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Lübbecker Krankenhausmitarbeiter beteiligen sich an „Jerusalema Dance Challenge“

Tanzschritte gegen den Corona-Frust

Lübbecke (WB)

Wie sehr Tanzen befreit, die Sorgen vergessen lässt und neue Kraft gibt – erst recht in der Gemeinschaft – hat eine ungewöhnliche Aktion am Krankenhaus Lübbecke gezeigt.

Kathrin Kröger

Mit Schwung und viel Spaß präsentieren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Choreografie zum Song „Jerusalema“. Das gemeinsame Tanzen hat den Zusammenhalt gestärkt, waren sich die Mitwirkenden einig. Foto: Christian Schwier

Mehr als 100 Mitarbeiter haben an der „Jerusalema Dance Challenge“ teilgenommen, basierend auf einem lebensfrohen südafrikanischen Song, der die ganze Welt in Bewegung setzte. Eben auch die Lübbecker.

So wurden in der Zeit zwischen den Jahren das Krankenhaus und das Medizinische Zentrum für Seelische Gesundheit (ZSG) zu einem Tanzpalast. Die Botschaft: „Lasst uns zusammenhalten, die Schutzmaßnahmen einhalten und vor allem 2021 mit einem Lachen beginnen.“

Sie klatschen, wackeln mit den Hüften, tippen mit den Füßen, zeigen Tanzschritte, hüpfen ausgelassen durch die Flure und animieren andere zum Mitmachen. Natürlich alle mit Maske. Immer mehr lassen sich begeistern von der Ausgelassenheit und dem Rhythmus in dem Video, das die Mühlenkreiskliniken zu der Tanzchallenge gedreht haben. Auch der Zuschauer fühlt sich sofort mitgerissen – es sind Momente des Glücks und der Freude in immer noch schwierigen Pandemie-Zeiten.

Sarina Stockmann, Teamleiterin der Station 7 Ost am ZSG, hatte zusammen mit einem Kollegen die Idee zu der Challenge. Im Gespräch mit dieser Zeitung erzählt sie, wie das Ganze seinen Anfang nahm: „Ich habe mit einem Kollegen von der Kinderklinik am Johannes-Wesling-Klinikum in Minden telefoniert. Ich kannte ihn von einem Leitungslehrgang. Wir kamen auf die Tanzaktion zu sprechen, von der wir beide gehört hatten. Angesichts einer gedrückten Stimmung auch in Minden entstand der Funke der Idee. Das war Anfang Dezember, aber ich hab das dann erstmal wieder ruhen lassen.“ Die Hemmschwelle sei halt relativ groß gewesen. „Tanzen? Das kann doch keiner von uns.“ Ihr Team, so berichtet die 28-Jährige, sei aber gleich begeistert gewesen von der Aktion.

Und dann zog die Initiative immer weitere Kreise. Eine E-Mail Mitte Dezember mit Erklärungen zur Dance Challenge sowie Anleitungen zur Choreografie fiel auf fruchtbaren Boden. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht in den beiden medizinischen Einrichtungen in Lübbecke. Auch die Pflegedienstleiterin Tanja Ames fand die Idee toll.

„Nach anfänglichem Zögern, weil sich die Leute erst nicht trauten zu tanzen, wurden wir quasi überhäuft mit Anfragen aus dem ganzen Haus – sogar von anderen Standorten der Mühlenkreiskliniken kamen einige Mitarbeiter nach Lübbecke“, sagt Stockmann, die sich auch in der Rückschau immer noch überwältigt von der Resonanz aus dem Kollegenkreis zeigt. „Mitzumachen war natürlich auf freiwilliger Basis und dann haben so viele in ihrer Freizeit oder in den Pausen, etliche auch im Urlaub, die Schritte eingeübt.“

Mancher schickte ihr sogar ein Video per Whatsapp, wie er daheim in der Familie die Choreografie trainierte. Einige tanzten zu dem Hit „Jerusalema“ auch um den Weihnachtsbaum herum. So wie Sarina Stockmann selbst, wie sie lachend erzählt. Zum Videodreh zwischen den Jahren, am 29. Dezember, seien die meisten ebenfalls im Urlaub gewesen und trotzdem gekommen. „Das hat uns Kraft für die nächsten Herausforderungen gegeben, die unzweifelhaft auf uns warten“, sagt die Teamleiterin.

Nicht zuletzt in der psychiatrischen Pflege sei es wichtig, dass beispielsweise ein depressiver Mensch wenigstens ein Mal am Tag einen schönen Moment erlebe, lachen könne, betont Stockmann. „Das sagen wir unseren Patienten auch immer wieder.“ Einfach mal Freude haben und Freude vermitteln – das sollte hinter der Challenge stehen. Sarina Stockmann und ihre Kollegen waren dankbar für eine kurze Ablenkung vom belastenden Krankenhausalltag. „Auch wir hatten positive Corona-Fälle.“ Ihre Station sei schließlich geschlossen worden und soll am 18. Januar wieder geöffnet werden. Und jetzt auch noch der aktuelle Ausbruch auf der Station 4 West (von dort war niemand beim Dreh dabei). „Es sind sorgenvolle Zeiten“, sagt Stockmann, die jedoch den Mut nicht sinken lässt.

Das Tanzen sei wie ein Ventil gewesen. Gefilmt wurden die „Gänsehautmomente“ an verschiedenen Orten mit unterschiedlichen Teilnehmern. Das Team der Intensivstation war genauso mit von der Partie wie die Physiotherapie, die Bettenzentrale und verschiedene Pflegebereiche und Stationen. Sogar auf dem Hubschrauberlandeplatz des Krankenhauses sowie im Therapiegarten wurden Einstellungen gedreht – auch aus der Luft. Edelhart Scheidig, ein Mitarbeiter des ZSG, hat im Nebenberuf eine Eventfirma, die sich unter anderem auf professionellen Drohnenflug spezialisiert hat. Sofort bot er den Kollegen seine kostenlose Unterstützung an. Und die Patienten? Die verfolgten das Spektakel mit großem Vergnügen.

ZSG-Pflegedirektor Claus Behrens machte ebenfalls mit. Er sagt: „Ich finde es großartig, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieses Zeichen setzen. Es ist weit mehr als ein Tanz. Es ist ein Ausrufezeichen. Es ist das Bekenntnis, sich dem Virus entgegenzustellen.“ Stockmann schwärmt: „Das Haus hat komplett diesen Zusammenhalt gespürt. So etwas wollen wir unbedingt nochmal machen. Vielleicht im Sommer 2022.“

Das Video ist unter anderem zu sehen unter https://youtu.be/YgF_VX7lfC8.

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