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Trotz Jungtiersterbens im Mai: So viele Brutpaare wie nie im Kreisgebiet sichern die Zukunft des Bestandes 

Störche machen es sich bequem 

Lübbecke (WB). Der Mühlenkreis ist auch Storchenkreis. Dass diese Gleichung aufgeht, ist nicht nur der Tatsache geschuldet, dass der Kreis Minden-Lübbecke die Storchenhochburg schlechthin in ganz NRW ist. Hinzu kommt der stete Anstieg der Population. 54 Paare brüteten in diesem Sommer im Kreisgebiet: Rekord. Bei den Jungvögeln mussten allerdings viele Verluste verzeichnet werden.

Friederike Niemeyer

Auf Nisthilfen wie dieser lassen es sich die Weißstörche gerne nieder. 54 Brutpaare hat es 2014 gegeben. Und weil viele von ihnen Erstbrüter sind, stehen die Chancen gut, dass die Tiere auch im nächsten Jahr wiederkehren. Foto:

 Noch einmal sieben Brutpaare mehr als im Vorjahr, die sich 2014 im alten Storchenland an Weser, Bastau und Großer Aue niederließen: Das freut die aktiven Tier- und Umweltschützer im Aktionskomitee »Rettet die Weißstörche«, allen voran Vorsitzender Dr. Dr. Alfons Bense aus Petershagen. Als um 1990 nach jahrelangem Niedergang nur noch drei besetzte Horste im Kreis Minden-Lübbecke zu zählen waren, schien das Aussterben des Weißstorchs sowohl im Kreis als auch in NRW unmittelbar bevorzustehen, erinnert er sich. Jetzt steigt die Population kontinuierlich an, sogar unerwartet deutlich, meint Bense. »Die Analyse der Daten, die sich aufgrund der Ringe von annähernd 50 Prozent der Brutstörche ergeben, lässt uns prognostizieren, dass sich die positive Entwicklung noch fortsetzen wird.« Das durchschnittliche Alter der brütenden Störche habe sich weiter auf 5,75 Jahre (gegenüber zuvor 6,4 Jahre) verringert, berichtet der Storchenexperte. 26 erstmals als Brutvögel auftretende zwei-, drei- und vierjährige Störche dürften die Zukunft des Bestandes sichern, meint Bense. Denn falls diese Jungtiere überleben, kehren sie mit großer Wahrscheinlichkeit in den Folgejahren wieder in ihr Erstbrutgebiet im Raum Minden-Lübbecke zurück.

 Storchenhauptstadt für ganz NRW blieb Petershagen mit 20 besetzten Horsten. Hille folgt mit beachtlichen 14 Brutpaaren dichtauf. In Lübbecke gab es fünf Brutpaare, in Stemwede und Rahden je drei, in Preußisch Oldendorf zwei, in Espelkamp und Hüllhorst je eines.

 Bei so vielen brütenden Störchen wäre auch eine Rekordzahl an Jungtieren zu erwarten gewesen. Doch Alfons Bense muss einen unzureichenden Bruterfolg notieren: »In vielen Orten kam es dann durch den extrem nasskalten Mai zu großen Enttäuschungen.« In 43 Prozent der Horste gingen sämtliche Jungstörche wetterbedingt ein, von mindestens 122 ermittelten Jungen flogen schließlich nur 57 (47 Prozent) in die Storchenwelt hinaus.

 Kommt das Wetter nicht in die Quere, finden die Weißstörche im Kreis mittlerweile gute Lebensbedingungen vor – auch ein Verdienst des Engagements der Storchenfreunde. Sorge bereitet Alfons Bense allerdings, dass Bindegarn aus der Landwirtschaft oft achtlos in der Landschaft liegen gelassen wird. Im Frühjahr haben Storchenbetreuer in fast der Hälfte der Horste solche unverweslichen 40 bis 200 Zentimeter langen Reste der zurückliegenden Brutsaison gefunden. Jungstörche erdrosseln sich darin oder schädigen sich mit oft tödlichen Folgen an Beinen und Flügeln.

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