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Probleme durch Internet-Handel von Hunden

Lübbecker Tierheim warnt: Welpen nicht online kaufen!

Lübbecke

 Illegaler Handel mit jungen Hunden ist ein Phänomen, das seit Corona massiv zugenommen hat. Viele Tiere werden als Welpen online verkauft. Das bringt viele Probleme mit sich.

Von Sonja Töbing

Diese Hundewelpen wurden von der Polizei in einem Fahrzeug gefunden. Foto: Polizei Hannover

Der kleine Joker hat mit seinen acht Monaten schon mehr Schicksalsschläge verkraften müssen als andere Hunde in ihrem gesamten Leben. Er landete bislang zwei Mal im Lübbecker Tierheim.

Der Hund leidet aufgrund einer genetisch bedingten neurogenerativen Erkrankung unter schweren Krampfanfällen und Orientierungslosigkeit. Tierheim-Leiterin Sara Meinsen vermutet, dass Joker, der kleine Vierbeiner mit dem großen Kämpferherzen,  ursprünglich als kleiner Welpe über eine Internet-Anzeige auf einschlägig bekannten Portalen wie Ebay-Kleinanzeigen oder Quoka verkauft werden sollte, aufgrund seiner Krankheit jedoch wertlos für seine Besitzer wurde. „Die Tierarztkosten waren den Anbietern vermutlich zu hoch, deswegen wurde Joker ausgesetzt“, so Meinsen.

Sie und ihre Kollegen erleben in den vergangenen Monaten immer häufiger Fälle wie diesen. „Der Online-Verkauf von Welpen hat stark zugenommen, Corona hat sicherlich einen großen Teil dazu beigetragen“, betont die Leiterin des Tierheims, in dem derzeit mehr als 150 Tiere auf ein liebevolles Zuhause warten. Das Problem sei, dass so gut wie alle Anbieter unseriös seien und nur den schnellen Verdienst im Blick hätten: „Das Wohl der Tiere interessiert diese Züchter nicht.“

Joker aus dem Tierheim Lübbecke leidet unter einer genetisch bedingten Erkrankung, die seine Vorbesitzer nicht behandeln ließen. Jetzt hat er ein neues Zuhause in Aussicht. Foto: Tierheim Lübbecke

Manche Händler wollen mühelos Geld verdienen

Auch in Lübbecke, Espelkamp und Umgebung kenne sie zahlreiche Familien und Händler, die junge Hunde als Chance sehen, mühelos Geld zu verdienen. „Während der Pandemie wollten viele Menschen einen Welpen zum Zeitvertreib haben. Hunde mit einer Vorgeschichte, wie sie in den Tierheimen größtenteils zu finden sind, standen eher nicht auf der Wunschliste“, erklärt Sara Meinsen.

Die Anbieter der niedlichen Welpen seien mittlerweile äußerst gewieft und wüssten haargenau, was sie ihren Kunden vorgaukeln könnten. „Da werden falsche Impfpässe oder Muttertiere präsentiert, oft sehen die zukünftigen Besitzer das Tier in einer scheinbar intakten Umgebung. Dabei befinden sich in Wirklichkeit 30 und mehr Hunde in einer Scheune nur wenige Meter entfernt.“

Die Vierbeiner sind nie sozialisiert worden

Die ausschließlich als sichere Geldquelle dienenden Vierbeiner seien niemals sozialisiert worden, Verhaltensstörungen gebe es zuhauf: „Wenn die neuen Besitzer das zu Hause bemerken und feststellen, dass sie mit dem Hund nicht umgehen können, kommt er schließlich zu uns ins Tierheim. Doch haben wir mittlerweile keine Kapazitäten mehr, unsere Warteliste ist lang.“

Im Lübbecker Tierheim sind derzeit rund 150 Tiere untergebracht. Sie alle warten auf ein liebevolles Zuhause. Foto: Sonja Töbing

Obwohl Sara Meinsen und ihr Team die Internet-Inserate genau beobachten, sind ihnen rechtlich gesehen die Hände gebunden. „Da gibt es keine Handhabe“, betont die Tierheim-Chefin. Ihrer Meinung nach sei die Politik gefragt, dem unseriösen Online-Welpen-Handel Einhalt zu gebieten, indem Paragraph 11 der Tierschutz-Hundeverordnung geändert und verschärft wird.

Bis es soweit ist, kann das Lübbecker Tierheim-Team nur eines tun: Immer wieder auf die unseriösen Angebote im Internet hinweisen und die traurig stimmenden Schicksale solcher Hunde wie Joker mit der Öffentlichkeit zu teilen – via Homepage, Social-Media-Kanälen und natürlich den heimischen Medien wie der LÜBBECKER KREISZEITUNG.

„Wer sich einen Welpen kaufen möchte, sollte unbedingt darauf achten, das Muttertier präsentiert zu bekommen. Eine Hündin, die erst kürzlich geworfen hat, ist an ihrem Gesäuge zu erkennen“, gibt Sara Meinsen Tipps für den Umgang mit Anbietern. Weiterhin sollte man sich die Unterlagen beider Elterntiere zeigen lassen, beispielweise die Impfpässe. „Es ist auch wichtig zu prüfen, ob der Hund offen auf einen zugeht oder eher verstört wirkt.“ Grundsätzlich rate sie jedoch jedem Interessenten davon ab, einen Welpen im Internet zu erwerben.

Gute Nachrichten gibt es übrigens für Joker: Er hat eine Pflegestelle bei einer Hunde-Physiotherapeutin in Aussicht. Vielleicht gibt es für den kleinen Kämpfer nach all‘ den Schicksalsschlägen doch noch ein Happy End.

Sara Meinsen, Leiterin des Lübbecker Tierheims, hat den kleinen Joker in ihr Herz geschlossen. Foto: Sonja Töbing

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