum), wo zwei Etagen zur Verfügung standen. „Dort haben wir mehrmals umgebaut“, erinnert sich Hans-Jürgen Soja gut. „1994 sind wir dann in unseren heutigen Laden eingezogen, in dem wir 700 Quadratmeter Verkaufsfläche haben“, sagt Edda Soja.

Der erste Lockdown im März 2020 hat Hans-Jürgen (74) und Edda Soja (70) dazu bewogen, Ende März 2021 als Datum für den Abschied in den Ruhestand festzulegen. „Aber dass es so endet, haben wir uns damals nicht träumen lassen“, sagt die Geschäftsfrau. Das Timing stellt sich nämlich nun aufgrund des aktuellen Corona-Lockdowns als ausgesprochen ungünstig heraus.

Denn der Mietvertrag für die Geschäftsräume ist zu Ende März gekündigt. „Unser Vermieter hat bereits einen Nachmieter, so dass wir voraussichtlich bis Ende dieses Monats raus müssen“, sagt sie. „Wir müssen jetzt ein Ladenlokal finden, um die vorhandene Ware noch abverkaufen zu können. Denn wegen des Lockdowns haben wir dafür sonst womöglich viel zu wenig Zeit.“ Sie wären sehr froh, erklären sie, wenn sich noch jemand fände, der ein entsprechend großes Ladenlokal zur Verfügung stellen könnte: „Je näher, desto besser.“

Abschied von Sportgeschäft Soja in Lübbecke nach 45 Jahren. Das Team mit (von links): Astrid Schiermeier, Susanne Holle, Irene Feer, Hans-Jürgen Soja, Edda Soja, Monika Abraham, Roswitha Haake. Foto:

Im übrigen erklärt Geschäftsmann Soja: „Wir haben weder November- noch Dezember oder sonst irgendwelche Corona-Hilfen in Anspruch genommen. Das geht alles nur über Steuerberater und es ist hoch kompliziert.“

Eigentlich wäre der Zeitraum von Januar bis März ideal für den Räumungsverkauf gewesen, weiß der 74-Jährige aus seiner langjährigen Erfahrung. „Die Menschen fassen gute Vorsätze und die Freiluft-Sportsaison geht los. Aber der Lockdown macht das natürlich jetzt alles zunichte.“ Für den Sonderverkauf zur Geschäftsaufgabe hat sich das Ehepaar Unterstützung durch die Firma Sigg geholt, die seit 25 Jahren Erfahrungen auf dem Gebiet hat. „Ein solcher großflächiger, gut sortierter Laden ist wirklich ein großer Verlust für die Stadt“, sagt Georg Richter vom Unternehmen Sigg.

Über Generationen treu

Hans-Jürgen und Edda Soja wissen auch, wem sie für den Erfolg des Geschäftes zu danken haben: „Ohne unser motivierten und kompetenten Mitarbeiter wäre das gar nicht möglich gewesen. Die meisten von ihnen sind schon mehr als 25 Jahre bei uns.“ Sie seien auch wichtig für einen guten Kontakt zu den Kunden. „Denn unser Dank gilt natürlich ebenso den Stammkunden, die uns zum Teil über Generationen hinweg treu geblieben sind.“

Und nicht ohne Stolz kann Hans-Jürgen Soja sagen: „Uns hat das Internet nicht in die Knie gezwungen.“ Gerade im Sportbereich sei offenbar die persönliche Beratung noch gefragt: „Das war immer unser Plus.“ Auch die Zugehörigkeit zu Verkaufsverbänden sei von Vorteil gewesen. Seit Jahren gehörte Soja zu Intersport. „Wir sind aber kein Franchise-Unternehmen, sondern waren immer unabhängig.“ Doch Intersport ermögliche bessere Einkaufskonditionen, „und dass man bei den Trends immer auf dem Laufenden bleibt“.

Roller-Skates und Bumm-Bumm-Boris

Und an die verschiedenen Sport-Trends, die sie durch ihr Berufsleben begleitet haben, erinnern sich die Sojas gerne. Man merkt den Beiden ihre eigene Begeisterung für den Sport nach wie vor an. „Mein Mann hat ganz früher Handball gespielt – das war noch Feldhandball. Dann kam für uns Tennis dazu und schon immer waren wir begeisterte Skiläufer“, sagt Edda Soja. Ein Mode-Sport sei zum Beispiel in den 80-er Jahren das Roller-Skating gewesen, erzählt Hans-Jürgen Soja. „Da bin ich zu einem Hersteller ins Sauerland gefahren. Zu Anfang musste ich die Skate-Rollen mit Bremsgummis noch selbst unter den Turnschuhen befestigen. Da habe ich platte Daumen gekriegt.“ Für einen riesigen Tennis-Boom habe Boris Beckers Wimbledon-Sieg 1985 gesorgt. „Damals wollten alle seinen grauen Puma-Schläger haben.“

Eine tolle Aktion sei 1987 ein Vortrag des Bergsteigers Reinhold Messner gewesen, den das Sportgeschäft gemeinsam mit der Bücherstube organisiert habe. Die Nachfrage war so groß, dass die Stadthalle nicht ausreichte und der Vortrag in die Kreissporthalle verlegt wurde.

Regionale Unterschiede

Weitere große Trends seien Inliner oder auch Kickboards gewesen. Regelmäßig fuhren die Sojas zu Messen, um auf dem Laufenden zu bleiben. „Als Händler vor Ort habe ich den Vorteil, dass ich meine Kundschaft kenne“, sagt Hans-Jürgen Soja mit Blick auf regionale Unterschiede. „Was in Düsseldorf der ‚Renner‘ ist, kann in Lübbecke der ‚Penner‘ sein.“

Ein Trend, der wirklich eine Verbesserung gewesen sei, seien Carving-Skier gewesen. Amüsant ist in dabei die Anekdote, dass die erste Skiwerkstatt der Sojas im heimischen Wohnzimmer aufgebaut war, weil der Laden zu klein war. „Da haben wir den Raum zu Hause mit einem Vorhang abgeteilt“, sagt Edda Soja und lacht. Mit Blick auf den kürzlichen Wintereinbruch sagt sie: „Uns hat das Herz geblutet. Da hatten wir nach Jahren endlich wieder mal reichlich Schnee, und unsere Wintersportartikel blieben im Regal liegen, weil wir im Lockdown waren.“

Anrufen und Abholen

Um zumindest unter Corona-Bedingungen mit dem Ausverkauf beginnen zu können, startet Sport Soja mit „Call and Collect“. Täglich von 10 bis 13 Uhr können Interessierte unter 05741-7734 anrufen. Sie werden beraten und können Sportartikel bestellen, die sie dann kontaktlos abholen können. Auf das ganze Sortiment gibt es 20 bis 50 Prozent Rabatt.

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